Leserbrief
Leserbrief „Meine Meinung“ – „Wirtschaftskrieg mit China“ – „Im 20-km-Radius von Baden-Baden bestehen 20.000 Arbeitsplätze, die von der Auto-Industrie abhängig sind“
Baden-Baden, 28.09.2024, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Martin Müller-Petersen Stellung.
«Lasst es sein» möchte man den EU-Abgeordneten zurufen die nun über die Strafzölle gegen China entscheiden sollen. Ihr könntet dabei eine Lawine lostreten, die der EU den wirtschaftlichen Todesstoß versetzt.
Dies ist ein Thema, welches die regionale Berichterstattung der goodnews4 zwar etwas sprengt, anderseits erfreut sich die goodnews4 aber auch einer intelligenten Leserschicht die, wenn man einmal von einigen Boykotteuren politischer Parteien absieht durchaus auch ihren Finger am Puls des internationalen Geschehens hat. Für diese Leser sind die nachfolgenden Ausführungen vielleicht interessant.
Vorab der Bezug zu Baden-Baden. Im 20-km-Radius von Baden-Baden bestehen 20.000 Arbeitsplätze die direkt oder indirekt von der Auto-Industrie abhängig sind. Hauptargument der Arbeitnehmer sich für Mercedes, Schäffler oder Bosch zu entscheiden waren die hohen Löhne die dort bezahlt wurden während das Handwerk und sonstige Dienstleistungsgewerbe keine Mitarbeiter finden. Alle drei Firmen kränkeln und wenn sich das zu einer veritablen Grippe auswächst, dann gute Nacht für Baden-Baden und Umgebung. Dann werden die ohnehin schon hohen Arbeitslosenzahlen in Baden-Baden nochmals gewaltig ansteigen. Ob die Entscheidung der Mitarbeiter richtig war diese Betriebe als Arbeitgeber zu wählen wird die Zukunft weisen.
China hat Devisenreserven in Höhe von 3.200 Milliarden Dollar (i.W. dreitausendzweihundert Milliarden Dollar). Zum Vergleich: Deutschland hat 33,4 Milliarden Dollar (i.W. dreiunddreißigvierhundert Milliarden Dollar). Die EU verfügt über Devisenreserven in Höhe von 54,1 Milliarden Dollar (i.W. vierundfünfzigeinhundert Milliarden Dollar).
Sämtliche DAX-Unternehmen repräsentieren einen Börsenwert von 1.638 Milliarden Euro. Das bedeutet, China könnte problemlos alle deutsche DAX-Unternehmen aufkaufen.
Nach einigen wichtigen innovativen deutschen Unternehmen wie z.B. den Weltweit führenden Industrie-Roboterhersteller KUKA hat China mit Leoni-Draht ein weiteres deutsches Traditionsunternehmen übernommen. Und die Steigenberger Gruppe («Europäischer Hof» in Baden-Baden) wurde aktuell ebenfalls von einer Chinesischen Hotel-Gruppe gekauft. Wenn die EU so dumm wäre China den Wirtschaftskrieg zu erklären und China daraufhin neben eigenen Zöllen auf alles was aus Europa kommt mit allen seinen eigenen Produkten zu Schleuder-Ramsch-Preisen die Weltmärkte überschwemmt, dann gehen in allen West-Europäischen Fabriken die Lichter aus und das ist dann das Ende des Wohlstands für alle Bewohner von West-Europa. In der Autoindustrie zeichnet sich diese Entwicklung bereits ab (siehe oben).
Und so etwas will man allen Ernstes provozieren? Ein führender deutscher Regierungspolitiker hat geäußert «Wir brauchen China, aber China braucht auch uns». FALSCH kann man dieser Intelligenzbestie nur entgegenschleudern. China braucht uns (Europa) nicht!! Und zwar aus zwei Gründen. Erstens kann die Staatsführung in China mit einem Federstrich verfügen, dass auf alle ausländischen Produkte 100% oder mehr Zoll erhoben werden. Dort gibt es keine Lobbyisten und geschmierten Politiker die so etwas verhindern könnten. China hat in den letzten 100 Jahren auch ohne Produkte aus Europa überlebt. Wenn derzeit deutsche Produkte in China nachgefragt werden, dann aus reinen Prestigegründen (weil teuer) aber nicht weil man sie unbedingt braucht. Und wenn es in Deutschland Innovationen gibt, dann kaufen die Chinesen diese Firma oder beteiligen sich in einer Höhe, die ihnen Einblick in die Konstruktionspläne ermöglicht. Wenn China (und Indien) aber keine Medikamente (80 Prozent!!) mehr nach Europa liefern, dann kommt zum wirtschaftlichen auch noch der gesundheitliche Kollaps über die EU.
Zweitens hat China die Gunst der Stunde genutzt und sich im Krieg gegen die Ukraine auf die Seite von Russland geschlagen wohl wissend, dass Putin dringend die Einnahmen aus den Rohstoffen und seltenen Erden benötigt, die er bisher in den Westen verkauft hat, dies aber wegen der Sanktionen nun nicht mehr kann.
Und weil die Chinesen mit allen Wasser gewaschenen Geschäftsleute sind (ich weiß wovon ich spreche) machen die sofort eine Win-Win-Situation daraus. Sie liefern den Russen alle Waren, die diese bisher aus dem Westen bezogen haben und verrechnen dies mit dem Bezug von Rohstoffen und seltenen Erden. Ein hervorragendes Geschäft, weil man die Russen aufgrund deren schwierigen Situation und weil es keine anderen Abnehmer in diesen Größenordnungen gibt, kräftig im Preis drücken kann. Die Chinesen machen aus diesem Krieg, der Russland aber auch den Westen irgendwann an den Rand des Bankerotts führen wird, das Geschäft ihres Lebens und bringt sie auf dem Weg zur Weltherrschaft ein gutes Stück voran. Einzig die USA könnten noch Paroli bieten, aber auch das nur unter erheblichem Wohlstandsverlust.
Fazit: Verhandelt mit den Chinesen (noch) auf gleicher Augenhöhe und versucht einen Kompromiss zu finden, mit dem beide Seiten gut und ohne Streit leben können! Vielleicht eine Quotenregelung?
Jetzt bekommen wir die Quittung für den deutsche Wahlspruch «Geiz ist geil»; alles muss billig sein und das kommt eben nur aus Ländern wo die Lohnkosten bei 2 Euro pro Stunde liegen und nicht bei 20 Euro wie hier. Hinzu kommt eine katastrophale, geradezu schizophrene Wirtschaftspolitik der eigenen Regierung. Hier werden Ansiedelungen von ausländischen Firmen mit Milliardenbeträgen subventioniert. Die heimische Wirtschaft hingegen wird mit vielen Auflagen, hohen Fixkosten, hohen Steuern und hohen Löhnen drangsaliert und außer Landes getrieben.
Martin Müller-Petersen
Baden-Baden
Wenn Sie auch einen Leserbrief an die Redaktion senden möchten, nutzen Sie bitte diese E-Mail-Adresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
In Ausnahmefällen veröffentlicht goodnews4.de Leserbriefe auch unter einem Pseudonym. Die tatsächliche Identität des Verfassers ist goodnews4.de in jedem Fall bekannt.
PDF «Spielregeln» für Leserbriefe an goodnews4.de
Zurück zur Startseite und zu den weiteren aktuellen Meldungen.







