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Wechselvolle Geschichte des Festspielhauses

Festspielhaus Baden-Baden wechselt morgen seinen Eigentümer – Benedikt Stampa: „Glückliche Mieterin“ – goodnews4-VIDEO-Interview folgt

Festspielhaus Baden-Baden wechselt morgen seinen Eigentümer – Benedikt Stampa: „Glückliche Mieterin“ – goodnews4-VIDEO-Interview folgt
OB Margret Mergen und Intendant Benedikt Stampa bei der Unterzeichnung des Mietvertrags für das Festspielhaus Baden-Baden.

Bild Nadja Milke Bericht von Nadja Milke
30.06.2020, 00:00 Uhr



Baden-Baden Schon morgen, am 1. Juli, geht das Gebäude des Festspielhauses in das Eigentum der Stadt Baden-Baden über und gehört damit quasi den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt. Auch jenen, die das Festspielhaus noch nie von innen gesehen haben.

Zur Vertragsunterzeichnung trafen sich gestern Nachmittag Oberbürgermeisterin Margret Mergen und Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa auf der Bühne des Opernhauses.

Die Festspielhaus und Festspiele gGmbH sollen weiterhin für Programm und Betriebskonzept sorgen. Mit der Corona-Pause geriet das Festspielhaus in einige Nöte, die sich auch wirtschaftlich auswirken. Auf Hilfe der öffentlichen Hand wird man wohl angewiesen sein im für die Baden-Badener Wirtschaft wichtigen Promotor. In der wechselvollen Geschichte des Festspielhauses gab es nicht nur eine Krise, die bewältigt wurde. Schon in den Anfängen Ende der neunziger Jahre gab es heftige Konflikte zwischen dem Ideengeber Ermano Sens-Grosholz und dem damaligen Oberbürgermeister Ulrich Wendt, wo es auch darum ging, wem das Verdienst der Idee für den Bau des Festspielhauses zusteht. Nachzulesen ist die historische Sicht in dem Büchlein «Ermano Sens-Grosholz erzählt sein Leben».

Im goodnews4-VIDEO-Interview geht Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa auf die aktuelle Lage ein. Das Interview wird im Laufe dieser Woche veröffentlicht. Zu den Rednerinnen und Redner gestern im Festspielhaus gehörten Oberbürgermeisterin Margret Mergen, Thomas Eibl, Stadtkämmerer und Geschäftsführer der Gemeinnützigen Gesellschaft zum Erwerb und anschließender Nutzungsüberlassung des Festspielhauses Baden-Baden, Ursula Koners, Geschäftsführerin Festspielhaus und Festspiele Baden-Baden gGmbH, Benedikt Stampa, Intendant und Geschäftsführer Festspielhaus und Festspiele Baden-Baden gGmbH, und Thorsten Klapproth, Vorstand der Kulturstiftung Festspielhaus Baden-Baden. Die in Baden-Baden lebende Pianistin Anna Zassimova ließ gestern mit Hilfe von Frédéric Chopin und Claude Debussy ahnen, wie schön es im Festspielhaus sein kann.

Die gemeinsame Erklärung der Stadt Baden-Baden und des Festspielhauses von gestern, 29. Juni 2020, im Wortlaut:

Die Stadt Baden-Baden übernimmt durch ihre städtische Gesellschaft gGENF zum 1. Juli 2020 die Immobilie Festspielhaus Baden-Baden. Damit geht das Eigentum am Gebäude auf die Stadt über. Im Rahmen eines Medientermins unterzeichneten Oberbürgermeisterin Margret Mergen sowie Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa heute (29. Juni) den neuen 21-seitigen «Mietvertrag mit Zweckbindungsvereinbarung». In diesem ist neben dem Mietverhältnis geregelt, dass sich die Stadt auch in Zukunft weiterhin maßgeblich für das Opern- und Konzerthaus engagiert und damit die Kunst und Kultur in der Stadt fördert.

Die das Haus und die Festspiele wie bisher betreibende Festspielhaus und Festspiele gGmbH finanziert unter dem Dach der Kulturstiftung Festspielhaus Baden-Baden den laufenden Betrieb inklusive des Programms und behält die Programmhoheit.

Die Stadt Baden-Baden stellt auch weiterhin die spielfertige Bühne zur Verfügung und sorgt für den Unterhalt des Gebäudes. Die Immobilie wird der Betreibergesellschaft für die Vertragslaufzeit von zunächst 25 Jahren zur Verfügung gestellt. Für die gemeinnützige Gesellschaft zum Erwerb und anschließender Nutzungsüberlassung des Festspielhauses Baden-Baden mbH, der gGENF, unterzeichnete deren Geschäftsführer, Baden-Badens Kämmerer Thomas Eibl.

«Die Festspielhaus-Betriebsgesellschaft hat nun eine neue Vermieterin und ist eine entsprechend glückliche Mieterin», sagte Intendant Benedikt Stampa. Er dankte der Oberbürgermeisterin und den Fraktionsvorsitzenden des Baden-Badener Gemeinderats sowie Stadtkämmerer Thomas Eibl für deren Bekenntnis zum Festspielhaus. «Aktuell steuern wir das Unternehmen durch unruhige Corona-Zeiten, doch bislang hat sich die Partnerschaft zwischen privaten Stiftern, Förderern und Sponsoren und der Öffentlichkeit in Gestalt von Stadt und Land als Fels in der Brandung bewiesen», so Stampa. Mit rund 50 bis 60 Millionen Euro Kaufkraftzufluss und einem noch höheren «Kunstkraftzufluss» stehe man europaweit bestens da. Der wirtschaftliche Effekt des Hauses wurde 2008 und 2011 von der Universität St. Gallen bestätigt. Daran gemessen sei der jährliche finanzielle Aufwand der Stadt in Höhe von zirka 3,6 Millionen Euro für den Gebäude-Unterhalt . «sehr gut investiert.», so der Intendant. Stifter, Förderer und Freunde des Festspielhauses spenden jährlich rund acht Millionen Euro für den Betrieb des Hauses. Einnahmen aus rund 180.000 Eintrittskarten-Verkäufen pro Jahr und der Gastronomie komplettieren das Budget.

«Mit dem Kauf der Immobilie Festspielhaus kommen wir gerne unseren vertraglichen Verpflichtungen nach», zeigte sich Oberbürgermeisterin Margret Mergen zuversichtlich, dass die Stadt auch trotz finanziell angespannter Zeiten die künftigen Aufgaben in Zusammenhang mit dem Erwerb zielgerichtet und mit Augenmaß schultern werde.«Das Festspielhaus ist der kulturelle Leuchtturm für Stadt und Region. Es hat eine starke nationale und internationale Strahlkraft und spielt in der Champions League der Konzert- und Opernhäuser. Die imageträchtigen Veranstaltungen, die von herausragender Qualität geprägt sind, sind nicht nur ein Aushängeschild für unsere Stadt, sondern für die ganze Region und das Land. Der Bekanntheitsgrad des Festspielhauses hat dementsprechend eine hohe wirtschaftliche Bedeutung für die Region und trägt damit zur Vitalität der Stadt bei. Der Verantwortung, die nun vor uns liegt, stellen wir uns deshalb ohne Wenn und Aber.»

Die Verpflichtung zum Kauf der Festspielhaus-Immobilie geht auf eine Vereinbarung aus dem Jahr 1996 zurück. Darin wurde vertraglich festgelegt, dass die derzeitige Eigentümerin der FestspielhausImmobilie, die TANJA Grundstücksverwaltungs-GmbH & Co. Objekt Festspielhaus-KG, über ein sogenanntes Andienungsrecht die Stadt zum Abkauf der Immobilie verpflichten kann. Von diesem Recht machte die TANJA im Jahr 2017 Gebrauch. Vor diesem Hintergrund wurde bereits im Jahr 2010 die Gemeinnützige Gesellschaft zum Erwerb und anschließender Nutzungsüberlassung des Festspielhauses Baden-Baden mbH (gGENF) als 100-prozentige Tochtergesellschaft der Stadt gegründet. Diese städtische Gesellschaft wurde eigens für den Erwerb und zur Sicherung der Anschlussfinanzierung der Immobilie Festspielhaus errichtet. Die Kosten des Kaufs der Immobilie belaufen sich auf insgesamt 18,4 Millionen Euro. Dies wurde vor dem Bau des 2.500 Plätze-Hauses festgelegt, der mit rund 60 Millionen Euro beziffert wurde. Durch mittlerweile gesunkene Zinsen sank auch die Belastung für den Haushalt der Stadt Baden-Baden im Hinblick auf den Rückkauf anders, als es in 1996 absehbar war. Gleichzeitig stellte die Stadt in ihrer Tochtergesellschaft, der gGENF, in den letzten Jahren finanzielle Mittel über sogenannte Kapitalzuführungen von bislang 7,1 Millionen Euro für den Kauf der Immobilie zurück. Neben den angesparten Mitteln werden die fehlenden Finanzierungsmittel über eine Darlehensaufnahme von 11,3 Millionen Euro bei der Sparkasse Baden-Baden Gaggenau gesichert.

Hoffnung für Sommer und Herbst 2020

Bedingt durch die Schutzmaßnahmen in der aktuellen Corona-Krise musste das Festspielhaus Baden-Baden seinen Betrieb Mitte März 2020 einstellen. «Wir arbeiten im Moment daran, einen neuen Spielplan für den Herbst zu entwickeln», machte Intendant Benedikt Stampa im Rahmen der Vertragsunterzeichnung Hoffnung, dass es auf der Bühne bald auch künstlerisch weitergeht. Den Sommer 2020 nutzen die Stadt Baden-Baden und das Festspielhaus für Sanierungsmaßnahmen und die teilweise Neu-Verkabelung des Hauses im Zuge der Digitalisierung des in den 1990er Jahren gebauten Theaters. Die Festspiele Baden-Baden möchten im Juli und August 2020 in Baden-Badener Hotels mit kleineren Formaten unter dem Motto «En suite» ein erstes neues Programm-Angebot seit dem LockDown machen.

Ostern mit den Berliner Philharmonikern

Das Festspielhaus Baden-Baden wurde am 18. April 1998 eröffnet. Architekt Wilhelm Holzbauer verband geschickt den unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen großherzoglichen Bahnhof der Stadt mit einem lichtdurchfluteten Neubau für Bühnenhaus, Zuschauersaal und Foyers. Das Programm bietet normalerweise rund elf Monate im Jahr Opern-, Konzert- und Ballettprogramme – zusammengefasst in Festspielphasen. Außerdem ergänzen Entertainment-Shows, Jazz- und Pop-Programme das Angebot. Seit 2008 entwickelt das Festspielhaus Baden-Baden ein bundesweit einmaliges Musikvermittlungsprogramm für Kinder und Erwachsene. Seit 2013 feiert das Festspielhaus gemeinsam mit den Berliner Philharmonikern Osterfestspiele. Künstlerische Partnerschaften entstanden unter anderem mit dem Mariinsky Theater St. Petersburg, der New Yorker Metropolitan Opera und dem Hamburg Ballett John Neumeier. Intendant Benedikt Stampa ist seit Herbst 2019 im Amt. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Festivals neben den Osterfestspielen weiter zu profilieren und die Geschichte Baden-Badens als weltoffene Kulturstadt im Herzen Europas in sein Programm einfließen zu lassen. Das Publikum kommt aus aller Welt, rund 60 Prozent aus einem Umkreis von 200 Kilometern um Baden-Baden.

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