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Wege aus der Krise

BBI-Sprecher Vickermann zum Modell Tübingen – "Hervorragend, wenn Baden-Baden so etwas hinbekommen würde, wäre das die erste Sache, die ich begrüßen würde"

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goodnews4-AUDIO-Interview von Nadja Milke mit Matthias Vickermann

Bild Christian Frietsch Bericht von Christian Frietsch
18.03.2021, 00:00 Uhr



Baden-Baden Mutig und mit Bedacht geht Oberbürgermeister Boris Palmer in Tübingen innovative Wege, um die soziale und wirtschaftliche Situation in seiner Stadt zu verbessern. Gestern startete ein Modell mit einem «Schnelltestversuch». Jeder, der getestet ist, erhält ein Tagesticket und kann dann in Tübingen bei den Einzelhändlern einkaufen und die Gastronomie im Außenbereich nutzen.

Das Modellprojekt trägt das Motto «Öffnen mit Sicherheit». Der Test läuft bis 4. April. Die Landesregierung erteilte am Montag die Genehmigung für das Projekt, das in Tübingen viel Hoffnung und Engagement auslöste. Das Modellprojekt soll Erfahrungen für das ganze Land Baden-Württemberg sammeln, blickt auch die Landesregierung nach Tübingen. Der Einsatz von Schnelltests soll auch Öffnungsschritte für Gastronomie und Kulturbetriebe möglich machen. goodnews4.de berichtete. Die nächsten 14 Tage werden zeigen, ob ein negativer Effekt auf das Infektionsgeschehen durch die Schnelltest verhindert werden können. Am liebsten sofort würde sich Matthias Vickermann, Vorsitzender des Vereins Baden-Baden Innenstadt, der Initiative anschließen.

Neben der württembergischen Stadt könnte ja auch eine badische Stadt für eine größere Ergebnissicherheit sorgen. Baden-Baden wäre von seiner ähnlichen Größenordnung wie Tübingen ideal geeignet. Matthias Vickermann wäre dabei: «Hervorragend. Wenn wir so etwas in Baden-Baden hinbekommen würden, das wäre die erste Sache, die ich begrüßen würde.» Und Matthias Vickermann bestärkt im goodnews4-AUDIO-Interview die verantwortlichen Baden-Badener Politiker: «Wir müssen alle Möglichkeiten ausschöpfen, beziehungsweise die Stadt, dass wir den Handel wieder zulassen.»

Auch wenn die Inzidenz-Werte derzeit zwar nicht gerade günstig sind, sollte die Stadt Baden-Baden mehr tun und sollte auch mutig sein und Kontakt zur Landesregierung suchen, das würde auch Matthias Vickermann anraten: «Ja. Es geht ja auch um die Bürger, es geht nicht nur um die Händler, es geht um die gesamte Stadt.» Die Intension der Landesregierung begrüßt der Vorsitzende des Baden-Baden Innenstadt e. V.: «Ich finde es ist viel wichtiger, dass man sagt man schaut sich solche Projekte an wie in Tübingen und wenn das Projekt gut ist, darf man es ja auch gerne kopieren.»

Im weiteren Verlauf des goodnews4-AUDIO-Interviews geht Matthias Vickermann auf die Lage der Einzelhändler und aller anderen Betroffenen ein: «Und ich glaube, es müssen noch viel mehr Gedanken darüber gemacht werden und nicht nur zu überlegen, wie bekomme ich Corona in den Griff, sondern auch nach links und rechts zu schauen. Und da, finde ich, fehlt es im Endeffekt ganz bewusst auch an der Kommunikation.»


Abschrift des goodnews4-AUDIO-Interviews mit Matthias Vickermann, Vorsitzender Baden-Baden Innenstadt e.V.:

goodnews4: Herr Vickermann, in Tübingen läuft seit gestern ein Modell mit einem «Schnelltestversuch». Jeder, der getestet ist, erhält ein Tagesticket und kann dann in Tübingen einkaufen bei allen Einzelhändlern. Was halten Sie denn von diesem Projekt?

Matthias Vickermann: Hervorragend. Wenn wir so etwas in Baden-Baden hinbekommen würden, das wäre die erste Sache, die ich begrüßen würde. Wir müssen alle Möglichkeiten ausschöpfen, beziehungsweise die Stadt, dass wir dem Handel auch den Handel wieder zulassen.

goodnews4: Auch wenn die Inzidenz-Werte derzeit zwar nicht gerade günstig sind, finden Sie, die Stadt Baden-Baden sollte auch mutig sein und den Kontakt zur Landesregierung suchen und sich um einen solchen Modellversuch kümmern?

Matthias Vickermann: Ja. Es geht ja auch um die Bürger, es geht nicht nur um die Händler, es geht um die gesamte Stadt. Und wenn man dann überlegt, was das für Auswirkungen hat, jede Woche, die wir länger geschlossen haben mit diesen Zuständen, wenn wir später eine Innenstadt vorfinden, wo alle Geschäfte geschlossen sind oder ein Großteil und wir noch mehr Insolvenzen haben, nicht nur im Handel, das ist ja auch in der Gastronomie der Fall, dass man sagt, man probiert jetzt mal alles, was man überhaupt machen kann, dass man diese Stadt rettet. Und das ist nicht nur für Baden-Baden gemünzt, das müsste man ja auf alle anderen Städte genauso übertragen.

goodnews4: Der Tübinger Oberbürgermeister geht schon seit Beginn der Pandemie eigene Wege, gestern wurde dieser Modellversuch gestartet, ergeben wir uns denn vielleicht zu initiativlos unserem Schicksal?

Matthias Vickermann: Ja gut, die Frage ist natürlich: Was kann man machen? Dass man demonstriert, das machen ja auch schon viele Städte, würde ich genauso beherzigen, wenn jetzt Leute sagen würden: «Das lass uns machen und wir gehen demonstrieren!» Nur was passiert dann? Es würde eine Demonstration stattfinden, man steht mit Plakaten irgendwo auf dem Platz, wie am Leopoldsplatz, es wird in der Presse vielleicht ein bisschen kundgetan, nur es ändert ja nichts an der Situation. Leider nicht. Also die Schritte müssten stärker sein, die Schritte müssten vielmehr von der Politik, und sei es von der Stadtpolitik oder auch Landesebene, da müsste es herkommen, dass der Druck aufgebaut wird. Mittlerweile ist glaube ich der Bogen mehr als überspannt.

goodnews4: Ist das Ihr Wunsch an die Baden-Badener Kommunalpolitik, also an die Rathausspitze und auch an den Gemeinderat, mehr Druck auszuüben auf die Landesregierung, mehr Initiative zu ergreifen und nicht nur abzuwarten?

Matthias Vickermann: Die Stadt macht ja auch schon etwas, so ist es ja nicht. Aber ich finde es ist viel wichtiger, dass man sagt man schaut sich solche Projekte an wie in Tübingen und wenn das Projekt gut ist, darf man es ja auch gerne kopieren. Also es ist ja nicht so, dass jeder etwas Neues erfinden muss. Ich glaube, man muss jeden Punkt überlegen, wie kriegt man das in den Griff, dass die Zahlen sinken, Punkt eins, und damit einhergehend, dass wir auch einfach ein normales Leben wieder hinbekommen. Wir haben das ganze Thema jetzt ein Jahr und welches Geschäftsmodell hält das ein Jahr lang aus? Und da sehe ich es mehr als erforderlich, dass jede Institution, erstrecht auch eine Stadt, auch sagt: «Ok, wir denken jetzt auch mal über den Schritt und machen das mit diesen Tests.» Irgendetwas muss man ja machen, wenn die ganze Impfung schon nicht hinhaut und es ist ja fast blamabel für die deutsche Bevölkerung, dass wir das nicht auf die Reihe bekommen als Organisationstalente als die wir oft verschroben werden, dass man nicht jetzt den Schritt geht und sagt: «Ok, dann probieren wir es zumindest im Kleinen und machen einfach viel mehr Tests, damit wir fas in den Griff bekommen.»

goodnews4: Wie fällt die Bilanz jetzt nach einem Jahr Corona aus in Baden-Baden? Welche Rückmeldungen haben Sie von Ihren Einzelhandelskollegen? Wie viele halten noch durch und wie viele mussten schon aufgeben?

Matthias Vickermann: Also ein paar mussten schon aufgeben, es gab ja schon Schließungen und das sind nicht nur BBI-Mitglieder, sondern generell Einzelhändler, von denen ich das mitbekommen habe.

goodnews4: Haben Sie da konkrete Zahlen vorliegen?

Matthias Vickermann: Ja, es geht ja mehr so um die Geschäftsschließungen. Es waren ja kurz vor der Pandemie ungefähr 25 Leerstände, jetzt aktuell sprechen wir von knapp 40 Leerständen. Die Baden-Badener Innenstadt ist ja nicht groß, man muss es ja prozentual sehen und das ist schon viel und das Schlimme wird ja jetzt kommen, wenn die großen Ketten zumachen. Da habe ich schon so ein paar, da werde ich jetzt auch keine Namen nennen, die demnächst zumachen werden, die jetzt schon Abverkäufe machen, was man auch in der Innenstadt sieht, die sind der BBI nicht angeschlossen. Aber wenn die Zahle nicht stimmen, schließen die ihre Filialen und das ist gerade in der Sophienstraße auch der Fall und das schmerzt schon, weil das sind ja auch große Flächen, die werden nicht so schnell wieder von jemand externen wieder neu besetzt.

goodnews4: Haben Sie einen Aufruf, einen Wunsch an die Entscheider, an die Politik in Baden-Baden?

Matthias Vickermann: Nicht nur in Baden-Baden, sondern generell an die Politik, auch Landespolitik, dass man sich doch auch bitte mal hinsetzt und sieht, was passiert auf der einen Seite, man muss ja auch immer alles in die Waagschale werfen, und zu überlegen, ok, auf der einen Seite probiere ich, das medizinisch in den Griff zu bekommen. Aber was ist der andere Preis dafür? Wenn ich nur die Zahlen mal lese, was in Deutschland passiert, auch Menschen, die wirklich danach vor dem Aus stehen, also auch das Thema Suizid, dann das Thema häusliche Gewalt, also das, was man nicht im ersten Moment erkennt, ist trotzdem ein sehr, sehr hoher Preis, den auch viele anderen in dieser Gesellschaft dafür zahlen. Und da muss man abwägen: Was ist der richtige Weg? Und ich glaube, es müssen noch viel mehr Gedanken darüber gemacht werden und nicht nur zu überlegen, wie bekomme ich Corona in den Griff, sondern auch nach links und rechts zu schauen. Und da, finde ich, fehlt es im Endeffekt auch ganz bewusst auch an der Kommunikation.

goodnews4: Ich bedanke mich für das Interview, Matthias Vickermann.

Matthias Vickermann: Sehr gerne, vielen Dank.


Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de.

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goodnews4-AUDIO-Interview von Nadja Milke mit Matthias Vickermann


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