Bürgerentscheid in Rastatt

Stellungnahme der NABU-Ortsgruppe Rastatt zum geplanten Klinikstandort „Am Münchfeldsee“ – „Schüren von Ängsten und Zeitdruck noch nie gute Ratgeber“

Stellungnahme der NABU-Ortsgruppe Rastatt zum geplanten Klinikstandort „Am Münchfeldsee“ – „Schüren von Ängsten und Zeitdruck noch nie gute Ratgeber“
Die NABU-Ortsgruppe Rastatt setzt sich für den Klinikstandort Merzeau ein. Foto: Archiv

Rastatt, 04.05.2023, Bericht: Redaktion Mit einem Schreiben wandte sich Karl-Ludwig Matt, 1. Vorsitzender der NABU-Ortsgruppe Rastatt, gestern an die goodnews4-Redaktion mit der Bitte um Veröffentlichung einer Stellungnahme der NABU-Ortsgruppe zum geplanten Standort des Zentralklinikums «Am Münchfeldsee».

Die Rastatter Redaktion von BT und BNN «sperrte sich gegen eine Veröffentlichung, in der Argumentation, dass das Zeitfenster für Veröffentlichungen zum Standort Münchfeldsee geschlossen sei», schreibt der NABU-Vorsitzende, dessen Ortsgruppe Rastatt nach seinen Angaben zirka 450 Mitglieder im Landkreis Rastatt angehören.

Die Stellungnahme der NABU-Ortsgruppe Rastatt zum geplanten Standort des Zentralklinikums «Am Münchfeldsee» im Wortlaut:

Grundsätzlich befürwortet die NABU-Ortsgruppe Rastatt im Hinblick auf eine optimale Patientenversorgung in Mittelbaden, sowie aus ökonomischen Gründen den Bau eines Zentralklinikums.
Bei der Beurteilung der Standortfrage schließt sich die NABU Ortsgruppe Rastatt der grundsätzlichen Aussage des Dalai Lama an, der uns mahnt, unseren Planeten, unser Zuhause, zu schützen.

Die offizielle Bewertung des Klinikstandortes hebt schwerpunktmäßig auf die infrastrukturellen Voraussetzungen und Erstellungskosten ab.
Warum wird gerade in unserer heutigen Zeit bei der Standortfrage Münchfeldsee die Ökologie mit Natur- und Klimaschutz, sowie der Raumschutz für die Naherholung so stark unterbewertet?

Dieses Kriterium hätte die Rankingliste entscheidend verändert.

Die Darstellung eines Gutachters im Auftrag des Klinikums Mittelbaden (BT v. 29.4.2023), der Sportplatz sei kein Naturrefugium, mag richtig sein.
Die in diesem Gutachten empfohlene artenschutzrechtliche Prüfung der in der Randbepflanzung lebenden Fledermäuse und höhlenbrütenden Vögel, zwei Jahre vor Baubeginn, verbunden mit etwaigen Ausgleichsmaßnahmen, wäre nur lokal anzusehen und die Kompensation letztlich nur 25 Jahre gültig.

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In der Gesamtbetrachtung sind die Negativfolgen für diesen Standort nicht auszugleichen.

In keiner Weise wird auf eine künftige Lichtverschmutzung eingegangen, Insekten werden von ihren Lebensräumen am See und im Wald herausgelockt und in ihrer Lebensweise massiv gestört, ein Artenrückgang wird die Folge sein. Ein genereller Insektenrückgang von 70 Prozent in den letzten 30 Jahre ist wissenschaftlich belegt.
Alle in diesem Bereich lebenden Nachttiere, wie z.B. Fledermäuse und Eulen aber auch Wasservögel, Amphibien, u.v.m. werden gestört.
Temporäre Lärmbeeinträchtigung durch Hubschrauber, Ambulanzen, Maschinen, Menschen, sowie Elektrosmog, u.v.m. kämen als Störfaktoren hinzu.

Der Regionalplan hat berechtigterweise das Münchfeldareal, auch mit seinen umliegenden Waldflächen, als Erholungsgebiet ausgewiesen. Mensch und Natur profitieren von diesem Freiraum, von dem Rastatt keinen Zweiten mehr hat.

Ebenfalls nicht auszugleichen wäre der Verlust von ca. 80.000 m2 kaltlufterzeugender Freifläche, die die Frischluftzufuhr für die angrenzenden Wohngebiete gewährleistet.
Damit wird das Hauptargument für die Rastatter Bewerbung zur Landesgartenschau 2036 ad absurdum geführt. Der Klinikbau am Münchfeldsee wäre das Gegenteil einer klimaschonenden Bebauung.

Für unsere Nachkommen sollte dieser Freiraum Münchfeldsee unangetastet bleiben. Eine Herabstufung des Vorranggebietes für die Erholung würde das Instrumentarium eines Regionalplans grundsätzlich in Frage stellen.

 

Die NABU-Ortsgruppe Rastatt favorisiert deshalb das Konversionsgelände Merzeau als geeigneteren Standort.
Es fände dort keine Neuversiegelung statt, womit einem der Ziele im Koalitionsvertrag der grün-schwarzen Landesregierung entsprochen würde: der «Netto-Null» bis 2035 beim Flächenverbrauch in Baden-Württemberg. Derzeit werden ca. 60.000 m2 Freifläche täglich im Ländle neu versiegelt.
Es stünde auf dem Merzeau-Areal genügend Fläche zur Verfügung, um Logistikpartner des Zentralklinikums mitanzusiedeln, Ärzteschaft und Klinikpersonal Wohnraum zur Verfügung zu stellen.
Eventuell von Sportvereinen abzugebende Flächen könnten nach naturnaher Umgestaltung zur Erholung und Genesung genutzt werden.

Die geforderte Querspange zur verkehrstechnisch schnellen Anbindung des künftigen Klinikstandortes in Rastatt würde ebenfalls das im Regionalplan ausgewiesene Erholungsgebiet in Mitleidenschaft ziehen.
Die Waldbiotope «Buchenwälder im Niederwald» mit 219.000 m2, sowie Sukzessionsfläche am Niederwald mit 9.000 m2 würden durchschnitten werden.
Für die erholungssuchende Bevölkerung wie auch für die Tierwelt würde diese Straße zur nahezu unüberwindlichen Barriere. Ebenso käme ein großer Lärmeintrag für das Gesamtgebiet hinzu.
Um der Nachhaltigkeit willen wäre deshalb eine Untertunnelung des geplanten Streckenverlaufes ernsthaft in Betracht zu ziehen.

Im Gesamtpaket Zentralklinikum bedarf es deshalb für eine lange Zukunft in ökonomischer und ökologischer Sicht kluger Entscheidungen, die wir vor unseren Nachkommen verantworten müssen. Das Schüren von Ängsten und Zeitdruck waren noch nie gute Ratgeber.




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