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Mehr als 40 Schulen nehmen teil

Projekt Kolumbus führte schon 45.000 Schüler ins Festspielhaus Baden-Baden - Mölich-Zebhauser: "Musik ist ein essentieller, kultureller Teil unserer Menschwerdung"

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goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit Andreas Mölich-Zebhauser

Baden-Baden, 06.12.2018, 00:00 Uhr, Bericht: Christian Frietsch Der gerechte Zugang zu Bildung und Wissen von Kindern ist in Deutschland nicht so gelungen wie in manchen anderen Industrieländern. Bei der vom UN-Sonderberichterstatter schon vor Jahren geforderten Beseitigung von sozialen und ökonomischen Benachteiligungen in Deutschland lebender Kinder ist nicht sehr viel zu spüren. Private Initiativen halten dagegen, die so immerhin manche sozialen Nachteile von Kindern aus sogenannten bildungsferneren Schichten ausgleichen helfen können.

Im goodnews4-VIDEO-Interview ist Festspielhaus-Intendant Andreas Mölich-Zebhauser sicher, dass das von der Grenke AG initiierte Schulprojekt «Kolumbus − Klassik entdecken!» nicht nur eine Geste ist.

«Der Bedarf dafür ist riesengroß» Doch der Opernhaus-Chef weiß auch, dass es gar nicht so leicht ist, Kinder überhaupt auf den Weg der klassischen Kultur zu bringen und damit vielleicht auch einen Bildungsnachteil ausgleichen zu helfen. «Das Programm ist insofern immer gefährdet, weil die Jugendlichen heute ja mit so vielen Sachen konfrontiert sind und auch mit Ablenkungen und mit einem Suchtverhalten, das nicht immer gut ist. Ich ertappte mich selber als relativ Erwachsener doch auch dabei, dass ich viel zu viel am Smartphone irgendwelche Nachrichten lese − da kann man sich verlieren.»

Doch auch diese tiefgreifende gesellschaftliche Veränderung des Kommunikationsverhaltens hat den Erfolg des öffentlich gar nicht so bekannten Projektes nicht aufhalten können. Das gemeinsame Schulprojekt «Kolumbus − Klassik entdecken!» des Unternehmens Grenke AG und des Festspielhauses Baden-Baden führte nach Angaben der Initiatoren schon über 45.000 Schülerinnen und Schülern zu einer «Begegnung mit Weltklasse-Künstlern». Mehr Informationen und Anmeldung zu «Kolumbus»: www.festspielhaus.de

Andreas Mölich-Zebhauser gibt dann auch noch eine Orientierung mit auf den Weg für unsere Zeit, in der die Vielfalt der Ablenkungen das Wesentliche schon mal aus den Augen verlieren lässt: «Die Beschäftigung mit Musik ist ein essentieller, kultureller Teil unserer Menschwerdung, nennen wir es mal so, weil es macht kreativ, es macht nachdenklich.»


Abschrift des goodnews4-VIDEO-Interviews mit Andreas Mölich-Zebhauser, Intendant des Festspielhauses Baden-Baden:

goodnews4: Digitaler Wandel, Künstliche Intelligenz, Fachkräftemangel treiben Gesellschaft und Wirtschaft um, auf der anderen Seite steht die Forderung nach Chancengleichheit für die Menschen, die jungen Menschen vor allem, Zugang zu Wissen und Bildung. Ist das Programm «Kolumbus» mehr als eine gute Geste?

Andreas Mölich-Zebhauser: Ja, ich glaube das kann man sagen. Nein, das ist es definitiv und wenn es eines Beweises bedürft hätte, dann denken Sie mal daran, dass das Programm jetzt schon 19 Jahre oder 18 Jahre alt ist und das machen wir nicht 18 Jahre lang, wenn wir das Gefühl haben, das ist eine Nebensächlichkeit. Also der Bedarf dafür ist riesengroß. Das Programm ist insofern immer gefährdet als dass die Jugendlichen heute ja mit so vielen Sachen konfrontiert sind und vor allen Dingen auch Ablenkungen und mit einem Suchtverhalten, das nicht immer gut ist. Ich ertappte mich selber als relativ Erwachsener doch auch dabei, dass ich viel zu viel am Smartphone irgendwelche Nachrichten lese − da kann man sich reinverlieren. Es gibt relativ wenige Sachen, die neben dem beruflichen Ziel, was jeder irgendwann für sich findet − meistens so um die 20, manchmal auch später erst − braucht es Sachen, die einem wieder erden und so ein bisschen grundsätzlichere Fragen stellen. Das klingt jetzt alles sehr ambitioniert, ist aber einfach wahr. Die Beschäftigung mit Musik ist ein essentieller, kultureller Teil unserer Menschwerdung, nennen wir es mal so, weil es macht kreativ, es macht nachdenklich, weil die Materie nicht ganz einfach ist. Wenn man sich mit Musik im Schulunterricht beschäftigt, das auch irgendwie zu durchdringen, das hat ja Systematiken und es ist nicht so, dass die Komponisten mit dem Rechenschieber dran gewesen sind, aber − jetzt rede ich schon wieder viel zu lange − es ist etwas ganz Faszinierendes, was da entsteht. Meistens ist es so, dass man dann erst ein paar Jahre später merkt, wofür das auch nützlich ist, weil es eine andere Denkweise ist die Beschäftigung mit Hochkultur. Und glauben Sie mir, ich habe zwar mit dem Klavierspielen angefangen, aber dann bin ich voll durch meine Pop-Phase, Rock-Phase eigentlich und alternative Phase, durchgelaufen als junger Mensch, aber ich habe es nicht bereut, dass ich das Klavierspielen gelernt habe.

goodnews4: Geht es auch um mehr als die reine musikalische Bildung − wie heißen die wichtigsten Komponisten, wie ist eine Symphonie aufgebaut?

Andreas Mölich-Zebhauser: Ich glaube, das beurteilt jetzt ein Musiklehrer wahrscheinlich etwas anders als ich. Ich denke, das ist sehr sinnvoll das zu machen, aber es ist nicht der Kern der Sache, dass man analytisch an die Musik herangeht, sondern die Musik muss mit dir etwas machen und nicht nur im Kopf, sondern vor allen Dingen im Herzen. Das ist, glaube ich, ein großer Beitrag, den die Musik leistet, weil es gibt eben auch diese unbewusste, unterbewusste Ebene, die ist schon bei einem Buch, wenn ich mich mit Literatur beschäftige, ist das vermittelter. Gut, so ein Krimi oder was weiß ich oder ein Chandler, was so ein bisschen black ist, das bringt dich auch innerlich in Aufruhr und du analysierst das auch nicht, aber viel hochstehende Literatur ist schwieriger sich zu erobern als es die Musik ist. Die Musik war auch früher da.

goodnews4: Der Staat hat sich eigentlich verpflichtet, über die Schulbildung Chancengleichheit zu schaffen, reicht das nicht? Braucht es Initiativen wie die von Wolfgang Grenke mit der Grenke AG und dem Festspielhaus Baden-Baden?

Andreas Mölich-Zebhauser: Gut, das kann man ja nicht gesetzlich verpflichtend machen und vielleicht wäre es auch gar nicht sinnvoll, jedes Unternehmen zu verpflichten. Es sind ja in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg im Grunde genommen diese ganzen Bereiche zu einer öffentlichen Sache geworden, um die sich der Staat gefälligst zu kümmern hat und die Kommunen, und dafür wird ja auch viel Geld ausgegeben und das ist toll. Wir sind insofern ein bisschen ein Sonderfall als wir versuchen, in unserer nicht subventionierten Ecke, die wir freiwillig gewählt haben, trotzdem oder vielleicht gerade auch kreativ zu sein und wieder zurück einzuwirken in die Gesellschaft und in Unternehmen. Wir machen hochinteressante Projekte mit Unternehmen, die man gar nicht so öffentlich wahrnimmt. Auch das hat vielleicht seine Quelle im Kolumbus-Programm gehabt, dass wir uns damit mehr beschäftigt haben, dass wir heute mit großen Unternehmen Qualifizierungs- und Überraschungsprogramme im Umgang mit Musik, Malerei, Literatur und vielem anderen machen. Wir haben da ein großes Projekt laufen mit Daimler seit einigen Jahren, das ist total interessant. Das erreicht nicht jeden Daimler-Mitarbeiter, aber den ganzen Führungsnachwuchs von Daimler. Da schaffen wir Situationen, wo du aufhörst so zu denken, weil das dein Zielpunkt ist, den du erreichen und schaffen musst, sondern nach rechts zu blicken, nach links zu blicken und die Welt einzubeziehen, schon mit dem Schwerpunkt Kultur, aber manchmal auch gar nicht nur Kultur, sondern sozusagen das Querdenken wieder neu zu lernen, was für jeden erfolgreichen Berufsweg ein nicht ganz unwichtiges Kriterium ist.

goodnews4: Vielen Dank für das Interview.

Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de.

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goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit Andreas Mölich-Zebhauser


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