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Zwischenbilanz Motorradsaison 2020

Unfallrekord auf Schwarzwaldhochstraße – "Ein Drittel mehr Motorradunfälle" - Ausgeflippte Minderheit von Motorradfahrern – "Halsbrecherische" Fahrten "während dies gefilmt und fotografiert" wird

Unfallrekord auf Schwarzwaldhochstraße – "Ein Drittel mehr Motorradunfälle" - Ausgeflippte Minderheit von Motorradfahrern – "Halsbrecherische" Fahrten "während dies gefilmt und fotografiert" wird
Die Schwarzwaldhochstraße und die L83 Richtung Murgtal sind "Schwerpunktstrecken" für Motorradunfälle. Foto: Archiv

Bild Christian Frietsch Kommentar von Christian Frietsch
21.09.2020, 14:40 Uhr



Baden-Baden Fast lyrisch beginnt ein trauriger Bericht des Polizeipräsidiums von heute Mittag: «Die reizvollen Straßen des Schwarzwaldes gehören sicherlich zu den schönsten Strecken, die Motorradbegeisterte in Deutschland finden können.» Danach folgt die bittere Statistik von folgenschweren Unfällen.

«Ein Drittel mehr Motorradunfälle als im Vergleichszeitraum des Vorjahres», ist die bittere Bilanz, und «rund zwei Drittel mehr Schwerverletzte zwischen Januar und August» auf den «Schwerpunktstrecken» B 500 zwischen Baden-Baden und Ruhestein und der L 83 Richtung Murgtal. Besonders signifikant ist die unterschiedliche Entwicklung am Hotspot rund um die Schwarzwaldhochstraße im Vergleich zur Gesamtstatistik.

«Während außerhalb dieser Strecken die Anzahl der Motorradunfälle und meist auch schwere Verletzungsfolgen rückgängig sind, mussten auf den Schwerpunktstrecken Anstiege festgestellt werden», heißt es im Polizeibericht. Viele Motorradfahrer wehrten sich auch gegenüber goodnews4.de über die Art der angeblich übertriebenen Berichterstattung der vergangenen Monate. Zweifellos ist es nur ein Teil der Motorradfahrer, die zur Eskalation der Unfallzahlen beitrugen. Doch diese Minderheit sieht sich schweren Vorwürfen der Behörden ausgesetzt. Von einem mit dem Leben der anderen Verkehrsteilnehmer spielenden Party- und Posing-Verhalten ist da die Rede, auch von ganz aktuellen Fällen. «Mehrere Zeugen berichten , dass Fahrer von hochmotorisierten Motorrädern halsbrecherisch überholten, drängelten, auffuhren und in anderer halsbrecherischer Weise fuhren, während dies auf dem Parkplatz gefilmt und fotografiert wurde.» Einer der Fälle wird von der Polizei im Detail beschrieben: «Beispielsweise konnte ein ortsansässiger Fahrer dabei beobachtet werden, wie er mehrfach den Parkplatz, zum Teil nur auf dem Hinterrad fahrend, passierte und schlussendlich alleinbeteiligt verunfallte. Dies an genau der Stelle, an der es Mitte Juli bereits zu einem schweren Verkehrsunfall mit drei verletzten Motorradfahrern kam.»

Die Tendenz bei der Zahl der Todesfälle sei «eher gleichbleibend» wie in den Jahren 2018 und 2019, wie eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Offenburg auf goodnews4-Anfrage mitteilte. Im Jahr 2018 waren auf den genannten Schwerpunktstrecken zwei und im Jahr 2019 ein Motorradfahrer ums Leben gekommen.

Die Auswirkungen auf die von Motorradlärm geplagten Anwohner, etwa in der Geroldsauer Straße in Lichtental oder in Geroldsau, sind seit Jahren ein ungelöstes Dilemma, das bisher in der Güterabwägung zu Gunsten der Motorradfahrer entschieden wurde. Viele Anwohner fragen sich, was noch geschehen muss, damit wirkungsvolle Maßnahmen gegen diese Minderheit außer Kontrolle geratener Motorradfahrer für notwendig gehalten werden. Die mächtige Motorrad-Lobby ist nun auch gefragt, die Grenzen der Freiheit der Motorradfahrer vernehmbar zu beschreiben. Und bei den nun aktuellen Zahlen müssen sich Politik und Behörden vorwerfen lassen, dass sie die Sicherheit im Straßenverkehr und den Schutz ihrer Bürger vor einer ausgeflippten Minderheit nicht gewährleisten können.


Die Erklärung des Polizeipräsidiums Offenburg im Wortlaut:

Mittelbaden – Zwischenbilanz der Motorradsaison

Die reizvollen Straßen des Schwarzwaldes gehören sicherlich zu den schönsten Strecken, die Motorradbegeisterte in Deutschland finden können. Gleichzeitig ergeben sich daraus im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Offenburg aber Schwerpunktstrecken, auf denen eine Vielzahl von Unfällen, Lärm für Anwohner und augenscheinliche Rennen dieses Idyll trügen.

Nach Rückgängen der Unfallzahlen im vergangenen Jahr, musste in der noch laufenden Saison eine Zunahme der Unfallzahlen auf den Schwerpunktstrecken registriert werden. Während außerhalb dieser Strecken die Anzahl der Motorradunfälle und meist auch schwere Verletzungsfolgen rückgängig sind, mussten auf den Schwerpunktstrecken Anstiege festgestellt werden.

Zu den Schwerpunktstrecken gehören seit Jahren die B 500 (Schwarzwaldhochstraße) zwischen Baden-Baden und der Präsidiumsgrenze am Ruhestein, wie auch die L 83 als Verbindungsstrecke von der Schwarzwaldhochstraße ins Murgtal. Ein Drittel mehr Motorradunfälle als im Vergleichszeitraum des Vorjahres und rund zwei Drittel mehr Schwerverletzte waren dabei zwischen Januar und August auf diesen Abschnitten zu beziffern.

Lediglich die Anzahl an Leichtverletzten ging um 14 Prozent zurück. Bei sehr guter Witterung und einem durchaus motorradfreundlichen Sommer kam es in diesem Jahr zu einer hohen Frequentierung der beliebten Ausflugsziele entlang diesen Strecken. Mit dazu beigetragen haben hier möglicherweise auch die Einschränkungen aufgrund der Corona-Lage und ein daraus resultierendes erhöhtes Urlaubsaufkommen im Bereich des Schwarzwaldes.

Die Mehrheit der Motorradfahrer, touristische oder einheimische Fahrer, genießen den Schwarzwald aus polizeilicher Sicht unauffällig. Ein Teil der Biker nutzt die reizvollen Motorradstrecken aber offenbar ganz bewusst zum Ausreizen fahrerischer Höchstleistungen und persönlicher Grenzen.

Das Polizeipräsidium Offenburg bekämpft diese Motorraddelinquenz seit 2015 mit konzeptionellen Kontrollen, jährlich auch durch Präventionsveranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit begleitet. Die Anzahl der Unfälle war seitdem rückläufig. Neben den Verkehrsdienststellen beteiligen sich dabei auch die Polizeireviere mit Einsätzen. Dabei werden Präsenzstreifen, aber auch Geschwindigkeits- und Verkehrskontrollen durchgeführt. In der Saison 2020 wurde dabei bereits 105 dieser Einsätze durch die Beamtinnen und Beamten durchgeführt.

In den vergangenen Wochen häuften sich nun Beschwerden und Hinweise über `Motorrad-Poser´ auf der B 500 im Bereich des Helbingfelsens, sowohl bei der zuständigen Stadtverwaltung, als auch beim örtlichen Polizeirevier und der Verkehrspolizeiinspektion Baden-Baden. Mehrere Zeugen berichten dabei, dass Fahrer von hochmotorisierten Motorrädern halsbrecherisch überholten, drängelten, auffuhren und in anderer halsbrecherischer Weise fuhren, während dies auf dem Parkplatz gefilmt und fotografiert wurde.

Am vergangenen Freitag wurde der Helbingfelsen erneut einer Kontrolle unterzogen. Dabei beobachteten auch Beamte in ziviler Kleidung die Geschehnisse im dortigen Abschnitt der B 500. Mehrfaches Hin- und Herfahren, vor entsprechendem Publikum auf dem Parkplatz, zeigte sich auch hier erneut.

Beispielsweise konnte ein ortsansässiger Fahrer dabei beobachtet werden, wie er mehrfach den Parkplatz, zum Teil nur auf dem Hinterrad fahrend, passierte und schlussendlich alleinbeteiligt verunfallte. Dies an genau der Stelle, an der es Mitte Juli bereits zu einem schweren Verkehrsunfall mit drei verletzten Motorradfahrern kam. In der unmittelbaren Folge wurde durch den Verkehrsdienst Baden-Baden und der Zweiradkontrollgruppe des Polizeipräsidiums Einsatz eine Kontrolle am Parkplatz durchgeführt. Unter anderem erlosch an einem Motorrad die Betriebserlaubnis, da am Klappenauspuff der schalldruckmindernde `dB-Killer´ ausgebaut war. An anderen Motorrädern waren ebenfalls, jedoch nicht so gewichtige, Mängel festzustellen. Im Anschluss an die Kontrolle erfolgte die durch die Stadt Baden-Baden bereits angeordnete und temporäre Sperrung des Parkplatz Helbingfelsen bis Ende Oktober.

Die Saison ist erfahrungsgemäß noch nicht vorbei. Im Oktober 2019 waren die meisten Motorradunfälle der letzten Saison zu verzeichnen. Im Jahr 2018 waren nur auf den Schwerpunktstrecken fünf getötete Motorradfahrer zu beklagen.

Die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer - also auch der Masse an Motorradfahrern, die sich in deutlicher Mehrheit an geltende Gesetze halten - bleibt auch weiterhin gewichtiger, als das vermeintliche Vergnügen weniger rücksichtloser Fahrer. Daher wird das Polizeipräsidium Offenburg seinen Kontrolldruck weiterhin aufrechterhalten und gemeinsam mit den zuständigen Verkehrsbehörden konsequent gegen Verstöße vorgehen.


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