PFAS-Umweltskandal

Stadtwerke Rastatt bundesweit gefragt – Erfahrung mit Ewigkeitschemikalien – Baden-Badener Kommunalpolitik schweigt

Stadtwerke Rastatt bundesweit gefragt – Erfahrung mit Ewigkeitschemikalien – Baden-Badener Kommunalpolitik schweigt
Olaf Kaspryk, Geschäftsführer der Stadtwerke Rastatt, hat seine Expertise zum Thema per- und polyfluorierte Chemikalien im Grund- und Trinkwasser im März erneut in die bundesweite Debatte eingebracht. Foto: Oliver Hurst/Stadtwerke Rastatt

Baden-Baden, 20.03.2026, Bericht: Redaktion Für die Interessen der Bürger und ihrer Kunden setzen sich die Stadtwerke Rastatt ein und haben in der Vergangenheit dafür auch kein Risiko gescheut. In Zusammenhang mit dem PFAS-Umweltskandal ist die Tochtergesellschaft der Stadt Rastatt vor Gericht gezogen.

Das Ausmaß des Skandals für die Gefährdung der Gesundheit der Menschen wird noch nicht genau überblickt. Auch Teile des Stadtgebietes Baden-Baden sind betroffen. Bei der Konzentration der Stadt Baden-Baden auf ihre Finanzkrise und Führungskrisen geraten andere wichtige Themen und Sorgfaltspflichten der Verantwortlichen aus dem Blickfeld. Dazu gehören der aktuelle PFAS-Skandal, aber auch jahrzehntealte Umweltskandale, wie der Verbleib des hochbelasteten Erdreichs des ehemaligen Opel-Geländes, wo heute ein Hotel steht. Auch in dieser Angelegenheit schweigt die Baden-Badener Kommunalpolitik seit Jahren.

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Die Mitteilung der Stadtwerke Rastatt vom 19. März 2026 im Wortlaut:

Die Stadtwerke Rastatt sind mit ihrer Expertise zum Thema per- und polyfluorierte Chemikalien (PFAS) im Grund- und Trinkwasser bundesweit gefragt. Seit mehr als zehn Jahren haben sie eigene Erfahrung mit der Entfernung der sogenannten Ewigkeitschemikalien aus dem Rohwasser gesammelt und kämpfen darüber hinaus um einen besseren Schutz vor Einträgen von PFAS ins Grundwasser. Zum Weltwassertag am 22. März bringen die Stadtwerke Rastatt ihre PFAS-Erfahrungen erneut in die bundesweite Debatte ein und fordern klare Haftungsregeln sowie mehr Herstellerverantwortung.

 

Mit zwei Fachvorträgen im März bringen die Stadtwerke Rastatt ihre langjährigen Erfahrungen mit PFAS erneut in die bundesweite Fachdiskussion ein. Olaf Kaspryk, Geschäftsführer der Stadtwerke Rastatt, sprach dazu am 10. März bei der DVGW-Veranstaltung «Der Weg des Wassers – Best Practices & smarte Lösungen der Wassergewinnung und -aufbereitung» sowie am 17. März beim 38. Trinkwasserkolloquium in Stuttgart. Im Mittelpunkt stand dabei die Rolle der kommunalen Wasserversorger, die von PFAS-Einträgen in ihre Rohwassergewinnung betroffen sind: Sie tragen eine Last, die sie weder verursacht haben noch dauerhaft allein schultern können. Denn sie müssen das Rohwasser konsequent monitoren, auf PFAS-Belastung kontrollieren sowie technische Lösungen zur Aufbereitung umsetzen und diese nicht nur betreiben, sondern auch finanzieren. Die langfristige Versorgung mit einwandfreiem Trinkwasser muss dennoch jederzeit gewährleistet werden. Die finanziellen Belastungen durch PFAS-Einträge tragen bislang die Wasserversorger und letztlich die Bürgerinnen und Bürger über ihre Wassergebühren.

Verursacherprinzip als zentrale Forderung
Vor dem Hintergrund der neuen PFAS-Grenzwerte für Trinkwasser wird das Problem für viele Versorger noch drängender. Aus Sicht der Stadtwerke Rastatt reicht es nicht, PFAS allein als technisches Aufbereitungsthema zu behandeln. Erforderlich sind nach Auffassung der Stadtwerke klare rechtliche Rahmenbedingungen für die Haftung der Verursacher, eine stärkere Herstellerverantwortung und tragfähige Modelle für eine faire Lastenverteilung. Denn wo PFAS bereits in der Umwelt sind, tragen derzeit vor allem diejenigen die Folgen, die die Trinkwasserversorgung sichern müssen. «Einwandfreies Trinkwasser ist Teil der kommunalen Daseinsvorsorge. Aber Daseinsvorsorge darf nicht bedeuten, dass Wasserversorger, Städte und Verbraucher dauerhaft für Schäden aufkommen, die an anderer Stelle verursacht wurden. Wir brauchen endlich einen politischen und rechtlichen Rahmen, der Vorsorge, Verursacherprinzip und Trinkwasserschutz zusammenbringt», sagt Olaf Kaspryk.

Rastatt als Praxisfall mit bundesweiter Relevanz
Der Fall Rastatt steht beispielhaft für eine Entwicklung, die weit über die Region hinausreicht. Die Stadtwerke Rastatt haben aus eigener Betroffenheit seit 2012 wissenschaftliche und technische Maßnahmen initiiert, um die Wasserversorgung in Rastatt sicherstellen zu können. Zudem haben sie juristische Schritte ergriffen, um den Verursacher möglichst haftbar zu machen und rechtliche Klarheit zu erlangen. Eine umfassende Kommunikation hat zur Transparenz der Maßnahmen bei der betroffenen Bevölkerung beigetragen, und zugleich bundesweit Aufmerksamkeit für die Risiken von PFAS geschaffen. PFAS sind eine Stoffgruppe mit mehr als 10.000 Verbindungen, die wegen ihrer besonderen chemischen Eigenschaften in vielen industriellen Anwendungen eingesetzt wurden und zum Teil noch eingesetzt werden. Problematisch ist, dass sie sehr lange in der Umwelt verbleiben und sich im Blut von Menschen und Tieren anreichern können.

Kosten und Folgen für die Wasserversorgung
Die Erfahrungen aus Rastatt zeigen, wie groß die praktische Herausforderung für betroffene Versorger ist. In den beiden Fachvorträgen stellt Olaf Kaspryk dar, dass PFAS-Belastungen hohe Investitionen in Aufbereitung und Infrastruktur erfordern und darüber hinaus auch langfristige Monitoring-, Betriebs- und Personalkosten verursachen. Bis Dezember 2025 summieren sich die damit verbundenen Kosten der Stadtwerke Rastatt auf rund 27 Millionen Euro. Zugleich hat sich der Wasserpreis seit 2014 nach Darstellung der Stadtwerke mehr als verdoppelt; mehr als 30 Prozent des Wasserpreises entfallen auf Kosten im Zusammenhang mit der PFAS-Belastung.

Politischer Handlungsbedarf und Brancheninitiativen
Mit ihren Aktivitäten gegenüber Landes-, Bundes- und Europapolitik setzen sich die Stadtwerke Rastatt seit Jahren für einen besseren Schutz des Trinkwassers vor PFAS ein. Für andere betroffene Wasserversorger haben die Stadtwerke Rastatt gemeinsam mit dem BDEW – Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft – inzwischen auch einen Leitfaden entwickelt. «Wasserversorger sind die Letzten in der Kette: Wir müssen aus dem Wasser PFAS-Einträge entfernen, obwohl wir diese Stoffe nicht in die Umwelt eingetragen haben. Diese Aufgaben- und Kostenverteilung ist so nicht hinnehmbar. Wenn Politik und Regulierung es ernst meinen mit dem Schutz von Trinkwasser, dann müssen Verursacher und Hersteller stärker in die Verantwortung genommen werden – rechtlich und finanziell», sagt Olaf Kaspryk, Geschäftsführer der Stadtwerke Rastatt.

Mehr Hintergrundinformationen zum PFAS-Fall Rastatt und zur bisherigen Aufarbeitung stellen die Stadtwerke Rastatt auf ihrer Internetseite bereit. Dort ist auch eine Chronologie der Entwicklungen seit 2012 abrufbar.

Über die Stadtwerke Rastatt
Die Stadtwerke Rastatt versorgen ihre Kunden zuverlässig mit Energie und sichern über ihr Leitungsnetz auch die Trinkwasserversorgung der rund 50.000 Bürgerinnen und Bürger Rastatts. Zudem treibt das städtische Versorgungsunternehmen die Energie- und Mobilitätswende in der Region voran. Der lokale Energiedienstleister produziert in Rastatt Ökostrom in eigenen Wasserkraftwerken und Fotovoltaik-Anlagen – dazu gehört ein Bürgersolarpark – und baut die lokale Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge aus. Mit einem durchdachten Nahwärmekonzept leisten die Stadtwerke Rastatt einen wesentlichen Beitrag zur lokalen Wärmewende: Über effiziente Nahwärmenetze werden Wohnungen, Gewerbeeinheiten und öffentliche Einrichtungen ressourcenschonend und zukunftsfähig beheizt. Zudem engagiert sich der Versorger für eine bleibend hohe Lebensqualität in Rastatt und unterstützt gemäß dem Motto «Näher geht nicht» das lokale Engagement von Vereinen sowie kulturelle und soziale Projekte vor Ort.




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