Leserbrief
Leserbrief „Meine Meinung“ – Zukunft Klinikum Mittelbaden – „Kraft, Kritikfähigkeit und Kreativität sind nötig“
Baden-Baden, 08.05.2026, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Klaus-Eckhard Walker Stellung zu dem goodnews4-Bericht Klinikprojekt angeblich am seidenen Faden – Pressekonferenz nächste Woche – «Veränderte Rahmenbedingungen».
Die vor Jahren vorgelegten «Gutachten» der Stadt Rastatt haben es von Anfang empfohlen. Das Kasernengelände Merzeau ist und war der ideale Standort für ein Klinikum in unserer Region. Man hätte die Gutachten nur kritisch lesen, verstehen wollen und hinterfragen müssen. Dass es anders kam, hat seine Gründe. Bäume wachsen allerdings auch – dies zeigt die beginnende Debatte – nicht in den Himmel.
In bierseliger Runde wurde mit dem Standort Münchfeldsee in den Hinterzimmern der Politik ein ungeeigneter Standort ausgekegelt, bei dem von vornherein absehbar war, dass nicht einmal die eigenen BürgerInnen, die Rastatterinnen und Rastatter, uneingeschränkt hinter ihm standen und stehen werden. Allein wegen des hinzukommenden Lärms waren sie bereits wegen der durch ihr Wohngebiet führenden B3 gebrannte Kinder. Die vorgesetzte Planung war einfach zu viel des Guten.
Wer auf Grund offenkundig manipulierender Argumente und fehlender wie belastbarer Feststellungen (z.B. zu den zu erwartenden Infrastrukturkosten) Entscheidungen gegen die Bevölkerung trifft, legt den Keim des Scheiterns für solche Projekte. Der Verstand hatte bei den Entscheidern ausgesetzt. Sie hätten wissen müssen: Gegen mehrere tausend Betroffene ist kein Blumentopf zu gewinnen. Wer dies glaubt, stärkt aktuell die AfD (vgl. die Wahlergebnisse nicht nur in Rastatt-Süd).
Wer heute, am 07.05.2026, die Tageszeitungen gedruckt oder digital verfolgt, kommt zu der unausweichlichen Erkenntnis «Wir stehen in Sachen Krankenhausversorgung unserer Region vor einem Scherbenhaufen». Dass wir (zu) spät dran sind, hat die Politik im Landkreis Rastatt und in der Stadt Baden-Baden zu verantworten. Der Bund hat diese Erkenntnis nun ans Tageslicht befördert. Er trägt weder Schuld noch Verantwortung für das sich anbahnende (?!) Klinik-Desaster. Eigentlich können wir dem Bund nur dankbar sein. Wir erkennen hoffentlich alle, dass und wie man mit den Steuergeldern aasen wollte.
Alkohol ist eben nicht nur kein guter Begleiter politischer Verfahren, sondern der Stoff, der Fehlentscheidungen begünstigt. Und das gilt nicht allein für den viel gescholtenen ehem. Oberbürgermeister aus Baden-Baden. Wer auf die Idee kommen kann, im Wege eines Grundstückstauschs aus in Rastatt geborenen Kindern waschechte Badener machen zu können, hat schlichtweg nicht alle Tassen im Schrank (siehe auch SWR EXTRA3) oder zu viel getrunken. Vor dieser Erkenntnis kann sich auch der damalige Rastatter Oberbürgermeister nicht drücken.
Nur in einer Art Allmachtsgefühl und Überheblichkeit können die entscheidenden Oberbürgermeister und Gemeinderäte gedacht haben, schwerwiegende Standortentscheidungen hinter dem Rücken der Bürger treffen zu können. Die (Kontroll-?) Gremien haben nachvollzogen, was ihnen vorgelegt wurde. Naivität, Absicht oder Dummheit standen vermutlich Pate.
Eine Mehrheit für den Standort am Münchfeldsee gab es beim Rastatter Bürgerentscheid zwar in den Rastatter Dörfern, aber nicht dort, wo die Menschen leben, die den jetzt wieder auf dem Prüfstand stehenden Unsinn ausbaden sollten (oder doch noch müssen?). Wenn Bürgerinitiativen in gleicher Sache auch noch in Baden-Baden in einem solchen Ausmaß aus dem Boden schießen, hätte dies für alle Verantwortlichen ein Warnsignal sein müssen. Konsequenzen hieraus wurden nicht einmal erwogen.
Jetzt heißt es womöglich wieder einmal, alles auszusitzen, statt sich mutig für die Interessen der Bürgerinnen und Bürger und den besten Klinikstandort der Grundversorgung zu entscheiden. Dazu gehört in die Überlegungen aufzunehmen, ob es sein muss, weitere neue Flächen für das im Schrumpfungsprozess befindliche Großprojekt eines Krankenhauses der Grundversorgung zu versiegeln, statt im Bestand z.B. auf dem ehem. Gelände Merzeau zu bauen.
Rastatt müsste sich, um dieses Ziel zu erreichen, allerdings zumindest teilweise von einer weiteren Schnapsidee verabschieden, nämlich auf dem Gelände Merzeau in dem angedachten Umfang weiteren (angeblich) billigen Wohnraum schaffen zu können. Die aktuelle Sozialstruktur und bittere Erfahrungen aus der Vergangenheit machen dies auch nicht zwingend nötig.
Fast würde ich wetten, dass alle weiteren Entscheidungen, aus dem Sumpf herauszufinden wieder mit einem Stimmenergebnis von 40:0 enden (werden). Ich habe gehörige Zweifel an der politischen Kraft, der (Selbst-) Kritikfähigkeit und Kreativität der politischen Entscheider. Gerne lasse ich mich widerlegen.
Klaus-Eckhard Walker
Oberbürgermeister a.D.
Rastatt
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