Gastkommentar
Mobil ohne Auto? – Gastkommentar von Franz Alt

Gastkommentar von Franz Alt
15.09.2025, 00:00 Uhr
Baden-Baden In unregelmäßigen Abständen veröffentlicht goodnews4.de Beiträge von Gastkommentatoren. Zum engeren Kreis gehören der Baden-Badener Bestsellerautor Franz Alt, Thomas Bippes, Professor für Medien- und Kommunikationsmanagement an der SRH Fernhochschule – The Mobile University, der sich insbesondere den Themen der Digitalisierung, IT und Künstlichen Intelligenz zuwendet.
Franz Alt ist Journalist und Bestsellerautor und lebt in Baden-Baden. Er ist Herausgeber von www.sonnenseite.com.
Kommentar: Franz Alt Bei der derzeitigen Internationalen Automobilausstellung, IAA, in München geht es um alles:
• Können die deutschen Autohersteller den Vorsprung der Chinesen beim Elektroauto noch aufholen?
• Wie lange wird es noch Verbrenner-Autos geben?
• Gehört die Zukunft der Mobilität eher dem bisherigen Individualverkehr oder eher dem Öffentlichen Verkehr?
• Mobil ohne Auto?
• Und ebenso wichtig: Bleiben die Europäer bei der Produktion von Batterien abhängig von China?
Klar ist nur, dass die Zukunft der fossilen Rohstoffe auch als Mobilitätsantrieb bald zu Ende geht. Ciao Kohle, Gas und Öl. Die Zukunft fährt auf jeden Fall elektrisch. Doch einige Politiker in Europa und Deutschland und noch wenige Autohersteller hierzulande wollen dieses Ende nicht wahrhaben. Sie wollen die Zukunft wieder einmal verschlafen. Allen voran der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. Er hat zum Auftakt der IAA einen Zehn-Punkte-Plan vorgelegt, in dem er das ab 2035 geplante EU-weite Verbot neuer Autos mit Verbrennungsmotoren kippen will. «Der Verbrenner muss in Europa zugelassen werden», fordert der CSU-Chef und sagt: «Die generelle Vorstellung, dass man in ein paar Jahren alles CO2-frei macht, ist einfach nicht realistisch.»
Nicht nur die Berliner Opposition, ausgerechnet der VW-Chef Oliver Blume hält dagegen und sagte im Vorfeld der IAA: VW habe «klaren Fokus auf die E-Mobilität». Dieser gehöre die Zukunft. Auf der IAA zeigen sowohl VW wie auch Mercedes mit neuen E-Modellen, dass sie dabei sind, gegenüber den Chinesen aufzuholen. Auch Branchenexperte Ferdinand Dudenhöfer hält Söders Aktionsplan «eher für ein Sammelsurium. Wer jetzt über das Verbrenner-Verbot redet, verunsichert Autokäufer. Verunsicherte Autokäufer sind schlechte Käufer – sie kaufen lieber gar kein Auto», warnt Dudenhöfer. Söder will mit seinem Plan Arbeitsplätze retten, doch stattdessen gefährdet er sie. Statt die Wirtschaft zu stärken, schwächt er sie. Söder ist ein Meister beim Schießen von Eigentoren. In der Süddeutschen Zeitung schreibt dazu Michael Bauchmüller: «Man muss kein Ökonom sein, kein Klimawissenschaftler und kein Hellseher, um eines abzusehen: Die Zukunft gehört nicht Kohle, Gas und Öl, sondern deren klimafreundlichen Alternativen. Mit jedem Zehntelgrad mehr Erderwärmung wird diese Entwicklung deutlicher werden. Und Deutschland, dessen wichtigste Ressourcen nicht im Boden, sondern in den Köpfen stecken, ist für diese Zukunft nicht schlecht aufgestellt. Mit einer Energiewende, die besser läuft als es viele erwartet haben. Mit einer Autoindustrie, die zwar spät, aber immerhin doch die Elektromobilität für sich entdeckt hat… Wer es gut meint mit der Wirtschaft, der stärkt diesen Vorteil – und sät nicht permanent Unsicherheit.»
Die Autoindustrie ist nach wie vor die wichtigste Branche in Deutschland. Und in dieser Branche ist VW der Platzhirsch. Wenn der Riese wankt, dann wackelt alles. Die VW-Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo: Bei VW «gehe es nicht nur um die 120.000 Jobs bei der Volkswagen AG, es geht um Deutschland». Markus Söder muss nicht unbedingt auf die Grünen hören, es wäre aber gut und hilfreich, wenn er auf VW hören würde. Die Mobilitätsrevolution wird schneller kommen als es der bayerische Ministerpräsident glaubt.
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