Studioraum 45cbm

Dialog zwischen einem gebürtigen New Yorker und einem indigenen Künstler aus Mexiko - Neue Ausstellung in der Staatlichen Kunsthalle

Dialog zwischen einem gebürtigen New Yorker und einem indigenen Künstler aus Mexiko - Neue Ausstellung in der Staatlichen Kunsthalle
Kasia Fudakowski und Martina Garcia Garcia, 2017, Courtesy die Künstlerin und ChertLüdde Berlin, mit Dank an Lodos Mexico-Stadt.

Baden-Baden, 06.09.2018, Bericht: Kunsthalle Bad Basket Baden-Baden präsentiert eine Werkgruppe, die von einer europäischen Künstlerin in Zusammenarbeit mit mexikanischen KunsthandwerkerInnenn während eines zweieinhalbmonatigen Aufenthalts in Mexiko im Jahr 2017 initiiert wurde.

Mit der notwendigen Sensibilität für Aneignungstendenzen zeitgenössischer Kunst in Hinblick auf die mexikanische Kolonialgeschichte und kulturelle Aneignung im Allgemeinen hinterfragt Kasia Fudakowski mit den entstandenen Arbeiten den schmalen Grad zwischen kultureller Inspiration, Beeinfussung und Aneignung. Neben drei gewebten Objekten verweisen Schwingtüren aus schwerem Metall sowie Dokumentationsfotografen auf den kollaborativen Entstehungsprozess des Projekts und stellen darüber hinaus erneut einen Bezug zur kolonialen Vergangenheit Mexikos sowie zur kolonialen und künstlerischen Appropriation her. Die Ausstellung zu betreten erfordert eine gewisse Beharrlichkeit der BesucherIn. Die Schwingtüren, die den Blick auf die dahinterliegenden Objekte versperren, tragen einen Auszug aus B. Travens Kurzgeschichte Der Großindustrielle, die Martin Hernandez Robles, ein Rotulista (Schilderschreiber) aus Mexiko-Stadt auf die Oberfäche geschrieben hat.

Der Schriftsteller B. Traven ist vor allem für seine Kurzgeschichten bekannt, die erstmals in den 1920er Jahren veröffentlicht wurden und sich mit dem Leben der einfachen Mexikaner befassen. Seine Texte weisen ein sehr genaues und aufschlussreiches lokales Wissen auf, obwohl er selbst vermutlich nicht mexikanischer Herkunft war. B. Traven ist das Pseudonym eines Autors, dessen Biografe in ein Geheimnis gehüllt ist. Der auf die Schwingtüren mit Farbe geschriebene Auszug bildet einen Dialog zwischen einem gebürtigen New Yorker und einem indigenen Kunsthandwerker Künstler aus Oaxaca, Mexiko, ab und führt auf diese Weise in das Spannungsfeld des Ausstellungskontexts ein.

Die drei gewebten Arbeiten zeigen das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen Kasia Fudakowski und Martina Garcia Garcia, Marivel Hernandez Marcelino und Augustin Mendoza. Jedes Stück wurde gemeinsam von einem der KunsthandwerkerInnen und der Künstlerin geschaffen, die abwechselnd jede Stunde gewebt haben. Zur Unterscheidung wurden die naturfarbenen Flächen vom Handwerker gewebt, während die farbigen Bereiche von der Künstlerin gewebt wurden. Ein genauer Blick zeigt das Ungleichgewicht in der Fähigkeit, nicht nur durch die Fehler, die Fudakowski beim Weben geschaffen hat, sondern auch durch das langsame Tempo, mit dem sie arbeiten konnte, während die Geschicklichkeit und Schnelligkeit eines jeden Handwerkers in den Objekten klar ersichtlich ist. Die gewebten Arbeiten werden von Schwarz-Weiß-Fotografen begleitet, die den Prozess dokumentieren und eine Fotografe aus der kolonialen Vergangenheit Mexikos nachahmen.

45cbm ist eine Plattform der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden für experimentelle Kunstprojekte und ergänzt das laufende Programm der Kunsthalle im Rhythmus von 6-8 Wochen um neue Perspektiven. Mit freundlicher Unterstützung des Freundeskreis der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden e.V. und der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).


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