Leserbrief

Leserbrief „Meine Meinung“ – Zum Klinik-Gutachten – „Wo falsche Angaben zur Falschdiagnose führten“ – „Das Projektgebiet liegt in der Onlinekarte des LGRB (2) im Bereich der höchsten Belastungen“

Baden-Baden, 05.08.2024, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Rita Maria Hirsch-Ursinus Stellung zu dem goodnews4-Bericht «Grenzwertüberschreitung bei den PFAS festgestellt» – Klinikum Mittelbaden reagiert auf goodnews4-Anfrage.

Geht nicht – Gibt’s nicht! / Ohne Rücksicht auf Verluste! / Nach uns die Sintflut! / Koste es was es wolle! Jedes Motto könnte man als Grundlage für die Beurteilung «Baugrund geeignet» durch die Herren OB Späth, Landrat Dusch und Dr. Iber im Bezug auf den Vorbericht der Sandortuntersuchung gelten lassen. Wo im Standortgutachten der Firma ENDERA falsche Angaben zur Falschdiagnose führten, erscheint hier eine Fehlinterpretation dieser Herren, die Grundlage ihrer Aussage.

Obwohl noch wichtige Untersuchungsergebnisse und Laborwerte fehlen, soll dieser Vorbericht wohl unsere Stadträte zur Zustimmung bewegen.

Liest man diesen Vorbericht aufmerksam, so steht fest, dass man am Münchfeldsee in allen Bereichen nur noch Kompromisse eingeht und zwar sehr kostspielige Kompromisse. Die wichtigsten Vorgaben des Pflichtenheftes konnten schon von Anfang an mit diesem Standort nicht erfüllt werden, aber immer mehr ist zu erkennen, dass außer Kompromissen am Baugrund Münchfeldsee nichts Positives übrigbleibt. Jetzt muss man sogar auf die beiden Untergeschosse verzichten, aber was soll‘s….hauptsache Rastatt.

 

Doch wen wundert‘s, schon der Anfang des Vorberichtes hebt hervor, dass Rastatt falsche Angaben im ENDERA Gutachten gemacht hat!

Unter 2.1 Umwelttechnische Begebenheiten
Zu lesen ist: Entgegen den in den Unterlagen (eingereichtes ENDERA Gutachten) beschriebenen geringen Belastungen (Probenahme RSC/DJK a 01.04.2021, Quotienten Summe (QS) 0,63 bzw. 0,78), liegt das Projektgebiet in der Onlinekarte des LGRB (2) im Bereich der höchsten Belastungen. Die Quotienten Summen sind im Bereich des Projektgebietes mit QS>3 angegeben. (Unter 4.4.2 werden diese Werte als tatsächlich bestätigt). In den Bewerbungsunterlagen beschriebene, analysierte Bodenproben weisen lediglich Spuren von PFC im unbedenklichen Bereich (S 0,143) auf. Warum verwundern uns diese Falschangaben nicht?

Unter 2.2 Kampfmittel
Im Hinblick auf Kampfmittelbelastung aus Kriegszeiten liegen Hinweise vor, dass im Rahmen des Kies- und Sandabbaus in den Nachkriegsjahren (bis in die 1960er Jahre) über die Jahre Blindgänger aufgefunden und auf dem Gelände umgelagert und – ohne weitere Dokumentation wieder eingegraben wurden. Weitere Informationen hierzu vom Tiefbauamt Rastatt lagen zum Zeitpunkt des Vorberichtes nicht vor. Und auch das kann uns nichtmehr verwundern!

Eine flächendeckende Kampfmittelfreiheit kann aufgrund der punktuellen Untersuchungen für das Projektgebiet nicht erteilt werden und ist entsprechend vor Beginn der Baumaßnahmen durchzuführen. Wieso erst vor Baubeginn???

Über die Felduntersuchungen im Projektbereich erlaube ich mir keine Beurteilung, aber mir fällt nur die vermehrte Nennung von «Beton und Stahlaggresivität/Chemismus für Wärmepumpe/PFAS (Wasser)&rauqo; auf. Wo uns doch Herr Dr. Iber noch vor Tagen erklärte, wie wichtig eine geothermische Energiegewinnung für eine spätere Gewinnerzielung ist. Der Vorbericht lässt uns diesbezüglich aber ganz leicht erkennen, wie schwierig und extrem kostenwirksam doch die Umstände hierzu am Münchfeldsee daherkommen. Geothermische Energiegewinnung aus einem Grundwasserbrunnen dürfte nach dem Bericht ausgeschlossen sein, da es viel zu hohe Eisen- und Manganwerte im Grundwasser gibt. Kritische Eisenwerte von 0,1 mg/ltr. werden mit Werten von 0,13 und 0,242 mg/ltr., überschritten. Kritische Manganwerte ab 0,05 mg/ltr., werden mit gemessenen Werten von 0,141, 0,336 und 0,175 g/ltr., ebenfalls weit überschritten.

Was PFAS im Grundwasser betrifft, ist eine Wiedereinleitung dieses verseuchten Grundwassers in den Untergrund nach dem Wasserhaushaltsgesetzt ebenfalls NICHT erlaubt. All das wird extreme Kosten, aber vorrangig auch extreme Folgekosten nach sich ziehen, was eine zukünftige gewinnorientierte Bewirtschaftung eines Klinikums am Münchfeldsee sehr unwahrscheinlich erscheinen lässt.

Kompromisse über Kompromisse. auf die sich Baden-Baden niemals einlassen darf und im Hinblick auf die Kosten nicht einlassen kann.

Das Standortgutachten wurde unter falschen Aspekten und mit falschen Rastatter Angaben hingebogen. Ungenügende Recherche, ungenügende Verkehrsgutachten und die, durch Rastatt unterschlagene Umweltverträglichkeitsstudie sind Fehlerquellen, die jetzt schon hohe unnötige Kosten verursacht haben. Wir dürfen auf dieser Schiene nicht weiterfahren und ins Verderben schlittern. Die veränderten Grundlagen schreien geradezu nach einem neuen Gutachten, das alle aktuellen Erkenntnisse und Vorkommnisse mit in die Beurteilung einschließen muss. Eingeschlossen werden muss auch eine durch Experten erarbeitete Bewertung der Bausubstanz und der Nachhaltigkeit des Klinikgebäudes in Balg und eine Bewertung einer unnötige Flächenversiegelung. Dass sich hier die Verwaltung nur auf eine Aussage eines früheren Ratsmitgliedes verlässt, ist schlichtweg inakzeptabel. Ein neutrales und ein gerechtes Gutachten wird schon seit über zwei Jahren von vielen Bürgern gefordert und die Zeitverzögerung ist nur der Sturheit von Rastatt und dem KMB zuzuschreiben. Doch dort zählt nicht die optimale Gesundheitsvorsorge der Bürger, sondern nur der Standort Rastatt.

Hoffen wir auf eine späte Einsicht des KMB und eine gerechte Beurteilung aller gegebenen Voraussetzungen um das Werk endlich geraten zu lassen. Eile und Druck müssen aus der Pipeline und sind durch Verstand und Weitsicht zu ersetzen. Wobei die Finanzierbarkeit für Baden-Baden mit eine große Rolle spielt. Bleibt zu hoffen, dass die abschließenden Berichte und Laborbefunde, zu der hohen PFAS Belastung nicht auch noch in einzelnen Bereichen eine Kampfmittelfreisetzung nachweisen. Denn solch ein Tatbestand würde schon im Vorfeld auch das letzte Quäntchen Vertrauen bei wohl allen Patienten verwirken.

Rita Maria Hirsch-Ursinus
Baden-Baden


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