Leserbrief
Leserbrief „Meine Meinung“ – Zur Berichterstattung über Vorgänge in einer Grundschule in Bühlertal
Baden-Baden, 21.02.2025, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Bernhard Baumstark Stellung.
Der Leserbrief von Bernhard Baumstark, GEW Kreisvorsitzender bezieht sich auf eine Berichterstattung der in Karlsruhe erscheinenden Tageszeitung Badische Neueste Nachrichten zu angeblichen Vorgängen in einer Schule in Bühlertal. Bericht «Gewalt an der Grundschule in Obertal» und Kommentar «Schweigen wäre falsch» von Jörg Seiler in den BNN vom 17. Februar 25.
Verschweigen im Sinne von Vertuschen wäre in der Tat falsch. Eine skandalisierende, vorschnell bewertende Berichterstattung hingegen ist riskant und äußerst fragwürdig. Wenn etwas nicht in der Zeitung steht, bedeutet dies nicht, dass es vertuscht oder ignoriert wird.
Es ist gewiss richtig, Sorgen von Eltern und Kindern ernst zu nehmen. Ob ein in dieser Form gewählter Weg in die Öffentlichkeit der richtige hierzu ist, sollte von einer verantwortungsvollen Presse (als vierter Gewalt!) gewissenhaft hinterfragt werden, bevor man durch Begrifflichkeiten wie «Systemsprenger», «Tatort» und «Terrorisierung» unnötig eskaliert und ein tretendes Grundschulkind in den Zusammenhang eines Attentats und einer gesamtgesellschaftlichen Gewaltspirale stellt. Zur Klarstellung – hier geht es um einen Erstklässler! Wer hat keine Erinnerung an den ein oder anderen Schlag oder Tritt von oder gar gegen Mitschüler aus seinr Grundschulzeit? Und fast immer gibt es auch eine Vorgeschichte dazu… Kinder durchlaufen vor allem in der Grundschulzeit äußerst dynamische Entwicklungen, die es erzieherisch zu begleiten gilt – eine verantwortungsvolle pädagogische Aufgabe, die Grundschullehrkräfte neben der Vermittlung von lesen, schreiben und rechnen täglich zu bewältigen haben. Und dies mit immer heterogeneren Kindern, stetig zunehmenden Zusatzaufgaben und einer prekären Personalsituation bei deutlich geringerer Bezahlung als die Lehrkräfte der weiterführenden Schulen. Das ist der eigentliche Sprengstoff für unser System.
Dass dem Schulamt bereits eine Darstellung der umfangreichen präventiven und konsekutiven Maßnahmen der Schule vorliegt zeigt, dass die Schulleitung die Situation ernst nimmt und offenbar angemessen verantwortungsvoll damit umgeht. Auch die Elternvertreter wurden als Erziehungspartner der Schule eingebunden, ebenso ist davon auszugehen, dass auch Jugendamt und Schulsozialarbeit beteiligt sind. Die Schule erteilt hier keine Auskunft, weil sie die Persönlichkeitsrechte aller Beteiligten zu schützen hat.
Der Wunsch nach einem störungsfreien Schulalltag ist nachvollziehbar - den hegt auch jede Grundschullehrkraft. Auffällige Kinder können aber nicht so einfach von einer Schule entfernt werden – im Sinne von Problem verschoben, Problem behoben. Die Pädagog*innen vor Ort müssen solche Situationen bewerten und, im Kontext verschiedener gesetzlicher Grundlagen wie Schulpflicht Recht auf Bildung und Recht auf Unversehrtheit, angemessene pädagogische Vorgehensweisen einleiten. Im Umgang mit auffälligen Kindern bedarf es großer gemeinsamer Anstrengungen, für die es auch einer gewissen Ruhe, viel Zeit und einem hohen Maß an Geduld bedarf. Eine von Empörung geprägte Schlagzeilen-Berichterstattung ist dabei wenig hilfreich.
Bernhard Baumstark
Kreisvorsitzender GEW Rastatt/Baden-Baden
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