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UNESCO entscheidet im Sommer 2020

Countdown für Welterbe-Bewerbung Baden-Badens – Staatssekretärin Schütz im goodnews4-Interview: "Herausforderung, weil es ein internationaler Antrag ist" – 5,3 Kilo und 1.434 Seiten für die UNESCO

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goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit Katrin Schütz

Baden-Baden, 18.01.2019, 00:00 Uhr, Bericht: Christian Frietsch Noch vor 18 Monaten wollte eine Fraktion im Baden-Badener Gemeinderat die Bewerbung um das Welterbe stoppen, von der Sorge getrieben, dass der Bauwirtschaft in Baden-Baden dann Beschränkungen drohen könnten. Als gestern die zuständige Staatssekretärin im Baden-Badener Rathaus dem Projekt nochmals den landespolitischen Segen übermittelte, wollte daran niemand erinnert werden.

Im goodnews4-VIDEO-Interview war die für den Denkmalschutz verantwortliche Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, Katrin Schütz, auch diplomatisch genug, um auf die goodnews4-Frage nach einem vielleicht fehlenden badischen Geschichtsbewusstsein vorsichtig zu antworten.

«Also das kann ich jetzt nicht so beurteilen» umging dir so die Frage nach dem traurigen Schicksal des Neuen Schlosses, das anders als andere Schlösser nicht zum Kulturgut des Landes wurde und nun seit Jahrzehnten als Spekulationsobjekt durch die Welt dubioser Investoren geistert. Was in Sachen Neues Schloss wohl nicht mehr zu retten ist, könnte ein erfolgreiches Projekt als Welterbe Baden-Baden viel Potential geben für seine Zukunft als Kulturstadt und by the way auch noch einige Disziplin erzeugen für die eher lobbygesteuerte Baupolitik in der Baden-Badener Innenstadt, wo es Organisationen wie dem rührigen und ehrenamtlich agierenden Verein Stadtbild nicht gelang, im Rathaus ähnlich viel Gehör zu finden wie einflussreiche Bauunternehmer.

Mit Unterstützung des Landes ist in Sachen Bewerbung um den Status als Welterbe eine wichtige Weichenstellung für das Stadtbild und das kulturelle Erbe erfolgt. Einer war beim kleinen Welterbe-Gipfeltreffen nicht dabei. Frank Marrenbach, eigentlicher Antreiber des Projektes, kann sich nun etwas zurücklehnen. goodnews4.de berichtete. Der Baden-Badener Antrag, gemeinsam mit den anderen profilierten europäischen Bäderstädten, ist 5,3 Kilo schwer und zählt 1.434 Seiten. In der nächsten Woche soll der Welterbeantrag «The Great Spas of Europe» von den Botschaftern der beteiligten Staaten in der tschechischen Botschaft in Paris unterzeichnet und zum 1. Februar bei der UNESCO eingereicht werden. Mit einer Entscheidung ist, sollten keine Änderungen an der Bewerbung notwendig werden, im Sommer 2020 zu rechnen. Neben den deutschen Städten Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen gehören Baden bei Wien, Bath in Großbritannien, Franzensbad, Karlsbad und Marienbad in der Tschechischen Republik, Montecatini Terme in Italien, Spa in Belgien und Vichy in Frankreich zur Gruppe der «Great Spas of Europe».


Abschrift des goodnews4-VIDEO-Interviews mit Katrin Schütz, Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg:

goodnews4: Welche Rolle spielt denn das Land Baden-Württemberg ganz formal bei dem Antrag Baden-Badens als UNESCO-Welterbe?

Katrin Schütz: Das Land Baden-Württemberg, wir als oberste Denkmalbehörde im Wirtschaftsministerium, es ist so, dass wir es koordinieren, dass wir es begleiten, dass wir bei der Antragstellung die Verantwortung übernehmen.

goodnews4: Wie ist denn insgesamt die Bilanz an Welterbestätten in unserem Land und sind außer Baden-Baden weitere Projekte auf dem Weg?

Katrin Schütz: Wir haben deutschlandweit 44 Welterbestätten, allein in Baden-Württemberg haben wir sechs Stück. Das heißt, das Land Baden-Württemberg hat auch in der Antragstellung eine sehr, sehr große Erfahrung von 25 Jahren, wobei dieser Antrag schon ganz eigene Herausforderungen hat, weil es ja ein internationaler Antrag ist − «The Great Spas of Europe» ist Europa mitinkludiert − und deswegen natürlich auch herausfordernd ist. Aber jetzt wird es ja unterschrieben Ende Januar in der tschechischen Botschaft in Paris, die nationalen Vertreter unterschreiben dort, und bis zum 1. Februar wird es dann eingereicht. Und dann hat es einen sehr formalisierten Prozess, wie es weitergeht. Es kann auch nochmal sein, dass gewisse Rückfragen kommen, dass nochmal Veränderungen kommen. Bei unserem letzten Antrag hatten wir da gar keine Veränderungen, da hatten wir gar keine Nachbesserungen, die notwendig waren…

goodnews4: Welcher Antrag war das?

Katrin Schütz: Das war damals die Höhlen oder Le Corbusier zum Beispiel auch in der Weißenhofsiedlung in Stuttgart oder dann in 2017 unser Antrag, die Höhlen, die dann auch gestellt wurden. Und das sind ja schon herausragende Anträge, die eben auch erfolgreich waren. Von dem her können wir wirklich auf viel Knowhow zurückgreifen.

goodnews4: Gibt es denn noch weitere Anträge, außer dem Baden-Badener, die noch auf dem Weg oder in der Vorbereitung sind?

Katrin Schütz: Mit Baden-Baden sind es jetzt auch alle Anträge, das ist ja nicht so, dass man das wirklich alle zwei Tage macht, das ist ein riesen Aufwand. Sie haben die großen Bücher gerade gesehen − ich glaube 5 Kilo, ist gesagt worden, wiegt alles zusammen − also das ist ja nichts, was man gerade so im Handumdrehen macht. Aber das hat schon eine besondere Bedeutung und wird auch weltweit Aufmerksamkeit kriegen. Wir merken das bei den anderen Stätten auch, wie interessiert die Menschen sind, dass man auch in der Region zum Wandern, zum Laufen geht, dass man sich die Stätten dann anschaut. Das wird international auch beobachtet, aber auch für die Bürgerinnen und Bürger hier in Baden-Baden ist das wirklich eine Adelung.

goodnews4: Haben Sie denn Erkenntnisse und vielleicht konkrete Zahlen, wie der Titel Welterbe sich auf den Tourismus, aber vielleicht auch auf die Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt auswirken kann?

Katrin Schütz: Zahlen gibt es da nicht, weil es ja wirklich schwierig ist, das einfach so zu konkretisieren, weil es ist ja nicht nur ein Haus, ein Objekt, das besucht wird, sondern es sind ja wirklich Regionen, die dann besucht werden und deshalb ist es einfach schwierig, da jetzt konkret Zahlen zu benennen. Aber wir sehen bei allen sechs Stätten, die wir haben, dass wirklich ein großes touristisches Interesse international, weltweit auch besteht, aber ganz besonders auch für die Region. Als jemand, der aus der Region kommt, weiß ich wie schön Baden-Baden ist, ich kenne alle Bäder in Baden-Baden und schön, wenn das noch mehr in den Mittelpunkt gerückt, so dass andere Menschen das auch erkennen und erleben möchten.

goodnews4: Baden-Baden spielt historisch eine prägende Rolle für unser Land Baden-Württemberg. Die Stadt Baden, das heutige Baden-Baden, gab dem Land Baden den Namen und dies ist nun ein Namensbestandteil unseres Landes Baden-Württemberg. Ist denn das Geschichtsbewusstsein auf württembergischer Seite größer als in Baden, man denke zum Beispiel an das Schicksal des Neuen Schlosses in Baden-Baden?

Katrin Schütz: Also das kann ich jetzt nicht so beurteilen. Man muss sagen, bei der Denkmalpflege ist es einfach so, wir haben im ganzen Land in Baden-Württemberg unheimlich viele Menschen, die sich da ehrenamtlich und hauptamtlich einsetzen. Wir haben eine sehr, sehr große Kulturlandschaft und ein großes kulturelles Erbe. Gott sei Dank haben wir so viele Menschen, denn ohne dieses große ehrenamtliche Engagement könnten wir das gar nicht so pflegen. Obwohl Baden-Württemberg da viel Geld in die Hand nimmt, um es zu pflegen, wir machen ja auch jedes Jahr den «Tag des offenen Denkmals», Denkmalreisen, um diese besonderen Stätten in unserem Land in den Mittelpunkt zu stellen.

goodnews4: Dem Land Baden-Württemberg gehören die Thermalbäder in Baden-Baden. Wird das Land im Falle eines Welterbetitels die Bäder vielleicht in ein neues Gesamtkonzept in Baden-Baden mit einbinden?

Katrin Schütz: Also da ist es jetzt einfach ein bisschen zu früh natürlich darüber zu sprechen. Sie haben ja von dem Ablauf auch gehört, dass es dann bis zur Entscheidung natürlich noch einige Zeit benötigt, bis 2020. Aber da wird man sich mit Sicherheit dann einige Gedanken machen dazu, denn das ist ja wirklich etwas, das man in den Mittelpunkt stellen kann. Aber Baden-Baden hat ja auch ein tolles touristisches Konzept, auch ein Marketingkonzept, aber man muss ja immer wieder sich auch neu erfinden.

goodnews4: Vielen Dank für das Interview.

Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de.

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goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit Katrin Schütz


Erklärung des Wirtschaftministeriums Baden-Württemberg:

Elf bedeutende europäische Kurstädte des 19. Jahrhunderts − darunter auch Baden-Baden − werden für die Welterbeliste der UNESCO nominiert. Das gaben Katrin Schütz, Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg, Margret Mergen, Oberbürgermeisterin der Stadt Baden-Baden, und Prof. Claus Wolf, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege, gestern bekannt. In der kommenden Woche wird der Welterbeantrag «The Great Spas of Europe» von den Botschaftern der beteiligten Staaten unterzeichnet, zum 1. Februar dann bei der UNESCO eingereicht.

«Sechs Welterbestätten stehen bereits heute für die reichhaltige Denkmallandschaft in Baden-Württemberg. Baden-Baden ist eines der bekanntesten historischen Weltbäder. Deshalb ist es unser Ziel, dass im Sommer 2020 mit der Kurstadt eine weitere baden-württembergische Stätte in die Welterbefamilie aufgenommen wird», so Staatssekretärin Katrin Schütz. «Die Aufnahme der Stadt Baden-Baden auf die Welterbeliste würde sich gleichermaßen für Stadt und Land auszahlen: Zum einen würde die großartige Arbeit der Landesdenkmalpflege zur Erhaltung der Denkmale gewürdigt. Daneben wäre die Stadt ein noch größerer Magnet für Touristen aus aller Welt.»

«Baden-Baden blickt auf eine reiche Kulturgeschichte seit der Antike zurück. Seine Glanzzeit als ‘Sommerhauptstadt Europas’ im 19. Jahrhundert spiegelt sich bis heute im Stadtbild wider. In dieser Zeit zählte Baden-Baden zu den europäischen Kurstädten von Weltgeltung», erklärte Margret Mergen.

Die «Great Spas of Europe» sind ein außergewöhnliches Zeugnis der europäischen Bädertradition, deren Wurzeln bis in die Antike zurückreichen. Ihre Blütezeit erlebten diese Bäderstädte zwischen 1700 und den 1930er Jahren. Sie waren Vorreiter des modernen Tourismus und eine kulturelle Konkurrenz zu den großen Metropolen des 19. Jahrhunderts. Bis heute gibt es in diesen Städten ein lebendiges Kurwesen.

Hintergrundinformationen Im Zentrum des Welterbeantrags stehen elf große europäische Kurstädte von Weltrang: Neben den deutschen Städten Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen sind dies Baden bei Wien (Österreich), Bath in Großbritannien, Franzensbad, Karlsbad und Marienbad in der Tschechischen Republik, Montecatini Terme in Italien, Spa in Belgien und Vichy in Frankreich.

Die Federführung für den Antrag «The Great Spas of Europe» liegt bei der Tschechischen Republik. Das Wirtschaftsministerium als oberste Denkmalschutzbehörde koordiniert das Antragsverfahren für das Land und betreut es gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege.

Weiterführende Informationen zum Antrag unter: www.denkmalpflege-bw.de und www.baden-baden.de


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