Leserbrief
Leserbrief „Meine Meinung“ – Zum goodnews4-Bericht „Wir sind die Aussätzigen“ – „Die auch im Vorstand des AfD-Ortsverbandes Rastatt sitzt“
Baden-Baden, 10.06.2026, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Boris Fernbacher Stellung zu dem goodnews4-Bericht «Wir sind die Aussätzigen» – Baden-Badener AfD-Landtagsabgeordneter Kurt Hermann in der goodnews4-Serie «Unsere Abgeordneten».
Der frischgebackene AfD-Landtagsabgeordnete Kurt Hermann berichtet im Interview mit goodnews4 von seinen ersten Arbeitstagen im Stuttgarter Landtag. Dabei erzählt er auch, dass die Ausstellung eines Führungszeugnisses für eine seiner Mitarbeiterinnen mit Geburtsort Teheran «etwas schwierig gewesen sei» und acht Wochen gedauert habe. Bei der von Herrn Hermann genannten Mitarbeiterin handelt es sich um die aus dem Iran nach Deutschland geflüchtete Sophie Seyednia, die auch im Vorstand des AfD-Ortsverbandes Rastatt sitzt. Da stellt man sich schon die Frage, ob Frau Seyednia wirklich bewusst ist, für was für einer Partei sie da eigentlich arbeitet.
Die AfD lehnt die Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Iran sowie anderen Krisengebieten grundsätzlich ab. Sie fordert einen völligen Stopp der Aufnahme von Asylbewerbern sowie die drastische Reduzierung der Migration nach Deutschland. Der Einwanderung von Menschen aus islamischen Ländern steht die AfD besonders kritisch gegenüber. Nach einer Forsa-Umfrage sehen 98 Prozent der Wähler der AfD die Aufnahme iranischer Flüchtlinge sehr skeptisch. Unter einer AfD-Regierung hätte es Frau Seyednia also NIEMALS nach Deutschland geschafft.
Während die Menschen im Iran 2018 gegen die Repression und Korruption des Mullah-Regimes auf die Straße gingen, stellte sich die AfD auffällig klar gegen die Protestbewegung. Das iranische Regime wird ungeachtet seiner Rolle als Finanzier des islamistischen Terrors von der AfD als Stabilitätsfaktor in der Region dargestellt. Gleichzeitig fordert die Partei ein Ende der wirtschaftlichen Sanktionen gegen den Iran und bringt wirtschaftliche Kooperationen ins Spiel. Dass man damit das Terrorregime der Mullahs auch noch stützen würde, scheint den Politikern der AfD scheißegal zu sein. Hauptsache billiges Öl- und Gas für Deutschland.
Die Entscheidung von Frau Seyednia, ausgerechnet für eine Partei zu arbeiten, die Menschen ihrer ethnischen Herkunft pauschal ablehnt und gar nicht in Deutschland haben will, erinnert mich ein wenig an den Fall des afro-deutschen Jungen Hans-Jürgen Massaquoi. Dieser wollte 1934 als achtjähriger Bube nicht als Außenseiter gelten und genauso wie seine Klassenkameraden der Hitlerjugend (HJ) beitreten. Da sich die NSDAP im Gegensatz zur AfD aber gar nicht darum bemühte, sich einen demokratischen und liberalen Tarnanstrich zu geben, wurde der Antrag wegen seiner dunklen Hautfarbe natürlich brüsk abgelehnt. Dass man als Kind unbedingt dazugehören möchte und bei solch einer Organisation mitmachen will, ist verständlich und entschuldbar. Warum man aber wie Frau Seyednia als erwachsene Frau in einer Partei mitarbeitet, welche die eigenen Geschwister, Onkel und Neffen ablehnt und nicht im Land haben will, und der das Schicksal der ehemaligen Heimat Iran vollkommen gleichgültig ist, erschließt sich mir aber nicht. Oder geht es hier wie so oft im Leben mal wieder nur um Karriere und Geld?
Boris Fernbacher
Baden-Baden
Quellen:
1.) Stern: Deutliche Mehrheit glaubt, Deutschland wäre mit iranischen Flüchtlingen überfordert
2.) mena-watch: Die AfD als Lobbyorganisation des iranischen Regimes
3.) www.bundestag.de: AfD fragt nach Rolle iranischer Energielieferungen
4.) www.vice.com: Der schwarze Junge, der ein Nazi sein wollte
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