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Parktarife in Baden-Badener Innenstadt steigen um bis zu 50 Prozent – Neue "Parkcoins" sollen Einkaufen in der Innenstadt attraktiv machen

Parktarife in Baden-Badener Innenstadt steigen um bis zu 50 Prozent – Neue "Parkcoins" sollen Einkaufen in der Innenstadt attraktiv machen
Matthias Vickermann und Stefan Güldner erklären im goodnews4-VIDEO-Interview Sinn und Zweck der "Parkcoins".

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goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit Matthias Vickermann und Stefan Güldner

Baden-Baden, 28.06.2019, 00:00 Uhr, Bericht: Christian Frietsch Glaubt man den Forschern, kamen erste Münzen um 550 vor Christus in Kleinasien und in Griechenland in den Umlauf. Gut zweieinhalbtausend Jahre später setzt auch die Stadt Baden-Baden auf diese Technologie. Vielleicht wird die Baden-Badener Entscheidung, die metallblauen «Parkcoins» nun ausgerechnet im virtuellen Zeitalter einzuführen, gerade deshalb zum Hingucker für die Gäste und Bürger.

Streitigkeiten wegen eines Prägemotivs wird es jedenfalls nicht geben, weder das Konterfei der Oberbürgermeisterin ist auf der Münze zu sehen, noch der den Bürgern übergestülpte Leitspruch «good-good-life». Mit der Münze könnte es Matthias Vickermann, Vorsitzender des Vereins Baden-Baden Innenstadt, BBI, für seine Einzelhändler gelingen, ein Ärgernis aufzufangen, denn ab 01. Juli werden die Parkgebühren in Baden-Baden erhöht.

Ansonsten sind die Preissteigerungen nicht gerade eine Motivation, mit dem Auto aus Straßburg, Karlsruhe oder Rastatt nach Baden-Baden zu fahren, um einzukaufen. «Wenn Sie jetzt tagsüber nach Baden-Baden kommen und zum Beispiel drei Stunden in der Kongresshausgarage parken, dann zahlen Sie zukünftig sechs Euro, wenn Sie aber beim entsprechenden Gastronom oder Händler gewesen sind und ein paar blaue Parkcoins dabeihaben, können Sie dadurch den Parktarif reduzieren», erklärt BBL-Chef Stefan Güldner im goodnews4-VIDEO-Interview die neuen Preise und die Aufgabe der neuen Baden-Badener Währung. Eine der blauen Münze steht für einen Gegenwert von einem Euro. Die Einzelhändler der Händler-Organisation Baden-Baden Innenstadt, BBI, können einen «Parkcoin» bei der Stadwerke-«Bank» für 50 Cent erwerben.

Bei einer Analyse des Vergleichs von alten und neuen Preisen zeigt sich, dass die Parktarife deftig steigen, so etwa in der Festspielgarage um 50 Prozent von einem Euro auf 1,5 Euro. Oder in der Kongresshausgagrage und Vincentiusgarage um 33 Prozent. Stefan Güldner begründet die deutlichen Preiserhöhungen: «Die Garagen in Baden-Baden haben jetzt auch ein gewisses Alter erreicht, bei dem einfach technischen Einrichtungen, Sicherheitstechnik erneuerungsbedürftig sind, um die Garage auch zukünftig betreiben zu können und auch sicher betreiben zu dürfen. Und auf der anderen Seite wollen wir natürlich auch mit Maßnahmen, das optische Erscheinungsbild der Garagen aufwerten und das sind alles Dinge, die auch ein enormes Investitionsvolumen mit sich bringen.»

Mehr: PDF Parktarife
PDF «Parkcoin»


Abschrift des goodnews4-VIDEO-Interviews mit Matthias Vickermann, Vorsitzender BBI:

goodnews4: Baden-Baden führt im virtuellen Zeitalter Münzen ein. Was hat es denn damit auf sich?

Matthias Vickermann: Es wurde ja letztes Jahr bekanntgeben, dass die Parkgaragen die Gebühren erhöhen würden und im gleichen Atemzug ist aber Herr Oehler auf mich zugekommen, dass sie gerne eine Rabattaktion machen würden – exklusiv für BBI-Mitglieder, wofür wir sehr dankbar sind, dass das auf unsere Mitglieder beschränkt ist. Und dann haben wir überlegt, und ich fand das ganz gut, mit einer klassischen Münze zu arbeiten. Da viele Händler noch nicht einmal eine Homepage haben und auch die Kunden solche elektronischen Medien gar nicht immer nutzen wollen – bis auf ein paar Jüngere – kamen wir auf die Idee zu sagen, wir machen das mit einer klassischen Münze. Das ist einfach zu verstehen, einfach in der Handhabung, von der Abrechnung kein großer Aufwand für den Kunden und den Händler und so sind wir zu der Münzaktion gekommen, die jetzt startet.

goodnews4: Wie funktioniert das dann ganz praktisch? Wer bekommt diese Münze und was kann er damit machen?

Matthias Vickermann: Der Händler kann bis zu 300 Münzen im Monat erwerben. Die Münze hat einen Parkgegenwert von einem Euro, kostet aber den Händler nur 50 Cent. Die kann er ganz einfach bestellen bei den Stadtwerken, dann wird sie geliefert per Post – oder sogar auch ausgeliefert von Mitarbeitern der Stadtwerke – und dann kann jeder Händler im eigenen Ermessen dem Kunden diese Münzen aushändigen. Manche machen das ab 10 Euro, manche für jeden Restaurantbesuch – das kann jeder für sich selbst entscheiden. Wir hoffen einfach auf eine rege Teilnahme, weil es ist ein schöner Anreiz, die Leute freuen sich nicht nur, weil man eine Kleinigkeit geschenkt bekommt, sondern weil es nützlich ist. Heutzutage ist es ein ganz entscheidender Punkt, wenn man irgendwo einkaufen geht, dass man das Gefühl hat: Ich bin rausgefahren und konnte kostenlos parken. Ich glaube, das ist eine ganz schöne Sache, dass wir jetzt mit diesen Münzen starten können.

goodnews4: Ist das auch ein wichtiger Schritt, um Baden-Baden konkurrenzfähig zu machen? Beispielsweise in Bühl gibt es am Samstag ein kostenloses Parkhausangebot.

Matthias Vickermann: Na klar. Natürlich wäre es für uns noch schöner, wenn sowas auch angeboten würde und man sagt, es gibt einfach mal zu einem verkaufsoffenen Sonntag oder einmal im Monat ein kostenloses Parken. Das geht jetzt nicht, es wurde ja gerade auch gesagt, dass die Stadtwerke ganz hohe Kosten gerade auf sich nehmen, um die ganzen Parkgaragen noch attraktiver zu machen, moderner zur machen – LED-Beleuchtung, andere Bodenbeläge – und die Kosten müssen natürlich auch irgendwo wiedergespiegelt werden. Es ist ja auch jahrelang nicht erhöht worden. Das heißt jetzt nicht, dass ich sage: Wow, alles super! Aber das hier ist einfach eine gute Lösung und ein guter Kompromiss und dann freut es mich einfach, dass Leute möglichst bei BBI-Mitgliedern dann ihr Geld lassen.

goodnews4: Ein Thema lässt uns nicht los: Stationärer Handel versus Online-Handel. Ist denn eine Stabilisierung der Verhältnisse erkennbar?

Matthias Vickermann: Ja, ich bekomme manchmal so ein ungutes Gefühl, wenn ich durch die Stadt gehe und höre dann schon, dass drei, vier Läden demnächst zumachen werden, zwei sind schon wieder leer und wenn das dann ein paar Wochen geht, das macht keinen Spaß das zu sehen. Aber, das muss ich wirklich auch dazu sagen, in der gleichen Zeit haben auch schon wieder andere diese Geschäfte übernommen und sich selbstständig gemacht – zwar leider viele Filialisten, der klassische Einzelhändler wird immer weniger, das ist das einzige Manko, das wir haben. Ansonsten bekommen wir momentan die Geschäfte immer noch gut wieder besetzt, aber das sind dann wirklich große Ketten, die es auch in anderen Städten gibt und da muss man echt höllisch aufpassen, dass wir nicht zu vergleichbar sind. Ich will keine Namen von Ketten nennen, aber ob ich in Karlsruhe bin, in Mannheim oder in Frankfurt, ich gehe durch die Fußgängerzone und habe immer den gleichen Einheitsbrei – ohne jemandem was böses zu wollen, es gibt ja auch Kunden dafür. Aber der klassische Einzelhandel, wo jemand sagt: Ich mache mich selbstständig mit einem schönen Geschäft, was inhabergeführt ist. Das wird auch bei uns immer schwieriger, die Leute anzuziehen.

goodnews4: Und die Ketten sind wahrscheinlich auch keine BBI-Mitglieder, oder?

Matthias Vickermann: Nein, das sage ich ja auch immer ganz laut: Diese Filialisten sind für mich die größten Trittbrettfahrer, die es gibt. Die nutzen alles gerne, erkundigen sich auch bei mir wann der nächste verkaufsoffene Sonntag ist und machen ihre Warendarstellung draußen und kümmern sich darum. Aber diese 50 oder 60 Euro im Monat Mitgliedsbeitrag zu machen und zu sagen: Hey, ich profitiere von der Stadt, da ja so eine tolle Stadt wie Baden-Baden auch Kunden anzieht und die kann ich abgreifen. Da muss ich doch irgendwie für mich auch mal sagen ich gebe das wieder zurück in den Kreislauf und das könnte man zum Beispiel durch so eine Mitgliedschaft machen. Aber da gibt es einfach viele, die da sehr kurz denken.

goodnews4: Das bedeutet dann aber auch, dass es bei den Filialisten keine Münzen geben wird?

Matthias Vickermann: Genau, richtig. Oder doch – für einen Euro können sie sich natürlich die Münze gerne kaufen, da würden die Stadtwerke auch keine Ausnahme machen. Also für einen Euro kriegen sie das, aber diese Vergünstigung auf 50 Prozent ist nur für BBI-Mitglieder.

goodnews4: Und zum Schluss, Matthias Vickermann, haben Sie noch 20 Sekunden – sagen Sie doch unseren Nachbarn in Bühl, Rastatt, Karlsruhe und Gaggenau warum sie unbedingt nach Baden-Baden kommen sollen zum Einkaufen!

Matthias Vickermann: Ich glaube einfach das Angebot ist hier wahnsinnig interessant. Viele denken wir hätten nur Luxusläden und teure Sachen, aber das stimmt nicht. Wir haben noch diese klassische Fußgängerzone wie es in anderen Städten ist, also da werden wir den anderen Leuten auch gerecht. Jetzt natürlich, wenn man in den richtigen Geschäften einkaufen geht, auch fast kostenloses Parken noch on top. Und ich glaube einfach, es ist die Summe dieser Stadt und da sind wir einmalig. Wir haben eine tolle Gastronomie, wir haben eine spitzen Hotellerie, wir haben ein Kulturangebot und ich glaube da finden wir keine andere Stadt in Deutschland mit 50.000 Einwohnern, die auch nur annährend an Baden-Baden hinkommt. Insofern sind wir auch dankbar als Händler da dabei sein zu können.

goodnews4: Vielen Dank, Matthias Vickermann.

Matthias Vickermann: Ich danke ebenfalls.

Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de.


Abschrift des goodnews4-VIDEO-Interviews mit Stefan Güldner, Leiter der städtischen Verkehrsbetriebe und der Parkgaragengesellschaft:

goodnews4: Stefan Güldner, die Parktarife in Baden-Baden werden angepasst, das ist immer eine nette Formulierung dafür, dass die Parkgebühren ja eigentlich erhöht werden. Parkgebühren und die Entscheidung, wo Menschen einkaufen gehen, ist ein Päärchen, das man bei einer Shopping-Strategie nicht trennen sollte. In Bühl beispielsweise gibt es am Samstag ein kostenloses Parkhausangebot. Was hat Baden-Baden da zu bieten?

Stefan Güldner: Baden-Baden hat natürlich seine Attraktivität an sich zu bieten und das ist, glaube ich, schon Grund genug nach Baden-Baden zu kommen, unabhängig von der Parkierungssituation oder den Parkgebühren. Auf der anderen Seite haben wir jetzt zusammen mit dem Einzelhandelsverband die neue Aktion «Parkcoin» ins Leben gerufen. Es mag zwar vielleicht für den einen oder anderen nach analoger Lösung aussehen, aber es ist eine relativ einfache Möglichkeit. Der Händler kann dem Kunden eine Münze aushändigen oder auch mehrere Leihmünzen und es ist natürlich auch deswegen interessant, weil wir sehr internationales und aus der ganzen Welt stammendes Publikum in Baden-Baden haben, das heißt da ist für jeden das Handling gleich.

goodnews4: Was ist denn der Grund für die Erhöhung der Parktarife?

Stefan Güldner: Da gibt es mehrere Gründe. Zum einen sind die Parktarife sehr lange stabil gewesen hier in Baden-Baden, im oberirdischen Bereich seit 2007 auf dem heutigen Niveau. Wenn man mal zurückrechnet, aus damaliger Sicht eigentlich sehr hoch, durch die Preisentwicklung hat sich das jetzt natürlich ein bisschen abgeflacht bis heute. In den Parkgaragen selbst haben wir auch seit 2010 die Tarife stabil. Es ist einfach so, dass man mit den Parktarifen natürlich auch zu verkehrslenkenden Maßnahmen beiträgt. Im oberirdischen Bereich durch eine Begrenzung der Höchstparkdauer und die entsprechende Bepreisung tragen sie natürlich auch zu einem hohen Umschlag bei, das heißt dieses kostbare öffentliche Gut Parkplatz wird auch möglichst vielen Nutzern zur Verfügung gestellt. In den Garagen haben wir natürlich jetzt enorme Sanierungsmaßnahmen bereits begonnen. Die Garagen in Baden-Baden haben jetzt auch ein gewisses Alter erreicht, bei dem einfach technische Einrichtungen, Sicherheitstechnik erneuerungsbedürftig sind, um die Garage auch zukünftig betreiben zu können und auch sicher betreiben zu dürfen. Und auf der anderen Seite wollen wir natürlich auch mit Maßnahmen das optische Erscheinungsbild der Garagen aufwerten und das sind alles Dinge, die auch ein enormes Investitionsvolumen mit sich bringen.

goodnews4: Wie hoch ist dieses Investitionsvolumen?

Stefan Güldner: Wir haben jetzt bei der aktuellen Maßnahme, die wir in der Kongresshausgarage gerade umsetzen – da gehört zum Beispiel dazu die Erneuerung der kompletten Sprinkleranlage, die komplette Beleuchtungserneuerung samt der entsprechenden Verteilung, natürlich LED-Beleuchtung – haben wir ein Volumen von rund einer Million Euro. Das gleiche in ähnlicher Größenordnung wird dann auch nochmal für die optischen Maßnahmen hinzukommen. Da können wir auch nur Schritt für Schritt die nächsten Jahre von einer Garage zur nächsten gehen.

goodnews4: Machen wir es mal noch kurz konkret: Was kostet den jetzt das Parken in Baden-Baden? Wenn ich als Tagesgast nach Baden-Baden komme und hier drei Stunden bleibe, vielleicht eine Kleinigkeit esse, und ein bisschen Einkaufen gehe, wieviel Geld muss ich dann im Parkhaus ausgeben?

Stefan Güldner: Das kommt natürlich darauf an, wann Sie nach Baden-Baden kommen, weil was wir nicht angepasst haben, sind sensible Parkzeiten. Und zwar haben wir montags bis freitags in unseren Innenstadtgaragen diesen vergünstigten Tarif am Vormittag und wir haben in den Innenstadtgaragen auch einen vergünstigten Nachttarif. Das ist ja auch nochmal etwas, was durchaus beachtet werden muss, da haben wir nichts getan, denn das sind Zeiten, die auch für kleine Besorgungen oder auch abends für irgendwelche Events beziehungsweise auch Anwohner, die nachts ihre Autos abstellen wollen, ganz wichtig sind. Wenn Sie jetzt aber tagsüber nach Baden-Baden kommen und zum Beispiel drei Stunden in der Kongresshausgarage parken, dann zahlen Sie zukünftig sechs Euro. Wenn Sie jetzt aber beim entsprechenden Gastronom oder Händler gewesen sind, kann es ein, dass Sie ein paar blaue Parkcoins dabeihaben und können dadurch den Parktarif reduzieren.

goodnews4: Ich bedanke mich, Stefan Güldner.

Stefan Güldner: Gerne.

Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de.

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