Leserbrief
Leserbrief „Meine Meinung“ – „Warum die Tourismus-Chefin Waggershauser von insgesamt 420.000 Besuchern träumt“ – „Fress- und Saufstände, Nippes aus China“
Baden-Baden, 23.11.2024, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Wolfgang Holstein Stellung.
Am Freitag war eigentlich das ideale Wetter für einen Besuch des Weihnachtsmarktes; eisiger Wind, leichtes Schneetreiben, kurz: richtiges Winterwetter. Allerdings hielt sich der Besuch des besagten Marktes doch in sehr überschaubaren Grenzen. Warum die Tourismus-Chefin Waggershauser von insgesamt 420.000 Besuchern träumt, ist wahrscheinlich ihr Geheimnis, oder der Baden-Badener Bauern-Mathematik geschuldet, wonach 10.000 Besucher pro Tag insgesamt also 420.000 Besucher für die ganze Veranstaltung bedeuten würden. Na ja, lassen wir sie in ihrem Irrglauben. Zumal sich das dortige Angebot neben Fress- und Saufständen auf Nippes aus China reduziert. Es gibt noch einige Stände, denen man zutrauen kann, dass die Ware tatsächlich aus der EU stammt, aber die werden früher oder später aufgeben. Gegen hervorragend nachgemachte Produkte aus China zum halben Preis kann kein deutscher oder europäischer Handwerksbetrieb bestehen.
Aber wie zeigt sich die Stadt an so einem Tag? Ein mehrfacher Bummel durch die Lange Straße ließ erkennen, dass die Läden leer waren und die einzelnen Verkäuferinnen sich selbst beschäftigen mussten. Sogar in einem sonst extrem stark frequentieren Café nähe Wagener waren Tische frei. Daneben wirbt man immer noch unverdrossen mit einem Immobilien-Objekt mit 960 qm Verkaufsfläche. Wer braucht so eine gigantische Verkaufsfläche, wenn Kaufhäuser aller Orten reihenweise pleitegehen. Na ja, vielleicht könnte man das Objekt in ein Eros-Center umbauen. So etwas gibt es in der Gegend noch nicht («Spaß»).
Bei einem der wenigen Metzger, die es in der Innenstadt noch gibt und der für seine Fleischweck berühmt ist, für die die Kunden in der Regel bis auf die Straße Schlange stehen, waren die Verkäuferinnen mangels Kundschaft mit der Reinigung der Auslage beschäftigt.
Kurz, trotz der sich ständig wiederholenden Anfeuerungen der schlecht bezahlten Jubel-Perser der regionalen Printpresse halten die Leute ihr Geld zurück. Zu schlecht sind die Meldungen über die schwächelnde Auto-Industrie, von der auch viele tausend Arbeitsplätze in der Region abhängen. Da will verständlicherweise keine rechte Weihnachts-Jubelstimmung aufkommen.
Und wenn man dann auch noch die Preise betrachtet, dann vergeht einem sicher die Lust an einem vergnüglichen Tag in Baden-Baden. Da ist bei einem sehr renommierten Restaurant auf der Speisenkarte eine «Tagessuppe» für 30 Euro aufgelistet. Die Vorspeisen mit durchschnittlich 50 Euro und die Hauptspeisen mit 70 bis 80 Euro. Man benötigt keinen Taschenrechner, um sich auszurechnen können, was ein 3-gängiges Menü für 2 Personen kostet. Aber es soll kein Neid geschürt werden, das muss jeder für sich selbst entscheiden, ob ihm die Nahrungsaufnahme so viel Wert ist. Jedenfalls gibt man dort für ein Essen mehr aus, als eine 3-köpfige Familie für die ganze Woche zur Verfügung hat.
Aber auch die Auslagen anderer Geschäfte sind nicht unbedingt geeignet, bei normalen Menschen Begeisterungsstürme auszulösen. Ein Verkaufsraum für Autos von Aston Martin macht zwar etwas her und stellt für die Stadt zweifellos eine Bereicherung dar, ob man allerdings mittels gesetzlich geforderter Preisauszeichnung darauf hinweisen muss, dass der gezeigte SUV 300.000 Euro kostet, zeugt nicht von Taktgefühl. Dies könnte man diskreter verpacken.
Vielleicht sollte man sich auch in Baden-Baden wieder darauf zurückbesinnen, dass der Großteil der Bevölkerung aus normalen Menschen mit den üblichen Sorgen und überschaubarem Geldbeutel-Inhalt besteht. Die Zeiten der Oligarchen und sonstigen Kriegsgewinnler sind auch für Baden-Baden vorbei.
Wolfgang Holstein
Baden-Baden
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