Leserbrief
Leserbrief „Meine Meinung“ – „Warum wird gleich auch noch die Städtepartnerschaft zwischen Baden-Baden und Sotschi sowie Jalta eingefroren?“ – Zum goodnews4-Bericht „Diffizile Nachrichten für designierten Baden-Badener OB Thomas Jung“
Baden-Baden, 27.03.2026, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Boris Fernbacher Stellung zu dem goodnews4-Bericht Diffizile Nachrichten für designierten Baden-Badener OB Thomas Jung – Einladung nach Moskau – Partnerstadt Menton wählt Oberbürgermeisterin vom Rassemblement National.
«Könnten Sie nicht, liebe Maman, ihre Aufenthalte in Baden-Baden ausdehnen, es geht ihnen doch dort besser als anderswo. Alle Russen, von denen Sie mir sagen, dass Sie sie dort getroffen haben, werden für mich bei ihrer Rückkehr besonders interessant sein.»
Diese Worte von Luise Marie Auguste Prinzessin von Baden – von 1801 bis 1825 Kaiserin von Russland – an ihre Mutter Amalie von Hessen-Darmstadt zeigen, dass die russische Oberschicht Baden-Baden bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts als Erholungs- und Erlebnisort schätzte. Später kamen unzählige russische Adlige, hohe Diplomaten und Militärs, Schriftsteller wie Gogol, Turgenjew oder Dostojewski, Großgrundbesitzer und sogar Mitglieder der Zarenfamilie nach Baden-Baden. Dies war auch während der Zeit der Napoleonischen Kriege, in denen die deutschen Länder abwechselnd auf verschiedenen Seiten standen, weiterhin möglich. In den Schlachten von Austerlitz und Friedland verbluteten 50.000 russische Soldaten. Die Badener hielten Frankreich bis zuletzt die Treue und deckten den Rückzug der Grande Armee an der Beresina. Von den 7.166 Mann, die im Frühsommer 1812 Karlsruhe verlassen hatten, fanden über 6.000 im russischen Eis und Schnee den Tod. Auch im 20. Jahrhundert blieb Baden-Baden ein beliebter Urlaubsort für russische Besucher.
Leider ist diese im frühen 19. Jahrhundert gepflegte Toleranz und Gastfreundlichkeit auch in Zeiten militärischer Spannungen zwischen Russland und Deutschland anscheinend nicht mehr möglich. Es ist ja nachvollziehbar, dass Deutschland wegen des Krieges in der Ukraine die Handelsbeziehungen mit Russland eingefroren hat. Aber warum wird gleich auch noch die Städtepartnerschaft zwischen Baden-Baden und Sotschi sowie Jalta auf der Krim eingefroren? Wollen wir wirklich alle kulturellen und zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Russland und Deutschland abbrechen und dauerhaft beschädigen? Wer nach Russland reisen möchte, muss Umwege über die Türkei oder andere Länder in Kauf nehmen. Mit dem 20. Sanktionspaket der USA und der EU gegen Russland wurde Reisebüros untersagt, touristische Reisen nach Russland zu verkaufen. Das Baden-Badener Festspielhaus führte «stalinistische Gesinnungsprüfungen» ein und kündigte die Zusammenarbeit mit dem russischen Dirigenten Waleri Gergijew auf, weil er sich angeblich nicht überzeugend von Putin distanziert habe. In Baden-Baden gab es Demonstrationen gegen Auftritte der russischen Opernsängerin Anna Netrebko. Dass vermögende Russen keine Lust mehr haben nach Baden-Baden zu kommen muss angesichts ständiger Drohungen von Einfrierung ihrer Konten und Beschlagnahmung ihres Immobilienbesitzes nicht verwundern.
Das ist der falsche Weg und genauso kurzsichtig wie dumm: Gerade in Zeiten großer militärische Spannungen ist es umso wichtiger, kulturelle und zwischenmenschliche Beziehungen weiter aufrecht zu erhalten. Erst über sie wird später auch Frieden und Annäherung möglich. Russland wird auch in 20 oder 30 Jahren - wenn der Krieg in der Ukraine beendet und der Diktator Putin längst unter der Erde liegt - noch bestehen. Als in der Mitte Europas gelegenes Land müssen wir dann auch wieder konstruktive Beziehungen mit Russland aufnehmen.
Boris Fernbacher
Baden-Baden
Quellen:
1.) Renate Effern: Der dreiköpfige Adler – Rußland zu Gast in Baden-Baden, Nomos-Verlagsgesellschaft, Baden-Baden, 1997
2.) Berliner Zeitung: Die Reisebeschränkungen nach Russland – wie ein Déjà-vu aus DDR-Zeiten
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