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Wieder Turbulenzen in jüdischer Gemeinde Baden-Baden

Baden-Badener Juden finden keine Ruhe – Abgesetzter IKG-Vorsitzender Efim Vaismann: "Im Vorstand spricht niemand Deutsch"

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goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit Efim Vaismann

Bild Nadja Milke Bericht von Nadja Milke
16.05.2020, 00:00 Uhr



Baden-Baden Die Juden in Deutschland befinden sich in einer schwierigen Gemengelage. Der wieder zunehmende Antisemitismus ist nur eine Seite gesellschaftlicher Herausforderungen. Die Integration der jüdischen Zuwanderer aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion wird von dem Zentralrat der Juden in Deutschland als eine der größten Herausforderungen genannt.

Seit 1990 sind etwa 220.000 Menschen im Zuge der jüdischen Zuwanderung nach Deutschland gekommen. Nur etwa die Hälfte von ihnen schloss sich einer der jüdischen Gemeinden in Deutschland an. Dennoch stiegen deren Mitgliedszahlen zum Teil um fast 90 Prozent an. Auch bei der Israelitischen Kultusgemeinde Baden-Baden, IKG, drückt sich das schnelle Wachstum der Gemeinde in derzeit kaum lösbaren Konflikten aus.

Im goodnews4-VIDEO-Interview mit Efim Vaismann wird deutlich wie schwer eine Integration der Juden ohne Hilfe von außen ist. Der gerade vom Vorstand der IKG abgewählte Vorsitzende nennt einen von einer ganzen Reihe von Gründen: «Im Vorstand spricht überhaupt niemand Deutsch.» Das danach einzige Mitglied des vierköpfigen Vorstandes mit guten Deutsch-Sprachkenntnissen gehört dem dann angeblich nur noch russischen sprechenden Vorstand nicht mehr an.

Die Begründung für seine Abwahl sieht Efim Vaismann als Vorwand. So soll er mit einem Dienstwagen auch private Fahrten unternommen haben, lautet ein Vorwurf seiner ehemaligen Vorstandskollegen. In einem Schreiben machte Rami Suliman, Vorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden, klar, dass er hinter dem abgewählten Vorsitzenden Efim Vaismann steht. goodnews4.de berichtete.


Abschrift des goodnews4-VIDEO-Interviews mit Efim Vaismann:

goodnews4: Gerade waren Sie als Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde Baden-Baden gewählt, nun wurden Sie schon wieder abgewählt. Was war denn die Begründung?

Efim Vaismann: Wenn es schnell geht, sage ich so: Ich habe zu diesem Team nicht gepasst. Das Puzzle kommt nicht in die Reihe. Drei Beiratsmitglieder, die ich nicht so oft gesehen habe, plus der 2. Vorsitzende waren für mich kompliziert. Meine Befehle, Wünsche, Forderungen wurden nicht akzeptiert. Ich habe absolutes Mobbing angetroffen, oder sagen wir Ignorierung. Ich konnte meine Aufgaben nicht machen als 1. Vorsitzender und das finde ich als die Ursache.

goodnews4: War das die Begründung, weshalb man Sie abgewählt hat?

Efim Vaismann: Die Begründung von diesem Team war, dass ich alles ignoriere, dass meine Rechte als 1. (Vorsitzender) gleich sind wie beim 2. (Vorsitzenden), aber ich glaube das nicht, das steht absolut genau in der Satzung, das muss man genau lesen nochmal, für die, die Interesse daran haben. Ich habe eine eigene Sicht auf alles, was passiert ist, das passt nicht zu diesem Team.

goodnews4: Sie haben ein Gespräch mit dem Oberrat in Karlsruhe geführt, was war das Ergebnis dieses Gesprächs?

Efim Vaismann: Das war ein gut vorbereitetes Gespräch. Das ganze Gegner-Team war dabei. Ich habe gesehen, dass ich wirklich Unterstützung habe von Herrn Suliman, weil er diese Geschichte genau verstehen wollte und hat viele Fragen an die Leute, die mich gestürzt habe, gestellt. Er hat wegen dem Auto gefragt: «Was hat Herr Vaismann eigentlich gemacht? Ist etwas Schlechtes mit dem Auto passiert für die Gemeinde?» Dann sagte der heutige Vorsitzende: «Er ist mit dem Auto 560 Kilometer gefahren.» Herr Suliman sagte: «Er ist immer im Auftrag der Gemeinde gefahren.» Die Hauptursache aus meiner Sicht heute ist, dass Frau Grinberg als Sekretärin oder Büroleiterin keine Befehle von mir gemacht hat. Die Befehle waren absolut klar und normal. Ich wollte die Arbeitsverträge lesen, sehen, und die Finanzen für das vergangene Jahr und für heute. Meine Befehle waren zwecklos.

goodnews4: Man hat den Eindruck, dass vielleicht auch die Sprache ein Problem ist. Wie viele der Vorstandsmitglieder sprechen denn gut Deutsch?

Efim Vaismann: Im Vorstand spricht überhaupt niemand Deutsch, zwei, drei, maximal zwanzig Worte auf Deutsch. Was sie ohne Frau Grinberg machen, verstehe ich nicht. Wie lesen sie? Mit Google Translate vielleicht. Nach außen können Sie nicht die Gemeinde verstellen (vertreten) aus meiner Sicht.

goodnews4: Haben Sie den Eindruck, dass auch jüngere Gemeindemitglieder sich beteiligen und im Gemeindeleben aktiv sind?

Efim Vaismann: Meine Arbeitszeit war zu kurz. Am 8. März wurde ich gewählt, dann kam die Pandemie, Quarantäne und am 28. (April) haben die mich abgestürzt. Über die jungen Leute kann ich leider nichts sagen. Ich kenne von den Jungen zwischen 30 und 45 ungefähr fünf Menschen.

goodnews4: Werden Sie denn weiter aktiv sein in der Israelitischen Kultusgemeinde in Baden-Baden? Im Beirat sind Sie ja noch.

Efim Vaismann: Nein, das passt mir überhaupt nicht, meine Vorstellung ist ganz, ganz anders. Ich gehe raus, ich kündige. Ich sehe, was weiter passiert. Ich bleibe natürlich in der Gemeinde, weil die Gemeinde gehört und allen, nicht dem Beirat und dem neuen Vorsitzenden und Frau Grinberg. Mal sehen, gucken wir.

goodnews4: Ich bedanke mich für das Interview, Herr Vaismann.

Efim Vaismann: Vielen Dank auch.

Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de

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goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit Efim Vaismann


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