Leserbrief

Leserbrief „Meine Meinung“ – Zum Thema „ChatGPT sieht große Chancen für Kurort Baden-Baden“ – „Ein wirklich guter Mediziner wird nach Baden-Baden kommen, aber nicht nach Rastatt“

Baden-Baden, 10.03.2025, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Dr. Winfried von Loga Stellung zu dem goodnews4-Bericht ChatGPT sieht große Chancen für Kurort Baden-Baden – „Gezielte Werbung in wachstumsstarken Märkten als führende Gesundheitsdestination“ – „Baden-Baden könnte ein Zentrum für Kurmedizin und Präventionsforschung werden».

Zum Glück verfügt der moderne Mensch über die Künstliche Intelligenz! Der gesunde Menschenverstand allein reicht heutzutage leider nicht mehr aus.

Die Diskussion um den Standort des zukünftigen Krankenhauses ist für die Region und unsere Stadt von so entscheidender Bedeutung, dass sie keinesfalls als verspätet oder als bloßes Geplänkel abgetan werden sollte.

Ich plädiere eindeutig für den Standort Balg, nicht zuletzt aufgrund der Problematik der Zufahrtswege. In meinen 13 Jahren als Notarzt in Baden-Baden habe ich die exzellente Erreichbarkeit der Stadtklinik zu schätzen gelernt. Allerdings bin ich auch der festen Überzeugung, dass die Umsetzung des Standorts Rastatt in den nächsten 10 bis 15 Jahren eine medizinische Katastrophe für die Region darstellen würde.

 

In einem Interview mit goodnews4 vor etwa drei Jahren nannte Frau Carlein, die Tochter unseres ehemaligen Oberbürgermeisters, zwei wesentliche Punkte, die ich an dieser Stelle kurz erläutern möchte.

Zum einen verwies sie darauf, dass es bereits unmittelbar nach der Eröffnung der Klinik im Oktober 1977 Pläne zur Erweiterung des Klinikums gab. Diese Erweiterung sollte bei steigendem Bedarf realisiert werden, da das Gebäude damals nach den neuesten und modernsten medizinischen Standards konzipiert wurde. Ich erinnere mich noch gut daran, dass auch mein damaliger Chef, PD Dr. H. Eiermann, oft mit seinen Chefarztkollegen über diese Pläne sprach.

Der zweite Punkt betrifft die optimalen Bedingungen für die Patientenversorgung. Es ist eine Illusion zu glauben, dass hochkarätige Mediziner nach Rastatt ziehen werden. Das zukünftige Krankenhaus in der Gemarkung Rastatt wird in seiner Ausstattung und Qualität vergleichbar mit den Kliniken in Achern oder Kehl sein. In einem solchen Fall kann der Patient genauso gut nach Karlsruhe oder Offenburg fahren. Und der entscheidende Punkt: Ein wirklich guter Mediziner wird nach Baden-Baden kommen, aber nicht nach Rastatt. Beweis dafür sind renommierte Professoren wie Prof. Augustin und Prof. Erbe, beides ausgezeichnete Universitätsprofessoren. Beide sind nach Baden-Baden gekommen, aber niemals nach Rastatt.

Die Wahrheit ist: Baden-Baden würde ohne eine eigene Klinik in jeder Hinsicht ärmer werden, und die Patientenversorgung für die Bürger von Baden-Baden würde sich erheblich verschlechtern. Warum sollte man als Patient nach Rastatt fahren, wenn nur wenige Autobahnkilometer entfernt Karlsruhe oder Offenburg mit ihren großen Kliniken liegen?

Ein weiterer wichtiger Aspekt, den man nicht vergessen sollte, ist die Rolle des Krankenhauses als bedeutender Wirtschaftsfaktor für Baden-Baden. In der Vergangenheit kamen viele ausländische Patienten, vor allem aus Russland und dem Nahen Osten, zur Behandlung nach Baden-Baden. Es ist schwer vorstellbar, dass Rastatt jemals eine vergleichbare Anziehungskraft entwickeln könnte.

In einem weiteren Interview für goodnews4 sprach sich der ehemalige Chefarzt der Stadtklinik, Nasser Nobakht, der von Anfang an dabei war, ebenfalls für den Standort Balg aus. Seine Einschätzung basiert auf jahrelanger Erfahrung im Umgang mit den Patientenströmen. Er betonte, dass Baden-Baden immer schon ein eigenes Krankenhaus hatte – ein sogenanntes «Krankenhaus der Grundversorgung», das mit dem heutigen Begriff «Zentralkrankenhaus» gleichzusetzen ist. Im Gegensatz dazu waren die kleineren Krankenhäuser in Forbach, Bühl und Rastatt lediglich regionale Einrichtungen mit deutlich geringerem medizinischem Angebot.

Zusammenfassend muss ich feststellen, dass Baden-Baden nicht nur medizinisch, sondern auch wirtschaftlich ärmer wäre, sollte ein anderer Standort als Balg gewählt werden. Das Wichtigste jedoch ist die Tatsache, dass Baden-Baden stets ein «Zentralkrankenhaus» hatte, und dass dieses nur zugunsten der umliegenden Krankenhäuser dem Klinikum Mittelbaden untergeordnet wurde.

Ich hoffe, dass meine Gedanken den Verantwortlichen bei der Entscheidungsfindung über den Krankenhausstandort hilfreich sind.

Dr. Winfried von Loga
Baden-Baden


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