Leserbrief
Leserbrief „Meine Meinung“ – Zu goodnews4-Bericht „Sorge um erneuten Alleingang von OB Späth" – „Wurde dem Investor mitgeteilt, dass der Gestaltungsbeirat von einer Bebauung abrät?“
Baden-Baden, 03.07.2024, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Holger Nagel Stellung zu dem goodnews4-Bericht Sorge um erneuten Alleingang von OB Späth – Sechs Fragen der CDU zum «Vogel-Hartweg-Areal» – «Wurde dem Investor mitgeteilt, dass der Gestaltungsbeirat von einer Bebauung abrät?».
Zeitreise zurück ins Jahr 2021: Nachdem es bereits Jahre vorher schließlich doch nicht umgesetzte Planungen gab, auf dem Vogel-Hartweg-Areal zwischen Leopold- und Balzenbergstraße ein Luxushotel mit Medical-Business-Center zu errichten, wurden im Jahre 2021 dem Gestaltungsbeirat neue Pläne vorgelegt. Dieser sprach sich aber aus ökologischen Gründen gegen eine Bebauung des Areals aus. Das Gebiet sei eine der wenigen noch nicht bebauten Hanglagen von Baden-Baden. Die dort vom Norden her in die Stadt einströmenden Kaltluftströme stellten eine «grüne Lunge» des Naturraums dar. Es sei wichtig, diesen «bedeutsamen Übergang zwischen Stadt und Landschaftsraum zu erhalten». Die Fraktionen von CDU, Grüne, SPD, FBB und FW beantragten wegen den genannten naturschutzrechtlichen Bedenken den Bebauungsplan Schlossbergtangente aufzuheben und das Gebiet unbebaut zu belassen. Hier kommt auch unser Hauptprotagonist ins Spiel: Martin Ernst – bereits damals Fraktionsführer der Freien Bürger für Baden-Baden (FBB) - , der diesen Antrag für seine Fraktion unterschrieben hat.
Sprung ins Jahr 2024: Der erfolgreiche albanische Unternehmer und Investor Kadri Morinaj sitzt mit dem Immobilienmakler Martin Ernst am Konferenztisch, demselben Martin Ernst, der immer noch Fraktionsführer der FBB im Baden-Badener Stadtrat ist. Herr Morinaj ist einer der beiden Geschäftsführer der Firma Euro-Alba EA Deutschland GmbH. Gerade hat Herr Ernst den Verkauf des bislang im Besitz des Energiekonzerns EnBW befindlichen Vogel-Hartweg-Areals an Herrn Morinajs Euro-Alba unter Dach und Fach gebracht. Dafür fällt für Herrn Ernst gewiss auch eine klitzekleine Vermittlergebühr ab. Der albanische Geschäftsmann meint, er wolle nur «etwas Gutes für die Stadt tun» und sei nach Martin Ernst dafür «bereit über alles zu reden». Das klingt ja erst mal sehr positiv! Im Unternehmenszweck der Euro-Alba heißt es allerdings, dass Bau und Betrieb eines Hotel- und Kongresszentrum Ziel des Unternehmens sei. Dies sei aber nach Worten von Martin Ernst «so konkret nicht gemeint». Herr Ernst machte aber schon mal darauf aufmerksam, dass die Situation die vor 10 Jahren zum Scheitern der Bebauungspläne führte wesentliche Unterschiede zu heute aufweise, da «das Areal damals nicht den Investoren gehörte».
Ein paar rein hypothetische Gedanken: Warum ist Stadtrat Martin Ernst heute einer Bebauung des Areals anscheinend weitaus weniger abgeneigt als noch vor drei Jahren? Pusten die vom Norden in die Stadt verlaufenden Kaltluftströme inzwischen ganz woanders? Benötigt Baden-Baden diese «grüne Lunge» heute nicht mehr? Der schnelle Gesinnungswandel von Herrn Ernst hat sicher überhaupt nichts damit zu tun, dass er in seiner Funktion als Makler den großen Deal mit der bauwilligen Euro-Alba einfädeln konnte. Es ist auch ganz ausgeschlossen, dass Herr Ernst 2021 gegen eine Bebauung des Vogel-Hartweg-Areals stimmte, um so den Grundstückspreis für zukünftige von ihm betreute Kaufinteressenten zu senken. Das kann man sich nicht vorstellen, da unsere Gemeinderäte alle ehrenwerte Menschen sind, die nur an das Wohl unserer Stadt denken und eigene geschäftliche Interessen niemals Einfluss auf ihre Entscheidungen haben. Es ist gewiss nur purer Zufall, dass der Wirtschaftsjurist Boris Hofmann Mitgeschäftsführer der Euro-Alba ist und mit Herrn Ernst gemeinsam auf der Wahlliste der FBB für die Gemeinderatswahl 2024 stand. Das unwohle Gefühl über einen neuerlichen Alleingang von OB Späth in Bezug auf eine eventuell doch angedachte Bebauung des von der Euro-Alba erworbenen Areals ist sicher unbegründet. Wir schätzen unseren Oberbürgermeister doch seit Jahren als integeren, objektiven und sachlich entscheidenden Rathauschef, dem nichts ferner liegt als Absprachen und Mauscheleien hinter verschlossenen Türen. Auch ist es nicht vorstellbar, dass Herr Ernst und seine FBB sich es in den nächsten Jahren anders überlegen, und einer Bebauung des Vogel-Hartweg-Areals durch die Euro-Alba doch zustimmen. Hat Martin Ernst nicht 2003 als Vorstand der Immobilien Regional AG den Verkauf unseres schönen Alten Schlosses an die Kuwaiterin Fawzia Al-Hassawi eingefädelt? Und gehört Herr Ernst nicht heute zu denjenigen, die es am lautesten beklagen, dass dieses einst markgräfliche Schloss wegen der Inaktivität der über eine dubiose Briefkastenfirmen in der Karibik agierenden Unternehmensgruppe seit Jahren immer weiter verfällt? Aber das sind sicher alles nur Zufälle! Wir kennen die Stadträte der FBB und Herrn Ernst doch als verlässliche Bürgervertreter, die zu ihren Aussagen und Versprechungen der Vergangenheit stehen und immer nur unser aller Gemeinwohl im Sinn haben. Der Bürger kann beruhigt sein: Es ist alles im Lot, und das Vogel-Hartweg-Areal wird uns natürlich auch in den nächsten Jahren als unbebaute grüne Oase erhalten bleiben.
Holger Nagel
Baden-Baden
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