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Zukunft der Galopprennbahn Baden-Baden Iffezheim

Millionenverlust für Rennbahn Iffezheim – Andreas Jacobs appelliert im goodnews4-Interview an Politik und Wirtschaft – "Dringend an der Zeit, dass wir für 2021 zusammenrücken"

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goodnews4-AUDIO-Interview von Nadja Milke mit Andreas Jacobs

Bild Christian Frietsch Bericht von Christian Frietsch
12.09.2020, 00:00 Uhr



Baden-Baden Vor gerade zehn Jahren retteten der Kaffee-Erbe Andreas Jacobs mit einer kleinen Gruppe von Galoppsportfreunden die Rennbahn Baden-Baden Iffezheim vor einem ungewissen Schicksal. Die Corona-Krise stürzt die 1858 gegründete, bedeutendste Galopprennbahn Deutschlands in eine neue Krise.

Im goodnews4-AUDIO-Interview machte Andreas Jacobs zunächst seinen Gemütszustand deutlich: «Wenn ich die wirtschaftlichen Zahlen des Betreibens einer Rennbahn sehe, dann kriegt man Magenschmerzen, Kopfschmerzen und sorgt sich.»

Die bitteren Einbußen beziffert Andreas Jacobs auf einen siebenstelligen Betrag. «Wenn man das zum Vorjahr vergleicht, haben wir massive Einbrüche bei den Einnahmen. Das sind zunächst mal die Tickets. Wie Sie wissen, sind wir auf 500 Zuschauer begrenzt, normalerweise haben wir im Schnitt zehn, zwölf Tausend. Das heißt, wir verlieren bei den Tickets etwa auf Jahresbasis gut 750.000 Euro.» Doch das ist nicht alles, erklärt Andreas Jacobs die Folgen der Corona-Einschränkungen. «Wir haben weniger Sponsoreneinnahmen, das ist auch irgendwo logisch nachvollziehbar. Viele Sponsoren kommen gerne mit ihren Gästen, haben 300, 400 Gäste dabei und wenn die nicht auf die Bahn dürfen, dann macht es für sie auch keinen Sinn, das Sponsoring weiterzuführen. Und dann haben wir dadurch, dass weniger Menschen auf der Bahn sind, auch weniger Wettumsätze auf der Bahn. Also wenn ich diese drei Säulen zusammenaddiere, liegen wir so 1,5 Millionen unter dem Vorjahr.»

Zu den Konsequenzen macht Andreas Jacobs zwar deutlich: «Die Existenz ist nicht gefährdet» für die Rennbahn, «aber es ist dringend an der Zeit, dass wir für 2021 zusammenrücken und alle Interessenten, alle – wie es heute so Neudeutsch heißt – Stakeholder dieser Bahn zusammenbringen, um über die Zukunft zu sprechen.» Im weiteren Verlauf des Interviews spricht Andreas Jacobs diejenigen an, die «ein Interesse an dieser Rennbahn» haben. «Das sind Pferdeverbände und Pferdebesitzer, das sind Einzelpersonen und Unternehmer, die vielleicht etwas gestalten wollen, so wie Herr von Schubert und ich das in der Vergangenheit getan haben. Und natürlich ist das die Politik, sind das die Repräsentanten des Volkes, der Bevölkerung in der Region und die Wirtschaft, die ein hohes Interesse haben muss, diese Bahn weiter zu betreiben.»

Ein bitterer Beigeschmack sind die unterschiedlichen und schwer nachvollziehbaren Maßstäbe, die von der Politik bei den Corona-Einschränkungen angelegt werden. Bis heute ist nicht leicht erklärbar, weshalb der Freizeitpark in Rust 15.000 Besucher zulassen durfte und die weitläufige Rennbahn Iffezheim auf 500 Besucher beschränkt wurde. Ein Manko von Andreas Jacobs und seinen Mitstreitern ist vielleicht die vornehm zurückhaltende Lobbyarbeit bei der in Stuttgart zuständigen grün-schwarzen Landesregierung. Europapark-Chef Roland Mack ist seit Jahrzehnten gut vernetzt in der Landespolitik.


Abschrift des goodnews4-AUDIO-Interviews mit Andreas Jacobs, Präsident von Baden Racing:

goodnews4: Die Corona-Krise war und ist ein ziemlicher Schlag ins Kontor, vergeht einem da jeglicher Spaß, auch am Galoppsport?

Andreas Jacobs: Vergehen tut er mir nie, dafür bin ich zu passioniert, aber wenn ich die wirtschaftlichen Zahlen sehe des Betreibens einer Rennbahn, dann kriegt man Magenschmerzen, Kopfschmerzen und sorgt sich.

goodnews4: Wie sehen die Zahlen denn aktuell aus?

Andreas Jacobs: Wenn man das zum Vorjahr vergleicht, haben wir natürlich massive Einbrüche bei den Einnahmen. Das sind zunächst mal die Tickets. Wie Sie wissen, sind wir auf 500 Zuschauer begrenzt, normalerweise haben wir im Schnitt zehn, zwölf Tausend. Das heißt, wir verlieren bei den Tickets etwa auf Jahresbasis gut 750.000 Euro. Wir haben dann weniger Sponsoreneinnahmen, das ist auch irgendwo logisch nachvollziehbar. Viele Sponsoren kommen gerne mit ihren Gästen, haben 300, 400 Gäste dabei und wenn die nicht auf die Bahn dürfen, dann macht es für sie auch keinen Sinn, das Sponsoring weiterzuführen. Und dann haben wir dadurch, dass weniger Menschen auf der Bahn sind, auch weniger Wettumsätze auf der Bahn. Also wenn ich diese drei Säulen zusammenaddiere, liegen wir so 1,5 Millionen unter dem Vorjahr.

goodnews4: Die Pferderennen sind ein Merkmal Baden-Badens, wie die prächtige Architektur, die Spielbank, die Bäder oder andere Merkmale der Stadt. Ist denn die Existenz der Rennbahn in Gefahr?

Andreas Jacobs: Wir gehen ja alle davon aus, dass Covid-19 nicht drei, vier, fünf oder ewig Jahre dauert und wenn es nur ein Jahr ist, dann sind die 1,5 irgendwo überschaubar, finanzierbar und alle werden irgendwie zusammenrücken und diese Brücke meistern. Aber natürlich reißt dieses ein großes Loch in die Finanzkasse in dieser Größenordnung, weil wir auch durch Kostensenkungen das nicht auffangen können. Wir können ein bisschen weniger Preisgeld ausgeben, wir können ein paar Menschen in Kurzarbeit schicken, aber das macht gar nicht viel aus, leider. Das heißt, die Existenz ist nicht gefährdet, aber es ist dringend an der Zeit, dass wir für 2021 zusammenrücken und alle Interessenten, alle – wie es heute so neudeutsch heißt – Stakeholder dieser Bahn zusammenbringen, um über die Zukunft zu sprechen.

goodnews4: Gemeinsam mit Herrn von Schubert haben Sie die Hauptlast der Defizite der Rennbahn bisher geschultert, wie könnte eine neue Lösung aussehen, wenn «alle zusammenrücken»?

Andreas Jacobs: Natürlich ist erstmal die Frage: Wer ist alle? Und ich denke alle sind diejenigen, die ein Interesse an dieser Rennbahn haben, das sind Pferdeverbände und Pferdebesitzer, das sind Einzelpersonen und Unternehmer, die vielleicht etwas gestalten wollen, so wie Herr von Schubert und ich das in der Vergangenheit getan haben. Und natürlich, muss man sagen, ist das die Politik, sind das die Repräsentanten des Volkes, der Bevölkerung in der Region und auch irgendwo die Wirtschaft, die ein hohes Interesse haben muss, diese Bahn weiter zu betreiben. Wir haben ja eine Studie erstellt, wo wir gesehen haben, dass diese Bahn gut 15 Millionen Umsatz für die Region Baden-Baden generiert, im Sinne von Hotels, Restaurants. Und dies jetzt irgendwie zu erhalten, das ist ein wichtiger Auftrag. Also das sind die Gruppen, die sich zusammensetzen müssen, und das leider relativ zügig, weil die Planung für 2021 natürlich unmittelbar bevorsteht.

goodnews4: Also sehen Sie auch eine öffentliche finanzielle Verpflichtung, wie zum Beispiel bei Kulturdenkmälern?

Andreas Jacobs: Naja, ich sehe zunächst mal ein öffentliches Interesse, dass wir dort an zehn, zwölf, 14 Renntagen im Schnitt zehn, zwölf Tausend Menschen zusammenbringen, das ruft nach einem Interesse der Politik und der Wirtschaft der Region, dieses zu schützen, denn die Bevölkerung fragt danach und freut sich über diese Rennen. Insofern ist das ein Auftrag der Bevölkerung an die Verwaltung, an die Politik zu sagen: «Ey, das könnt ihr nicht einschlafen lassen!»

goodnews4: Welche Rolle sehen Sie für sich bei einer neuen Lösung für Baden Racing?

Andreas Jacobs: Ja, Herr von Schubert und ich suchen ja schon seit vielen Jahren nach einem Partner, nach Unterstützung, auch in der Öffentlichkeit. Wir haben mit vielen Einzelpersonen gesprochen. Wir wollen da nicht weglaufen, das ist nicht das Thema, aber wir wollen nicht mehr allein in der Verantwortung sein, vielen Zuschauern einen tollen Nachmittag zu gestalten, obwohl wir das eigentlich nicht als unsere ureigene Pflicht sehen. Sehen Sie, ich lebe in Hamburg und Herr von Schubert in Bielefeld und dadurch sind wir nicht prädestiniert, regional prädestiniert, dies zu erhalten. Aber wir wollen nicht im Wege stehen, wenn es neue Personen gibt und wir werden trotzdem aber auch nicht uns aus dem Staube machen, wir werden weiter unterstützen. Wenn es Personen gibt, die aus der Region sich begeistern, wenn es auch Pferdeverbände gibt, die sich begeistern, und auch die Politik, dann werden wir die Ersten sein, die mithelfen.

goodnews4: Wie weit sind Sie denn schon bei der Suche, mit den Gesprächen? Gibt es schon konkrete Personen?

Andreas Jacobs: Ich sagte eben es gab immer wieder Gespräche, seit vier Jahren hatten wir Einzelgespräche mit Einzelpersonen, wir hatten zum Glück auch die Unterstützung in einzelnen Projekten von der Gemeinde in Iffezheim, wir hatten von der Stadt Baden-Baden und der Oberbürgermeisterin immer Unterstützung. Die waren eigentlich immer im Boot, wenn es bei uns Sorgenfalten gab, aber diesmal ist es doch eine Nummer seriöser nach dieser Corona-Krise und deswegen, glaube ich, bedarf es nicht nur einer gelegentlichen Unterstützung, sondern eines echten Flaggehaltens und Flaggeaufziehens von den eben genannten Gruppierungen.

goodnews4: Wetten gehört zum Galoppsport, was ist Ihr Tipp für die Zukunft der wichtigsten Rennbahn Deutschlands?

Andreas Jacobs: Sie möchten eine Wette hören für die größte und auch schönste Rennbahn Deutschlands. Ich glaube persönlich, niemand ist so töricht, diese Rennbahn fallen zu lassen. Sie ist unglaublich systemrelevant für den Galopprennsport, sie ist ein Differenzierungskriterium für die Gemeinde Iffezheim, denn Iffezheim ohne Rennbahn ist wirklich auch nur halb so schön und halb so spannend und ähnliches gilt ja auch für Baden-Baden. Insofern bin ich sehr, sehr guten Mutes, dass man zusammenrückt und die Zahlen sind ja auch nicht so verheerend, dass man sagt, das ist nicht finanzierbar. Die Stadt Baden-Baden hat viele große Projekte – ich nenne das Festspielhaus – unterstützt und da ist eigentlich die Rennbahn vergleichsweise klein.

goodnews4: Ich bedanke mich für das Interview, Andreas Jacobs.

Andreas Jacobs: Danke, Frau Milke.

Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de.

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goodnews4-AUDIO-Interview von Nadja Milke mit Andreas Jacobs


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