Brief an Putin

Vierter Brief an Wladimir Putin – Botschaft des Baden-Badener Pfarrers Ulrich Carl

Vierter Brief an Wladimir Putin – Botschaft des Baden-Badener Pfarrers Ulrich Carl
Hans-Ulrich Carl, evangelischer Pfarrer aus Baden-Baden. Foto: Archiv

Baden-Baden, 19.07.2025, Bericht: Redaktion An Weihnachten und Ostern richtet der evangelische Baden-Baden Pfarrer Hans-Ulrich Carl seit Jahren Botschaften an die goodnews4-Leser und Zuschauer.

Nun richtet er erneut eine Botschaft an den russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Vierter Brief an Putin

von Pfarrer Hans-Ulrich Carl

Lieber Bruder Wladimir!
Einen großen Klumpen Liebe
werfe ich zuerst
auf Deinen Tisch im Kreml,
wenn ich an Dich denke –
und Du nötigst uns alle,
jeden Tag wieder,
an Dich zu denken.
Jedesmal seh ich,
wie die Liebe zerfällt
vor deinen Augen
wie Staub.

Ich verstehe:
Du glaubst,
Deine Russen lieben dich,
und das reicht Dir?
Gibst Du ihnen
Liebe zurück?
Waffen gibst Du ihnen
und das Gefühl von Stärke.
Siehst Du nicht,
dass Du sie arm machst
durch Deinen endlosen Krieg?

 

Lieber Bruder Wladimir!
Meinst du nicht,
dass es endlich genug ist?
Ich sehe Dich
in einem Dilemma:
Du weißt doch inzwischen genau,
dass Du nicht die ganze
Ukraine erobern kannst,
ohne den Weltkrieg zu finden?
Ich verstehe sehr gut:
Du hast ein Dilemma!
Du weißt ganz genau,
dass Du Dich festgebissen hast.

Ich verstehe es gut:
Es ist ein Dilemma!
Du kannst nicht einfach
aussteigen aus diesem Krieg.
Denn du musst fürchten,
Dein Gesicht zu verlieren,
wenn Du jetzt irgendwie
nachgibst.

Ich verstehe Dich gut,
wenn Du Dich siehst
in der alten gewaltigen Tradition
des Heiligen Russland.
Dass Du die alte Größe
des Russischen Reiches
wieder herstellen möchtest.
Aber reicht es Dir nicht,
unbestritten
eine der drei mächtigsten
Nationen der Welt zu regieren?

Ich verstehe,
Du hättest gerne die ganze Ukraine
erobert
und heimgeholt
in das Russische Reich.
Aber Du weißt doch inzwischen genau; Dein «Blitzkrieg»
ist gescheitert. Nur
zugeben kannst Du das nicht.
Es ist ein Dilemma.

Da ist ein Mann in Amerika.
Der schätzt Dich hoch.
Auch Deine Art,
Macht auszuüben
bewundert er sehr.
Es ist aber keine Liebe.
Ob er Liebe überhaupt kennt?
(Vielleicht ist er Dir auch
etwas schuldig
aus älteren Jahren...)
Du aber lachst über ihn,
wie du lachst über alle,
die sich Dir widersetzen.
Wo stehst Du
vor Gott?

Lieber Bruder Wladimir,
ich finde keine Form,
das Knäuel aus Lüge und Stolz
in angemessener Form
zu beschreiben.

Lieber Bruder Wladimir!
Was hast Du erreicht
in den letzten drei Jahren?

Du hast Teile eines Landes
erobert, die Du zuerst
gründlich zerstört hast.
Du hast Tausende Menschen
sterben lassen
für Deinen Traum.

Du hast den Schutz der Erde
aufgegeben
zugunsten von immer mehr Waffen.

Du hast Europa
verleitet,
wie Du
auf immer mehr Waffen zu setzen
anstatt auf ehrlichen Handel.

Du hast die Welt
verwandelt
in ein Haus, in dem alle
politischen Entscheidungen
von Angst geleitet sind.

Du hast den friedlichen
Blick in die Wolken des Himmels
zerkratzt
mit Drohnen und bösen Raketen.

Um Jesu Christi Willen:
Mach ein Ende! Verwandle
Dich selbst
und gib uns allen den Frieden.
Ich spreche Dich an als einer,
der mit Dir zur selben Zeit
das Schicksal der Erde bestimmt –
durch seine Gedanken
und seine Gebete.




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