Aus dem Deutsch-Italienischen Kreis
Vortrag erinnerte an Dario Fo – Zeitzeugin berichtete von ihrer Begegnung mit dem großen Italiener

Baden-Baden, 02.07.2018, Bericht: Deutsch-italienischer Kreis Constantin Sperneac-Wolfer, Präsident des Deutsch-Italienischen Vereins, hielt einen sehr berührenden Vortrag über die Künstlerpersönlichkeit und den Nobelpreisträger für Literatur im Jahre 1977.
Dario Fos atemberaubende Aktivitäten beschränkten sich nicht nur auf die diversen Bereiche als Theaterautor, Regisseur, Bühnenbildner, Komponisten, Erzähler, Satiriker, Schauspieler und Maler, in jungen Jahren war er auch Hilfsarchitekt und Dekorateur. In einem Interview, das anlässlich seines 90. Geburtstages mit ihm geführt wurde, plauderte er aus seinem Privatleben. Er erzählte, welch riesiges Glück er gehabt hatte, in einem Dorf am Lago Maggiore geboren worden zu sein, wo Kinder aus allen Gegenden Europas zusammenlebten, die sich verständigen wollten, aber nicht konnten, da sie keine gemeinsame Sprache hatten. Also blieb dem Kinde Dario Fo nichts anderes übrig als die Kunst der Darstellung zu lernen. Aus dieser Situation lernte er: Es kommt nicht auf das Gestikulieren an, sondern darauf, den Zuschauer unterstützend zu einer Erkenntnis zu begleiten. Auf dieser Erfahrung, die er als Kind gewonnen hatte, aus einer schwierigen Lage das Beste für alle Kinder zu machen, baute er seinen späteren Erfolg und perfektionierte dies über die Jahre.
Auf die Frage des Interviewers, was das schönste Erlebnis seines Lebens gewesen sei, antwortete er, Franca, Franca Rame, seine Ehefrau. Er habe sie immer zu hübsch für ihn gefunden. Sie sei immer von tollen Männern umgeben gewesen, die versuchten sie zu erobern, weswegen er vermieden habe, sie anzuschauen und versucht habe, sich nicht für sie zu begeistern. Er habe sich immer wieder gesagt: Sie ist nicht für Dich. Bis eines Tages Franca hinter ihn stand, ihn an den Rücken fasste, umdrehte und ihn küsste. Sie sei es gewesen, die entschieden habe, dass er ihr Mann sei. Auf die Frage, was ihm am heutigen Italien nicht gefalle, antwortete er, die Arbeitslosigkeit der Jugend. Es sei falsch und eine Lüge, die alte Menschen propagierten, dass die jungen Menschen nicht arbeiten wollten. In Gegensatz: Sie hätten einen großen Willen zu arbeiten. Sie bräuchten aber Unterstützung. Die Zuschauer erfuhren auch, dass Dario Fo, das Geld, welches er für den Nobelpreis bekommen hatte, an Behinderteninstitutionen spendete. Als ein Reporter ihn fragte, ob er Angst vor dem Tod habe, antwortete er, er habe keine Angst vor dem Tod, aber Angst davor, dass die Menschen weniger lachen würden, wenn er eines Tages tot sein würde. Der Abend endete für die Zuschauer mit etwas Besonderem. Herr Sperneac-Wolfer konnte eine Zeitzeugin Dario Fos präsentieren. Diese hatte ihn nicht nur persönlich erlebt, sondern von ihm auf einer Eintrittskarte «ein Gemälde» erhalten, welches sie selbst darstellte. Für die Eintrittskarte des Museums der Università Libera di Alcatraz, die einige Kunstwerke Mario Fos besitzt, war ein Ausweisbild benötigt worden, aber sie hatte keines. Unbürokratisch nach italienischer Kavalierstart, zeichnete Dario Fo mit raschen Strichen ihr Porträt auf die Karte. Die Zuhörer konnten das Portrait auf der Original-Eintrittskarte bestaunen. Die Zeitzeugin berichtete den Zuschauern von ihrer Begegnung mit Dario Fo und über seine unbeschwerte und humorvolle Art mit den Menschen umzugehen. Der Abend klang aus mit einem Glas Wein, kleinen Snacks in den italienischen Farben und interessanten Gesprächen, nicht nur über Dario Fo. Alle Beteiligten waren sich einig, der Abend war ein voller Erfolg.
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