Leserbrief

Leserbrief „Meine Meinung“ – Zum Zentralklinikum – „Nachverdichtung = Arbeitsverdichtung als Qualitätsmerkmal?“ – „Ein gefährliches Versprechen“

Baden-Baden, 11.08.2025, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Mark Lopatecki Stellung .

Kaum ein Monat nach dem Bürgerentscheid zum Standort der neuen Zentralklinik in Baden-Baden zeigt sich, was viele Kritikerinnen und Kritiker bereits befürchtet hatten: Die angekündigte «bessere Gesundheitsversorgung» beginnt mit der Schließung der bestehenden Krankenhäuser in Bühl und Forbach. Offiziell ist von Effizienzsteigerung und Qualitätsverbesserung durch eine «Nachverdichtung» der medizinischen Leistungen die Rede – faktisch also durch Arbeitsverdichtung. Tatsächlich offenbart sich hier ein bekanntes Muster: Es geht offenbar weniger um eine bessere Versorgung als vielmehr um Kostensenkung – mit potenziell nachteiligen Folgen für Beschäftigte und Patientinnen und Patienten. Die Geschwindigkeit, mit der nun die Abwicklung der Standorte sowie der Verkauf der Immobilien betrieben wird, erweckt den Eindruck, dass diese Maßnahmen bereits lange vor dem Bürgerentscheid vorbereitet wurden. Damit stellt sich die Frage, ob der demokratische Entscheidungsprozess lediglich im Nachhinein als Legitimation genutzt wird.

 

Die Geschäftsführung des KMB spricht von «Synergieeffekten» und «Effizienzgewinn» – Begriffe, die auf dem Papier eine optimierte Patientenversorgung suggerieren. In der pflegerischen Realität bedeuten sie jedoch meist: weniger Personal für mehr Aufgaben, wachsender Zeitdruck, erhöhte Fehleranfälligkeit und ein steigendes Risiko für Überlastung oder Burnout unter den Beschäftigten. Die eingesparten Mittel kommen dabei selten direkt der Versorgungsqualität zugute, sondern fließen in betriebswirtschaftliche Strukturen, die mit der konkreten Arbeit am Patienten wenig zu tun haben.

Zwar könnten Effizienzgewinne theoretisch auch genutzt werden, um die Arbeitsbelastung zu senken, doch in der Praxis tritt häufig das Gegenteil ein: Die Arbeitsbedingungen verschlechtern sich, weil der zunehmende Leistungsdruck nicht durch eine angemessene personelle oder finanzielle Ausstattung kompensiert wird. Darunter leiden am Ende nicht nur die Beschäftigten, sondern vor allem auch die Patientinnen und Patienten. Die Abwanderung beider Gruppen zu anderen Gesundheitsanbietern ist eine absehbare Folge.

Die zügige Abwicklung der Standorte Bühl und Forbach lässt vermuten, dass die Bürgerinnen und Bürger nicht in vollem Umfang über die Konsequenzen der Entscheidung informiert wurden. In sarkastischer Zuspitzung ließe sich sagen: Zwei der größten «Kostenfaktoren» im Gesundheitssystem sind Patienten und medizinisches Personal – schafft man beide ab, ist es am günstigsten.

Es ist höchste Zeit, den Begriff Arbeitsverdichtung als das zu benennen, was er in vielen Fällen ist: ein Instrument zur Kostensenkung, das unter dem Deckmantel der Qualitätssteigerung zu schlechteren Arbeitsbedingungen und einer gefährdeten Patientenversorgung führt.

Dr. med. Mark Lopatecki
Baden-Baden


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