Leserbrief
Leserbrief „Meine Meinung“ – „Windkraftanlagen innerhalb der Wälder im Murgtal“ – „In Gernsbach, wie in Loffenau, nichts Genaues, weiß man nicht“
Baden-Baden, 16.10.2024, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Roland Cap Stellung zu dem goodnews4-Bericht Grünes Baden-Baden blickt nach Gernsbach – Verträge für Windkraftanlagen unterzeichnet.
In Gernsbach, wie in Loffenau, ist zu bemerken: nichts Genaues, weiß man nicht. Ob Gemeinde, ob Stadt – es ist überall das gleiche Schauspiel. Weder weiß man, wieviel Hektar Waldterritorium geschlachtet wird, noch weiß man wieviel Hektar Wald für die Zuwege geschlachtet werden, noch weiß man wieviel km die Stromleitung zum Netzbetreiber beträgt. Und welcher es sein wird. Es muss alles erst noch geplant werden. Somit ist völlig unklar, welche Kriterien solch ein Pachtvertrag beinhaltet, denn klar ist, nichts Genaues weiß man ja nicht, denn man hat ja keine genauen Pläne.
Völlig unklar ist, warum man die Anträge der IG Weitblick-Murgtal zur Einsicht des Arbeitskreises Windkraft und des Pachtvertrages verweigert. Es betrifft das öffentliche Interesse aller Einwohner v. Gernsbach oder Loffenau. Das ist rechenschaftspflichtig.
Übrigens, wussten Sie, dass es eine EU-Entwaldungsverordnung gibt? Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) schätzt, dass zwischen 1990 und 2020 weltweit 420 Mio. Hektar Wald — etwa 10 Prozent der verbleibenden Wälder der Welt und eine Fläche, die größer ist als die Europäische Union — verloren sind. Die Entwaldung allein verursacht 11 Prozent der Treibhausgasemissionen, wie im Sonderbericht der Intergouvernemental Panel on Climate Change, IPCC, dargelegt wird. Konkret müssen Unternehmen eine Sorgfaltserklärung abgeben, dass für ihr Produkt nach dem 31. Dezember 2020 kein Wald gerodet oder geschädigt wurde. Wer sich nicht an die Vorschriften hält, muss mit hohen Strafen rechnen.
Wissen die Gemeinden davon? Interessiert das Jemanden? Und was ist mit der Haftung und den Risiken bei Havarien? Es werden keine Antworten von Seiten der Stadt Gernsbach oder Loffenau gegeben.
Tatsache ist: Die Pacht zahlt der Verbraucher, die EEG zahlt der Steuerzahler und die Redispatchkosten (nicht abnehmbarer Strom, der nicht eingespeist werden kann) zahlt der Steuerzahler. Deswegen stehen WKAs öfters still. Der Steuerzahler subventioniert den nicht gelieferten Strom. Das ist ein subventioniertes Geschäftsmodell, von dem Vattenfall Europe GmbH, mit Hauptsitz in Schweden, profitiert und auf Fragen erhält man keine Antworten.
Über die Umweltschädigung, wie Abrieb von Mikroplastik durch die Rotorblätter und die daraus folgende Missachtung des Hochwasserschutzes und die Gefährdung der Trinkwasserversorgung will man nicht sprechen. Unsere Wälder sind ein riesiger Trinkwasserspeicher und geben durch die Photosynthese Sauerstoff ab und kühlen das Klima. Genauso wird die Beeinflussung des Infraschalls auf den Organismus des Menschen, der Tiere, des Waldes oder die Veränderung des Mikroklimas in der Umgebung der WKAs verschwiegen, oder es wird verharmlosend abgetan.
Auf der Loffenauer Veranstaltung – wie auch schon in Gernsbach – wurde wieder eine öffentliche Diskussion nicht gestattet. Obwohl es von einigen Besuchern solcher Info-Verkaufsveranstaltungen Einwürfe gab, hat man uns klar gemacht, dass dies nicht vorgesehen sei, man könne die Fragen bei den Infoständen stellen. Genauso war es in Gernsbach. Ein demokratischer Diskurs wird hier systematisch ausgeschlossen.
Viele Menschen und ich wollen erfahren, was wirklich unter Ausschluss der Öffentlichkeit geplant und vereinbart wird. Die besorgniserregenden Erfahrungen aus dem Norddeutschen Raum helfen uns, viele Dinge zu beachten und zu hinterfragen.
Roland Cap
Gernsbach
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