Fehler im Personal- und Stellenprogramm

Peinliche Panne im Kultusministerium – Lehrerstellen fälschlicherweise als besetzt ausgewiesen

Peinliche Panne im Kultusministerium – Lehrerstellen fälschlicherweise als besetzt ausgewiesen
Ob die Fehler auch Baden-Badener Schulen betreffen, ist nicht bekannt. Foto: Archiv

Stuttgart, 17.07.2025, Bericht: Redaktion In der Kultusverwaltung wurden 1.440 Stellen zum Stand 4. Juli 2025 fälschlicherweise als belegt ausgewiesen, obwohl sie frei waren. Diesen Fehler räumte nun das Kultusministerium in Stuttgart ein.

Ein Grund dafür seien unter anderem mutmaßliche Fehler im Personal- und Stellenprogramm der Kultusverwaltung, die bis auf das Jahr 2005 zurückgehen. Diese Fehler seien seither unbemerkt geblieben. Über die Zeit sei die Zahl als belegt ausgewiesener Stellen stetig angestiegen, obwohl diese Stellen tatsächlich frei waren. Nachdem es in Einzelfällen zu Unstimmigkeiten gekommen sei, hätten Kultusverwaltung und das Landesamt für Besoldung die IST-Besetzung der Stellen erstmals komplett neu ermittelt. Hierzu sei im Juni 2025 dafür eigens ein neu entwickeltes Programm eingesetzt worden. «Die Neuberechnung ergab 1.440 freie Stellen, die bis dato unbesetzt waren. Diese kann das Kultusministerium nun besetzen», erklärt das Ministerium.

 

«Um einen solchen Fehler künftig zu vermeiden, haben Kultusministerium und Finanzministerium eine Arbeitsgruppe gebildet, die auch den Rechnungshof einbeziehen wird. Sie soll die Ursachen des Problems identifizieren und beseitigen», heißt es in der Mitteilung weiter. Das Kultusministerium werde nun «schnellstmöglich einen Plan erstellen, wie die Stellen effektiv an den Schulen eingebracht werden können». Sämtliche Stellen sollen der Unterrichtsversorgung zugutekommen.

Hintergrund:
Quelle: Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Die Kultusverwaltung nutzt für die Personalverwaltung der Lehrkräfte das IT-Verfahren «DIPSY-Lehrer» (Dialogisiertes Integriertes Personalverwaltungssystem). Hier werden im Zusammenspiel von Kultusverwaltung und dem Landesamt für Besoldung (LBV) sowohl die individuellen Personaldaten der Lehrer gepflegt, als auch die Stellenverwaltung abgewickelt.

Abweichend von der übrigen Landesverwaltung erfolgt bei den Lehrkräften aufgrund der sehr hohen Anzahl von rund 95.000 Stellen zur Verwaltungsvereinfachung keine konkrete Zuweisung einer Haushaltsstelle zum einzelnen Personalfall. Stattdessen besteht ein Stellenpool, der für Einstellungen von Lehrern zur Verfügung steht. Das LBV hat dafür gemeinsam mit der Kultusverwaltung eine Poolstellenverwaltung mit automatisierter Zuordnung und Freigabe von Stellen programmiert.

Seit 2005 wird DIPSY eingesetzt. Zuvor hatte die Kultusverwaltung ein anderes Programm genutzt. 2005 wurden deshalb die Daten des alten Programms auf DIPSY übertragen. Zusätzlich wurden 2006 noch tarifliche Umstellungen integriert. Denn damals wurde der Bundesangestelltentarifvertrag in den Tarifvertrag der Länder (TV-L) überführt. Die IST-Stellen in DIPSY wurden seit 2005 stets fortgeschrieben, jedoch nie neu ermittelt.

Derzeit ist davon auszugehen, dass bereits bei der Datenübertragung 2005 ein Fehler passiert sein muss. Weitere Faktoren, wie die Umstellung auf den TV-L, die Einführung der Entgeltordnung für Lehrkräfte sowie manuelle Nachbearbeitungen durch die Kultusverwaltung haben mutmaßlich zu einem Anwachsen der fehlerhaften IST-Zahlen geführt. Seitdem wurden Jahr für Jahr Stellen als besetzt im Programm geführt, obwohl sie frei waren.




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