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goodnews4-Sommergespräch

Wolfgang Grenke nimmt kein Blatt vor den Mund - Im goodnews4-Interview über Donald Trump und Wladimir Putin - Und zur Kritik an Baden-Badener Baupolitik*: "Interessengetrieben von der Immobilienwirtschaft"

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goodnews4-Sommergespräch von Nadja Milke mit Wolfgang Grenke

Baden-Baden, 04.08.2018, 00:00 Uhr, Bericht: Christian Frietsch Der in den letzten Jahrzehnten wohl erfolgreichste Baden-Badener Unternehmer hat sich nach dem Aufbau der Grenke AG zunehmend öffentlichen Aufgaben zugewandt. Seit letztem Jahr vertritt Wolfgang Grenke die Wirtschaft als Präsident der BWIHK und als Vizepräsident der Eurochambre auf europäischer Ebene. Im goodnews4-Sommer-VIDEO-Interview zeigt Wolfgang Grenke, dass er die klare Sprache aber durch seine Arbeit in Stuttgart und Brüssel nicht verloren hat.

Donald Trump bezeichnet er als «Unbeherrscht, selbstgefällig und gefährlich für die Welt». Und was vor einigen Jahren noch undenkbar schien, dass der russische Präsident Wladimir Putin bei großen Teilen der Bevölkerung besser abschneidet als der US-Präsident, fasst Wolfgang Grenke in seine Worte: «Kalkulierend, auch nicht ungefährlich, aber besser ausrechenbar.»

* Headline zum richtigen Verständnis des Zitats von Wolfgang Grenke ergänzt, Sonntag. 5. August 2018.

Seine Beurteilung zu Angela Merkel ist eher moderat: «Solide, manchmal vielleicht etwas zu euphorisch in ihrer Handlung, nicht in der Ausdrucksweise, aber verlässlich.» Die beste Wertung von Wolfgang Grenke bekommt der noch nicht von der Macht zerschlissene Emanuel Macron: «Dynamisch, zukunftsorientiert, sozialliberal.» Bei seinem Blick auf Europa sieht Wolfgang Grenke Fortschritte bei der Sondierung gemeinsamer Interessen, aber auch systembedingte Hindernisse für eine starke EU: «Auf der anderen Seite hat zum Beispiel die Situation mit dem Brexit gezeigt, dass die restlichen 27 Staaten durchaus mit einer Stimme sprechen können. Solange die Regierungen aber national gewählt werden, werden sie natürlich auch schauen, was die Interessen ihrer nationalen Wähler sind. Insofern ist da ein Spannungsverhältnis da und die Lösung kann eigentlich nur darin liegen, europäische Institutionen aufzubauen.» Und er zieht einen historischen Vergleich zum Weg des damaligen deutschen Nationalstaates: «So wie es in Deutschland im 19. Jahrhundert der Fall war, als wir die Kleinstaaterei überwunden haben.»

Im weitern Verlauf des goodnews4-VIDEO-Interviews nimmt Wolfgang Grenke Stellung zu der Situation der Flüchtlinge, die noch nicht abgeschlossenen Brexit-Verhandlungen, aber auch zur Baupolitik und dem Thema Welterbe in Baden-Baden. Schließlich formuliert er auch seine Erwartungen an die kommenden 12 Monate bis zum mutmaßlich nächsten goodnews4-Sommergespräch 2019.


Abschrift des goodnews4-Sommergesprächs mit Wolfgang Grenke :

goodnews4: Wolfgang Grenke, so schnell vergeht ein Jahr. Beginnen wir unser nun schon traditionelles goodnews4-Sommergespräch zumindest zum Einstieg mal mit einem neuen Format. Ich nenne Ihnen beim Blick in die Welt hinaus einen Namen und Sie sagen mir ganz einfach, was Ihnen bei diesem Namen zuerst in den Sinn kommt. Fangen wir an mit, wie sollte es anders sein, Donald Trump.

Wolfgang Grenke: Unbeherrscht, selbstgefällig, gefährlich für die Welt.

goodnews4: Wladimir Putin.

Wolfgang Grenke: Kalkulierend, auch nicht ungefährlich, aber besser ausrechenbar.

goodnews4: Angela Merkel.

Wolfgang Grenke: Solide, manchmal vielleicht etwas zu euphorisch in ihrer Handlung, nicht in der Ausdrucksweise, aber verlässlich.

goodnews4: Emmanuel Macron.

Wolfgang Grenke: Dynamisch, zukunftsorientiert, sozialliberal.

goodnews4: Im Sommer 2018 darf natürlich auch der Name Jogi Löw nicht fehlen.

Wolfgang Grenke: Etwas schwierig. Natürlich erfolgsverwöhnt und er muss zeigen, wo er hin will.

goodnews4: Wolfgang Grenke, es vergeht kein Tag ohne Sorgen über das Verhältnis zwischen den USA und dem Rest der Welt. Ihre Einschätzung zu Donald Trump haben Sie gerade schon ganz kurz zusammengefasst. Verträge werden nicht mehr eingehalten. Ein sogenannter Handelskrieg schwelt. Müssen wir uns um unseren Wohlstand Sorgen machen?

Wolfgang Grenke: Das ist sicher übertrieben, aber natürlich müssen wir uns Sorgen machen, dass die Dynamik, die wir in den letzten Jahren hatten und die insbesondere auch ganz verschiedenen Bevölkerungsgruppen zugutekommen ist, auf der Welt, wohlgemerkt, dass also die Quote der hungernden Menschen zurückgegangen ist, dass das in der Zukunft schwieriger wird, weil die Parteikämpfe wahrscheinlich größer werden.

goodnews4: Bei Ihrer Aufgabe als Präsident der BWIHK, als Präsident der IHK Karlsruhe und als Vizepräsident der europäischen Kammern, vertreten Sie die Interessen der Wirtschaft und der bei den Kammer-Organisationen vertretenen Unternehmen. Ist es denn das kuriose Manko der europäischen Unternehmer, dass sie zu stark sind für den amerikanischen Markt?

Wolfgang Grenke: Natürlich ist jede Leistung die man hat, bei der man im Vordergrund steht, wo man in der Welt anerkannt wird, auch immer ein Anlasspunkt für andere Kritik zu üben, im besten Falle zu versuchen einen zu überholen. Ich glaube, das ist Bestandteil der Wirtschaft. Insofern ist es ganz natürlich wenn wir erfolgreich sind, dass diese Position auch angegriffen wird.

goodnews4: Als Donald Trump gewählt wurde, sah man eine Hoffnung darin, dass die EU nun vielleicht sich besinnt auf ihre Gemeinsamkeiten, stärker zusammenrückt, sich neu aufstellt. Wie lange hat die EU denn noch Zeit, sich neu und verbessert aufzustellen? Müssen wir Deutschen unseren Reichtum in Europa vielleicht umverteilen?

Wolfgang Grenke: Also wir haben auf jeden Fall die Situation, dass wir in der Frage der Flüchtlinge unterschiedliche Ansätze in Europa haben. Das steht in den Medien durchaus auch im Vordergrund, im Blickpunkt. Auf der anderen Seite hat zum Beispiel die Situation mit dem Brexit gezeigt, dass die restlichen 27 Staaten durchaus mit einer Stimme sprechen können. Es kommt, glaube ich, auf das Feld an und man muss natürlich sehen, dass immer eine Bedrohung da ist, dass die nationalen Vorteile über die Interessen der gesamten Gemeinschaft gestellt werden, dass das immer ein Risiko darstellt. Solange die Regierungen national gewählt werden, werden sie natürlich auch schauen, was die Interessen ihrer nationalen Wähler sind. Insofern ist da ein Spannungsverhältnis da und die Lösung kann eigentlich nur darin liegen, europäische Institutionen aufzubauen. So wie es in Deutschland im 19. Jahrhundert der Fall war, als wir die Kleinstaaterei überwunden haben.

goodnews4: Blicken wir einmal nach Berlin und München. Haben Sie Sorge, dass auch in Deutschland die Parteienlandschaft an Respekt verliert nach dem Merkel-Seehofer-Debakel?

Wolfgang Grenke: Nun gut, das ist ein Problem von CDU und CSU, ob die eine gemeinsame Meinung haben, weil sie eine gemeinsame Fraktion im Bundestag haben, oder nicht, das müssen die schon für sich ausfechten. Ich sehe natürlich, dass das ein schwieriges Problem ist, weil ja relativ wenige neue Flüchtlinge zu uns kommen, aber die tragen ja kein Schild bei sich herum, dass sie schon in einem anderen Land registriert worden sind. Insofern weiß ich nicht ganz genau, wie die Vorschläge, die im Vorfeld des Wahlkampfes in Bayern gemacht werden, mit der Realität übereinstimmen sollen und wie man die in der Realität verwenden kann, um das Problem, was wir haben, zu lösen. Wir wollen natürlich Menschen aufnehmen in unser Land, aber nur die, die wirklich unter den Asylschutz fallen und wir wollen natürlich auch als Wirtschaft ein Einwanderungsgesetz, das uns hilft, auch den Fachkräftemangel abzubauen. Aber dazu brauchen wir qualifizierte Mitarbeiter und dazu brauchen wir Verfahren, mit denen wir schon in den Ländern, aus denen die Menschen kommen, ansetzen.

goodnews4: Blicken wir mal auf Baden-Baden. Immer mehr schält sich die Baupolitik zum Teil als Fehlentwicklung heraus. Bezahlbarer Wohnraum, auch für gut verdienende Menschen, ist in der Innenstadt kaum mehr zu finden und zu bezahlen. Das Stadtbild sehen manche als gefährdet an. Wird das Weltkulturerbe unser Bewusstsein ändern? Ist das die große Chance für Baden-Baden?

Wolfgang Grenke: Zunächst einmal zum Wohnraum in der Baden-Badener Innenstadt: Die ist ja nicht beliebig vermehrbar. Von daher ist die Frage, wenn die Nachfrage größer wird, wie sich dann der Preis entwickelt. Der geht im Zweifelsfall nach oben und je attraktiver Baden-Baden insgesamt wird, desto höher werden die Mieten in der Innenstadt sein. Das ist im übrigen auch nichts Neues. Das ist in allen großen Städten, nicht nur in Europa, sondern weltweit so. Dort, wo natürlich die Nachfrage am größten ist, steigen auch die Preise. Aber das heißt nicht, dass man auf den Wohnungsbau für den Normalverdiener verzichten darf oder kann. Aber ich glaube, Baden-Baden ist da auf dem richtigen Weg. Ich halte also relativ wenig von dieser pauschalen Kritik, die ich da ab und zu höre, die manchmal wohl auch eher interessengetrieben ist von Menschen, die in der Immobilienwirtschaft tätig sind.

goodnews4: Und sehen Sie das Weltkulturerbe als Chance?

Wolfgang Grenke: Ja, aber auch da gehört natürlich dazu, dass es nicht nur Vorteile bringt, sondern auch Nachteile. In dieser relativ kleinen Stadt mit ihren 55.000 Einwohnern ist natürlich alles, was von außen dazukommt, auf der einen Seite ein Vorteil für unsere Wirtschaft, für unsere Menschen, die hier leben, die hier gute Arbeit finden, gut bezahlte Arbeit. Auf der anderen Seite wird es enger und deswegen glaube ich auch, dass wir aufpassen müssen, dass wir beispielsweise eine weitere Zersiedelung der Randlagen der Innenstadt verhindern, denn das würde meines Erachtens auch die Frage, ob das noch Weltkulturerbe ist, durchaus tangieren.

goodnews4: Baden-Baden hat sich sehr entwickelt in den vergangenen Jahren. Nun haben die offiziellen Vertreter der für den Tourismus und das Bild nach außen verantwortlichen Mitarbeiter der Stadt und der stadteigenen Unternehmen sich eine Imagekorrektur für Baden-Baden ausgedacht, ein neues, etwas umstrittenes Motto: «good-good Life». Waren Sie beim Brainstorming mit dabei?

Wolfgang Grenke: Also bei diesem Begriff nicht. Ich möchte mich dazu auch nicht groß äußern. Das ist wie immer in der Werbung und im Bereich des Marketings, es gibt unterschiedliche Meinungen. Man muss einfach mal abwarten, wie lange sich so etwas hält oder ob es sich durchsetzt. Aber das ist ein relativ kleiner Aspekt, meines Erachtens, des Angebots, das Baden-Baden an Menschen von außerhalb macht. Ich glaube, dass Baden-Baden sich in letzter Zeit sehr stark positiv entwickelt hat, selbst die finanziellen Auswirkungen des Rückgangs der Besucher aus Russland gut verkraftet hat und ich denke, die Qualität von Baden-Baden liegt weniger in den Parolen, sondern mehr im Nutzen, den wir den Menschen bieten, die zu uns kommen.

goodnews4: Schauen wir auf die Grenke AG, den Konzern, den Sie gegründet, den Sie aufgebaut haben. Ihre Aufgabe als Vorstandsvorsitzender haben Sie abgegeben. Was hat sich denn geändert in Ihrem Leben − klingelt der Wecker statt um 7 Uhr nun erst um 10 Uhr?

Wolfgang Grenke: Eher im Gegenteil. Das hängt aber weniger mit der Aufgabe bei der Grenke AG zusammen, sondern mit meinen ehrenamtlichen Aufgaben im Kammerbereich. Ich will mal so sagen: Der Tag ist genauso lang, die Arbeitszeiten sind genauso lang und ich hatte mir auch vorgestellt, dass etwas mehr Freizeit dabei übrig bleibt, aber das ist nun mal nicht der Fall. Ich muss das neu organisieren Ich lerne ja auch jeden Tag dazu. Es ist natürlich eine etwas neuere Situation. Das hatten wir natürlich in der Vergangenheit auch, dass irgendetwas Neues auf einen zukam, aber jetzt kam es dann doch etwas intensiver. Gerade auch die Aufgabe in Brüssel, ich bin gerade gestern aus Brüssel zurückgekommen, ist natürlich etwas, was zusätzlich zeitraubend ist. Aber ich habe mir das ausgewählt und ich mache das auch ganz gerne.

goodnews4: Da sind wir schon bei der letzten Frage unseres goodnews4-Sommergesprächs: Was wünschen Sie sich bis zum Sommer 2019?

Wolfgang Grenke: Auf jeden Fall, dass wir eine vernünftige Lösung beim Brexit haben, dass der Handelskrieg, der sich zwischen China und USA anbahnt, irgendwann dazu führt, dass die Spieler Vernunft annehmen und die Schraube nicht weiter drehen, dass wir dort, wo wir selber betroffen sind, diese auch gegenhalten können, immer mit dem Blick darauf, dass man anschließend auch wieder den Weg in die andere Richtung gehen muss, dass man in dieser Welt einfach immer stärker zusammenwächst. Ich wünsche mir natürlich vor allem Frieden auf der Welt. Das ist nicht ganz so selbstverständlich, wenn man die Verteilungskämpfe sich anschaut, vor allem in Afrika. Aber trotz allem: Die Welt ist friedlicher geworden im Vergleich zu früheren Zeiten. Auch wenn natürlich durch die heutigen Möglichkeiten der medialen Berichterstattung das vielen Menschen nicht so erscheint. Aber die Zahlen sprechen eindeutig dafür, genauso wie die Anzahl der hungernden Menschen zurückgegangen ist. Also auch da glaube ich, dass wir in die richtige Richtung gehen und ich würde mir ganz gerne wünschen, dass sich das fortsetzt.

goodnews4: Vielen Dank für das Interview.

Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de.

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goodnews4-Sommergespräch von Nadja Milke mit Wolfgang Grenke


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