Leserbrief

Leserbrief „Meine Meinung“ – Zu Franz Alt und Kurt Hermann – „Kosten von 16.000 Euro für Kauf und Einrichtung einer Wallbox sind also unrealistisch“

Baden-Baden, 03.11.2026, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Volker Lorenz Stellung zu dem goodnews4-Bericht Fällt der Klimawandel aus? – Gastkommentar von Franz Alt.

Bei der Frage Verbrenner oder E-Auto scheiden sich die Geister. Klimaaktivisten wie Franz Alt sehen im E-Auto die Zukunft zur Rettung des Planeten und verkünden, dass «in Deutschland das Geschäft mit Solaranlagen, E-Autos und Wärmepumpen boomt». Die Zukunft fahre nach Franz Alt elektrisch. Die CDU möchte das Verbrennerverbot noch ein paar Jahre in die Zukunft verschieben. Die AfD ist sehr skeptisch gegenüber E-Autos und möchte wohl, dass wir noch in 100 Jahren mit Verbrennern die Luft verpesten. Leider wird diese Diskussion überwiegend von Politikern und Aktivisten geführt, die von Energie-, Elektro- und Fahrzeugtechnik nicht allzu viel Ahnung haben. Ein Beispiel dafür ist der Baden-Badener AfD-Politiker Kurt Hermann. In einer Landtagsdebatte zum Automobilstandort Baden-Württemberg (Plenarprotokoll 18/8) meinte er: «Eine Wallbox mit einer Ladeleistung von 11 kW in einer Garage, die keinen Stromanschluss hat, kostet derzeit inklusive Stromanschluss rund 16.000 Euro».

 

Kauf und Installation einer Wallbox sind ein sehr individuelles Thema, bei dem es unmöglich ist, die Kosten exakt vorherzusagen. Diese hängen stark von den baulichen Gegebenheiten vor Ort und dem Zustand der Hauselektrik ab. Der reine Preis einer Wallbox liegt je nach Modell zwischen 300 bis 3.000 Euro. Einfache Modelle verfügen über keine smarten Zusatzfunktionen. Im mittleren Preissegment erhält man zusätzlich App-Anbindung, Lastmanagment oder PV-Anbindung. Premium-Modelle bieten noch mehr Features. Auch die Installationskosten schwanken stark. Sind ein moderner Zählschrank, freie Plätze und ein kurzer Kabelweg unter 5 Metern gegeben, reichen 500 bis 800 Euro. Längere Kabelwege, erforderliche Wanddurchbrüche oder Anpassungen im Sicherungskasten können die Kosten auf 800 bis 1.500 Euro in die Höhe treiben. Mit bis zu 3.000 Euro kann es richtig teuer werden, wenn der Zählschrank veraltet ist und komplett erneuert werden muss oder sogar aufwendige Erdarbeiten für ein freistehendes Carport erforderlich sind. Bei der Installation einer Wallbox in Mehrfamilienhäusern sind meist zusätzliche Elektrotechnik, ein Lastmanagement zum gleichzeitigen Laden mehrerer E-Autos, längere Kabelwege oder auch ein stärkerer Netzanschluss erforderlich. Das kann dann sogar bis zu 5.000 Euro kosten.

Die von Kurt Hermann kalkulierten Kosten von 16.000 Euro für Kauf und Einrichtung einer Wallbox sind also unrealistisch hoch. Um auf diesen astronomischen Preis zu kommen, muss man bei allen Kostenbestandteilen schon die ungünstigsten Ausgangssituationen zugrunde legen und sich auch noch das Premium-Modell einer Wallbox gönnen. In einer seriösen politischen Diskussion über Elektromobilität muss man aber realistische Durchschnittswerte und nicht eher theoretische und extrem teure Einzelfälle präsentieren. Es drängt sich hier der Verdacht auf, dass Kurt Hermann sich hier nur ein Beispiel mit abschreckend hohen Kosten konstruiert hat, um die generelle Ablehnung der E-Mobilität durch seine AfD zu untermauern.

Volker Lorenz
Sinzheim-Kartung


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