Offener Brief

Offener Brief – „Aktuelle Situation des Welterbezustands von Baden-Baden überdenken“ – „Auftreten als Kurstadt, die man nun nicht einmal mehr im offiziellen Namen führen will“

Offener Brief – „Aktuelle Situation des Welterbezustands von Baden-Baden überdenken“ – „Auftreten als Kurstadt, die man nun nicht einmal mehr im offiziellen Namen führen will“
Foto: Archiv

Baden-Baden, 29.04.2025, Bericht: Redaktion Einen Offenen Brief richtet der Baden-Badener Bürger Dr. Claus Buschmann unter anderem auch an Oberbürgermeister Dietmar Späth.

Aufgrund der notwendigen Sparmaßnahmen der Stadt Baden-Baden stellt der Verfasser des Schreibens den Status der Stadt als Welterbe infrage, zumal man nun nicht einmal mehr den Begriff «Kur» im Namen der Tourismus GmbH führen will.

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Der offene Brief von Dr. Claus Buschmann vom 29. April 2025 im Wortlaut:

Die Sparmaßnahmen der Stadt, die nun die Einrichtung eines UNESCO-Welterbezentrums zurückstellen, sollten Anlass sein, die aktuelle Situation des Welterbezustands von Baden-Baden zu überdenken.

Für mich ist klar, dass Baden-Baden ein weltbekanntes Renommee als traditionelle Kurstadt hat. Ob es dazu eine Plakette «UNESCO-Welterbe» (und das auch noch im Verbund mit zehn anderen Partnern) braucht, ist mir allerdings äußerst fragwürdig, zumal diese Tatsache allein nicht unerhebliche bürokratische Mittel erfordert, die in keinem Verhältnis stehen zum aktuellen Auftreten von Baden-Baden als Kurstadt (die man nun nicht einmal mehr im offiziellen Namen führen will).

 

Meiner Ansicht nach müsste man sich viel mehr um die Erhaltung, Sanierung und Präsentation der vorhandenen Substanz, die schließlich zur Anerkennung als Welterbe geführt haben, kümmern, nämlich um das, was ein «Spa» ausmacht. Dazu braucht es keine billigen Posterwände und auch kein Welterbezentrum.

Das traditionelle Vorzeigebad, das man auch oft in Werbefotos der Stadt findet, das Friedrichsbad, ist in keinem guten Zustand. Lange Zeit wurde die Hälfte der Badeeinrichtungen einfach geschlossen. Man hört, dass Duschen teilweise kein Wasser liefern und andere sich nicht abdrehen lassen, dass abgefallene Fliesen nicht ersetzt werden...

Bei der Trinkhalle sieht man immer wieder Gäste, die erwartungsfroh von dem schönen Säulengang in die Halle eintreten und dort einen Wasserhahn (mit dem Charme eines Baumarkts) erblicken, an dem das Wassertrinken verboten ist. Nun kann man nichts gegen die EU-Grenzwerte für Trinkwasser machen, aber wie wäre es dort Getränke wie Traubensaft oder Molke anzubieten, wie es früher zu traditionellen Trinkkuren gemacht wurde. Noch besser und dem aktuellen Trend angemessen wäre es, einen Wassersommelier einzustellen, bei dem man Mineralwasser aus weltweiten Quellen trinken könnte. Eine Theke wäre vorhanden.

Traurig ist auch die aktuelle Situation des Cafés in der Trinkhalle. Man sieht eigentlich fast immer das Schild mit dem neudeutschen Wort «Closed». Die sonnige Lage entspricht der des meistfrequentierten Eiscafés, aber die merkwürdigen Öffnungszeiten verleiten wohl nicht, dort hinzugehen. Offensichtlich beschränkt sich der Pächter auf geschlossene Gesellschaften (wie z.B. bei den Rückversicherern) und das Catering in der Trinkhalle und anderen «Locations».

Die sehenswerten, museal gut aufbereiteten römischen Badruinen sind leider versteckt beim Eingang in die Tiefgarage der Caracalla-Therme. Mehrere Monate sind sie im Winter aber geschlossen. Erstaunlich ist auch das Fotografierverbot, wodurch verhindert wird, dass sich Fotos in den sozialen Medien verbreiten. Im englischen Kurort Bath sind die römischen Badeinheiten in ein Museum integriert, das zu den meistbesuchten Englands zählen soll.

Der Status eines UNESCO-Welterbe-Mitglieds bringt erhebliche Kosten für die elf Partner. Schon der Antragsprozess hat über Jahre immense Kosten verursacht und sicher viel Personal der Stadt beschäftigt. Bei der Stadt gibt es eine ganze Abteilung der Stadtverwaltung, die sich um das Welterbe kümmert. Es gibt regelmäßige, in den Statuten vorgesehene Treffen aller elf Partner, aber wenig wird berichtet über gegenseitige Treffen von Partnern (zum Kennenlernen, zum Abstimmen usw.). Das könnten bei 11 Partnern theoretisch 110 bilaterale Treffen sein. Es ist davon auszugehen, dass man dabei die Gäste vorbildlich fürstlich bewirtet und logiert. Durch den Erwerb des UNESCO-Titels ist man die Verpflichtung eingegangen, dabei zu bleiben. Denn wenn einer der Partner seine Mitarbeit einstellt, scheitert das gesamte Programm.

Zum Schluss sei noch einmal darauf hingewiesen, dass Baden-Baden den Titel UNESCO-Weltkulturerbe nur zusammen mit zehn anderen Kurorten bekommen hat, darunter einige, die einem nicht sofort einfallen, wenn es um renommierte Kurorte geht. Wie man hört, haben seit einiger Zeit Bewerbungen einzelner Orte bei der UNESCO keine Chance, so dass es auch andere internationale Welterbe-Verbünde, wie z.B. das deutsche und tschechische Erzgebirge, gibt. Der englische Kurort Bath, der nun auch Teil des jetzigen Verbundes «Spas of Europe» ist, hat den UNESCO-Welterbtetitel als Einzelort schon seit 1987.




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