Leserbrief
Leserbrief „Meine Meinung“ – „Welches Menschenbild der Verfasser hat“ – Zum Leserbrief von Dietmar Wörner
Baden-Baden, 10.08.2026, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Thomas Kreuder Stellung zu dem Leserbrief von goodnews4-Leser Dietmar Wörner Leserbrief «Meine Meinung» – «Werbetrommel für AfD und eigene Person» – «Bedingungslose Parteiloyalität».
Der Leserbrief von Dietmar Wörner wirft bei mir die Frage auf, welches Menschenbild der Verfasser hat. Es handelt sich in seinen Aussagen zu dem Bildungsniveau um Klassismus bzw. Akademismus.
Er nutzt eine kognitive Schublade, was es dem Gehirn erleichtert, Menschen schnell in «schlau/wertvoll» und «ungebildet/weniger wertvoll» einzuteilen. Ich halte dies für trügerisch, da ein höherer Bildungsabschluss und ein Studium kein Garant sind, dass hierdurch beruflich bessere Ergebnisse erzielt werden. Gemäß dem Menschenbild von Herrn Wörner hätten der ehemalige Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) oder auch Karl-Josef Laumann (NRW-Gesundheitsminister von der CDU) diese Positionen nie bekleiden dürfen, da sie nur sogenannte Volksschüler waren. Auch die amtierende Bundesministerin für Arbeit und Soziales Bärbel Bas dürften nicht den Vorstellungen des Herrn Wörner entsprechen, da sie «nur» die Mittlere Reife vorweisen kann.
Schaut man sich dem gegenüber unseren aktuellen Ministerpräsidenten Cem Özdemir (studierter Diplom-Sozialpädagoge) an, muss man feststellen, dass er in seiner Zeit als Landwirtschaftsminister durch maximale Unauffälligkeit geglänzt hat, um nicht inkompetent auffällig zu werden. Mir persönlich ist Herr Özdemir in erster Linie durch die Hunzinger- und Miles-and-More-Affäre im Gedächtnis. Auch kennt er sich nachweislich mit dem deutschen Recht nicht besonders gut aus, da ihm, wie auch seiner Parteikollegin, der damaligen Außenministerin Annalena Baerbock (promovierte Völkerrechtlerin), nicht bewusst war, der Bundestagsverwaltung Sonderzahlungen in Höhe von ca. 20.000 Euro melden zu müssen. Hier darf sich jeder seinen eigenen Reim machen, ob trotz Studium in diesen Fällen die fachliche und vor allem soziale Kompetenz vorhanden ist, um diese Jobs vollumfänglich auszufüllen.
Um es auf den Punkt zu bringen. Bei allen Parteien (also nicht nur bei der AfD) geht es bei der Besetzung von Pöstchen nicht um Qualifikationen und menschliche Eignung, sondern oftmals um verwandtschaftliche und freundschaftliche Beziehungen, sowie um Parteiloyalität. Bestes Beispiel war die Vetternwirtschaft des durch den früheren Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck eingesetzten Staatssekretärs Patrick Graichen. In diesem Ministerium hat es in dieser Zeit trotz einer Besetzung mit hochkarätigen Akademikern zu vielen Themenbereichen an fachlicher Kompetenz gefehlt.
Abschließend kann ich Herrn Wörner nur bitten, seine Einteilung von Menschen, welches eine Nähe zu AfD-Narrativen hat, zu überdenken und darauf verweisen, dass in Deutschland die soziale und familiäre Herkunft den schulischen Erfolg stärker als in vielen anderen Ländern bestimmt und daher so manches talentierte Kind auf der Strecke bleibt und sich nicht ausreichend entfalten kann.
Thomas Kreuder
Baden-Baden
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