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goodnews4-Sommergespräch

Baden-Badener Unternehmer Wolfgang Grenke zum globalen und lokalen Zustand – "Präsidenten in der Welt, die mit Lügen arbeiten" – "Es geht nicht darum, Interessenpolitik zu betreiben im Gemeinderat"

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goodnews4-Sommergespräch von Nadja Milke mit Wolfgang Grenke

Baden-Baden, 30.08.2019, 00:00 Uhr, Bericht: Christian Frietsch «Heimweh habe ich eigentlich nicht, aber ab und zu bringe ich die eine oder andere Idee ein», beschreibt Wolfgang Grenke seine neue Rolle in dem Unternehmen, das er zu einem Weltkonzern gemacht hat. Zuletzt konnte die Grenke AG einen dreistelligen Gewinn ausweisen und in den MDAX aufsteigen.

Im goodnews4-Sommergespräch gibt Wolfgang Grenke indirekt eine Erklärung für sein gesellschaftspolitisches Engagement und empfiehlt, dass sich die Menschen mehr um das Gemeinwohl kümmern sollten: «Unabhängig davon, welche Ziele man verfolgt, ich glaube etwas mehr Engagement würde uns allen gut tun. Insofern, die Bestandsaufnahme ist so, dass es sicher nicht zu viele sind, die aktiv sind. Es sind eher zu wenige und man sollte sich schon mehr darum kümmern. Gerade mit einem Blick auf Europa.»

Seine auf die erfolgreiche Unternehmensführung ausgerichteten Handlungsmethoden führen Wolfgang Grenke auch zu konkreten Beurteilungen der politischen und gesellschaftlichen Erfordernisse: «Dass unser Bildungssystem sich mehr an den Realitäten orientiert und weniger an den Wunschvorstellungen, dass wir dafür sorgen, dass die Grundwerte, die wir haben, die zum Beispiel in unserem Grundgesetz festgelegt sind, auch Beachtung finden, dass wir wahrhaftiger sind und dass wir vielleicht dann auch weniger Präsidenten in der Welt haben, die mit Lügen arbeiten und mit Provokation an Stelle von Wahrheiten und klarer Analyse.»

Beim Bogen vom globalen zum lokalen Geschehen schaut der Baden-Badener Wolfgang Grenke auch auf die Möglichkeiten und Aufgaben der Kommunalpolitik in Baden-Baden: «Wir müssen schon schauen, wo wir unser Geld in Zukunft verdienen wollen. Ob wir es nur dadurch verdienen, indem wir Eigentumswohnungen bauen und diese möglichst hoch verkaufen oder ob wir beispielsweise dafür sorgen, dass umweltfreundliche Betriebe Arbeitsplätze bereitstellen. Dass wir Arbeiten und Wohnen zusammenbringen und demzufolge auch den Verkehr reduzieren. Also es gibt einige Herausforderungen, die wir haben – natürlich auch die Verlagerung von Individualverkehr auf den öffentlichen Nahverkehr und da leistungsfähigere Angebote zu haben. Es gibt ja sogar noch die Idee, wird ja auch geprüft, ob es nicht vielleicht doch eine Stadtbahn bis ins Zentrum von Baden-Baden geben könnte.»

Und dem vom Volk gewählten neuen Baden-Badener Gemeinderat gibt der Unternehmer und IHK-Präsident auch eine Empfehlung mit auf den Weg für die nächsten fünf Jahre: «Auf jeden Fall sachlich miteinander umgehen. Das ist mal der erste Punkt. Natürlich den Bürger auch nicht aus den Augen verlieren. Also es geht nicht darum, Interessenpolitik zu betreiben im Gemeinderat. Es geht darum, die gesamte Bürgerschaft zu vertreten. So wie wir in der Kammerorganisation uns nicht um die Einzelinteressen der Unternehmen kümmern sollen, sondern um das Gesamtinteresse der Unternehmen, die wir zu vertreten haben. Also genau das gleiche gilt meines Erachtens eben auch für die Gemeinderäte.»


Abschrift des goodnews4-Sommergesprächs von Nadja Milke mit Wolfgang Grenke, Gründer Grenke AG und Präsident der IHK Karlsruhe und des baden-württembergischen Industrie und Handelskammertags:

goodnews4: Wolfgang Grenke, vor einem Jahr haben Sie Ihren Vorstandsvorsitz aufgegeben bei der Grenke AG und sind in den Aufsichtsrat gewechselt. Wie oft haben Sie denn Heimweh nach Ihrem alten Büro, in dem wir gerade sind, hier am Neuen Markt im Grenke Headquarter? Oder sehen Sie es doch noch täglich?

Wolfgang Grenke: Nein, täglich natürlich nicht und Heimweh habe ich eigentlich auch nicht, aber ab und zu bringe ich die eine oder andere Idee ein und habe natürlich einen regelmäßigen Gedankenaustausch mit dem Vorstand. Das gehört aber auch zur Aufgabe eines Aufsichtsrats dazu.

goodnews4: Im goodnews4-Sommergespräch versuchen wir immer ein wenig über den Tag hinauszuschauen und uns nicht mit den tagesaktuellen Themen so sehr zu befassen, sondern vielleicht auch ein bisschen einen philosophischen Blick auf die Fragen unserer Tage zu werfen. So wollen wir es diesmal auch wieder machen. Vom Großen und Ganzen zum Speziellen kommend, vom Globalen zum Lokalen. An Donald Trump, an den Brexit haben wir uns gewöhnt. Auch an unseren Wohlstand haben wir uns gewöhnt und zwar so sehr, dass die meisten deutschen Männer – wir haben schon im letzten Jahr bei unserem goodnews4-Sommergespräch gemahnt, vielleicht erinnern Sie sich daran, es hat nur nichts geholfen, denn es ist noch schlimmer geworden – inzwischen sind 67 Prozent der deutschen Männer teilweise immens übergewichtig. Fressen wir uns zu Tode und retten so das Klima? Ist das zusammengefasst die Devise unserer Tage?

Wolfgang Grenke: Naja, also das Übergewicht ist selbstverständlich ein Problem. Das hängt natürlich mit vielen Fragen zusammen. Es gibt mittlerweile mehr Übergewichtige auf der Welt als Hungernde. Das kann man durchaus auch als Erfolg sehen, dass es nicht ganz so viele Hungernde mehr gibt, in einigen Ländern sind ja wirklich große Fortschritte erzielt worden. Aber das Übergewicht ist natürlich ein richtiges Problem und deswegen kann man da nur empfehlen, das Thema ganz ernst anzugehen.

goodnews4: Wie ernähren Sie sich denn zum Beispiel?

Wolfgang Grenke: Also wenn ich hier in der Firma bin, nehme ich immer einen reinen Salatteller mittags, morgens meistens Joghurt mit Früchten, am Abend esse ich dann normal. Insofern glaube ich, bin ich ganz zufrieden, dass ich auch noch zwei bis drei Kilo abgenommen habe.

goodnews4: Werden wir ein bisschen philosophisch, Wolfgang Grenke, wenn Sie einverstanden sind, um das Nachdenken vielleicht ein bisschen aus alten Mustern zu befreien bei all den Herausforderungen, die wir Menschen zu lösen haben. Eine Vorlage liefert Immanuel Kant und zwar lautet das Zitat: «Es ist so bequem unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt.» Ist es bequem unmündig zu sein?

Wolfgang Grenke: Sie könnten jetzt natürlich noch anfügen: Und man hat Facebook, bei dem die Freunde und Follower auch noch eine ganz bestimmte Meinung haben und man sich dem auch einfach nur anschließen muss. Das ist schon eine Herausforderung. Wie man ja sieht, ist es keine neue Herausforderung. Vielleicht nur mit anderen Methoden und mit anderen Mitteln und dass mehr Menschen betroffen sind.

goodnews4: Da gibt es ja die Bewegung Fridays for Future, wo junge Leute ganz unbequem werden. Ist das ein Zeichen unserer Zeit, dann doch lieber bequem zu sein und unmündig zu sein und die Initiativen wie Fridays for Future sind vielleicht doch eine kleine Ausnahme?

Wolfgang Grenke: Es ist natürlich ein Mengenproblem. Wie viele nehmen daran Teil und wie viele lehnen sich zuhause im Stuhl zurück? Unabhängig davon, welche Ziele man verfolgt, ich glaube etwas mehr Engagement würde uns allen gut tun. Insofern, die Bestandsaufnahme ist so, dass es sicher nicht zu viele sind, die aktiv sind. Es sind eher zu wenige und man sollte sich schon mehr darum kümmern. Gerade mit einem Blick auf Europa.

goodnews4: Wir sind in unserem Umgang zum Glück zivilisiert geworden, sind vorsichtig geworden mit dem Einsatz von deutlichen Worten und überlassen das doch eher den Radikalen. Aber muss die vornehme Mitte der Gesellschaft nicht doch wieder deutlicher werden? Faulheit und Feigheit sind die Feinde der Freiheit, auch das sagte Immanuel Kant. Ist das so?

Wolfgang Grenke: Natürlich müssen wir aktiver werden, denn die Herausforderungen sind auch gewachsen. Die Frage der Umweltbelastung ist natürlich eine ganz existenzielle Frage. Aber gerade in letzter Zeit, in den letzten Tagen, auch die Fragen, die sich rund um die Wirtschaft hangeln und ich denke schon, dass sich da noch eine ganze Menge Dinge ändern müssen, damit wir eine bessere Zukunft haben.

goodnews4: Was müsste sich denn zum Beispiel ändern?

Wolfgang Grenke: Beispielsweise, dass wir etwas mehr Verständnis für die Dinge haben, die da sind. Dass unser Bildungssystem sich mehr an den Realitäten orientiert und weniger an den Wunschvorstellungen, dass wir dafür sorgen, dass die Grundwerte, die wir haben, die zum Beispiel in unserem Grundgesetz festgelegt sind, auch Beachtung finden, dass wir wahrhaftiger sind und dass wir vielleicht dann auch weniger Präsidenten in der Welt haben, die mit Lügen arbeiten und mit Provokation anstelle von Wahrheiten und klarer Analyse.

goodnews4: Dazu passt auch das nächste Zitat. Diesmal von einem Chinesen, der 500 Jahre vor Christus sagte: «Der Edle stellt Anforderungen an sich selbst, der Gemeine stellt Anforderungen an die anderen Menschen.» Sollten wir mehr über Konfuzius nachdenken?

Wolfgang Grenke: Also ich habe nicht das Gefühl, dass diese hierarchische Einteilung bei uns genau diese Folgerungen hat. Ich sehe auch bei denen, denen es sehr geht und die durchaus auch eine gute Ausbildung haben, dass die Überlegung an wen man zuerst denkt, doch eher bei sich selbst anfängt und das nicht immer der richtige Weg ist. Es gibt hilfsbereite Menschen. Bei armen Menschen vielleicht genauso – vielleicht hin und wieder mehr, als bei denen, bei denen man mehr erwarten müsste.

goodnews4: Fast jeder kennt den Euphemismus von Heinrich Heine aus Düsseldorf: «Denk ich an Deutschland bei Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht.» Auf was müssen wir Deutschen, wir Europäer uns konzentrieren, außer auf die zu Beginn genannten üppigen Mahlzeiten?

Wolfgang Grenke: Wir brauchen natürlich ein Zukunftsbild und wir müssen schauen, dass diese Grundwerte, die wir haben – das sind nicht religiöse Grundwerte, das sind gesellschaftliche Grundwerte – dass wir diese auch respektieren und nach Möglichkeit auch erfüllen. Ich denke da vor allem an die Gewaltenteilung, die nicht überall in Europa im Moment wirklich gut funktioniert, an das Zurückschlagen des Pendels sozusagen in Zeiten, in denen durch Feudalherrschaft man überhaupt nicht an Gewaltenteilung denken konnte und wir diese Errungenschaft im Moment vielleicht doch etwas missachten, indem man Gerichtsurteile beispielsweise so qualifiziert, als wäre das die Umsetzung von persönlichen Interessen, indem man also Gesetzgebungsverfahren dem Gesetzgebenden nicht unterstellt, dass sie sich durchaus die Mühe machen, bis ins Detail diese Gesetze auszuformulieren. Man kann natürlich manchmal darüber schimpfen, dass die Beamten einen sehr bürokratischen Weg gehen. Dass aber dahinter auch ein Kern von Herausforderung steht, um einen rechten Ausgleich zwischen den Menschen zu haben in unserem System. Insofern, etwas Gelassenheit tut da ganz gut, aber natürlich auch deutlich zu sagen, wenn es einen stört, dass andere vielleicht doch zu sehr an sich selbst denken.

goodnews4: Zuletzt, wie schon zur Tradition geworden, noch ein Blick nach Baden-Baden. Die Gewichte in der Kommunalpolitik haben sich nach 70 Jahren erstmals grundsätzlich verschoben. Was empfehlen Sie den Baden-Badener Kommunalpolitikern, den neuen und den gebliebenen für die nächsten fünf Jahre?

Wolfgang Grenke: Also ich kann es mit dem Verschieben der Kommunalpolitiker nicht so ganz sehen. Wir werden es aber in den nächsten Wochen ja genauer erleben. Es sind natürlich einige Änderungen da, aber beispielsweise die Gruppe, die letztes Mal sehr stark gewonnen hatte, hat jetzt gerade mal einen Sitz dazubekommen. Insofern, große Verschiebungen sind da nicht zu sehen. Selbstverständlich gibt es ein paar Themen, die in der allgemeinpolitischen Diskussion so gegenwertig diskutiert werden, dass beispielsweise die Grünen davon Vorteile haben bei den Wahlergebnissen. Andere Themen werden in der Zukunft wieder in die andere Richtung zeigen. Das ist in der Geschichte immer so gewesen. Deswegen glaube ich eigentlich nicht, dass da sehr große Veränderungen anstehen. Aber es gibt natürlich ein paar Herausforderungen, die Baden-Baden hat. Beispielsweise müssen wir schon schauen, wo wir unser Geld in Zukunft verdienen wollen. Ob wir es nur dadurch verdienen, indem wir Eigentumswohnung bauen und diese möglichst hoch verkaufen oder ob wir beispielsweise dafür sorgen, dass umweltfreundliche Betriebe Arbeitsplätze bereitstellen. Dass wir Arbeiten und Wohnen zusammenbringen und demzufolge auch den Verkehr zu reduzieren. Also es gibt einige Herausforderungen, die wir haben. Natürlich auch die Verlagerung von Individualverkehr auf den öffentlichen Nahverkehr und da leistungsfähigere Angebote zu haben. Es gibt ja sogar noch die Idee, wird ja auch geprüft, ob es nicht vielleicht doch eine Stadtbahn bis ins Zentrum von Baden-Baden geben könnte.

goodnews4: Haben Sie einen Rat für die Baden-Badener Gemeinderäte, für die neuen Gemeinderäte für die nächsten fünf Jahre? Vielleicht eine Devise? Viele beklagen sich über einen Ton, der sich verschärft hätte. Viele haben Angst, weil die AfD jetzt auch im Baden-Badener Gemeinderat ist. Haben Sie einen Ratschlag?

Wolfgang Grenke: Auf jeden Fall mal sachlich miteinander umgehen. Das ist mal der erste Punkt. Natürlich den Bürger auch nicht aus den Augen verlieren. Also es geht nicht darum, Interessenpolitik zu betreiben im Gemeinderat. Es geht darum, die gesamte Bürgerschaft zu vertreten. So wie wir in der Kammerorganisation uns nicht um die Einzelinteressen der Unternehmen kümmern sollen, sondern um das gesamt Interesse der Unternehmen, die wir zu vertreten haben. Also genau das gleiche gilt meines Erachtens eben auch für die Gemeinderäte.

goodnews4: Das war das goodnews4-Sommergespräch mit Wolfgang Grenke. Vielen Dank.

Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de.

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