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Jüdische Gemeinde kommt nicht zur Ruhe

Baden-Badener Juden schreiben an Oberrat – 76 Unterzeichner: „Kein Vertrauen in Mitglieder des Vorstandes und des Rates unserer Gemeinschaft“

Baden-Badener Juden schreiben an Oberrat – 76 Unterzeichner: „Kein Vertrauen in Mitglieder des Vorstandes und des Rates unserer Gemeinschaft“
In einem offenen Brief an den Oberrat fordern 76 Mitglieder der IKG Baden-Baden die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung.

Baden-Baden, 23.05.2020, Bericht: Redaktion In einem offenen Brief in deutscher und russischer Sprache an den Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden fordern 76 Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Baden-Baden die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung.

In einer Stellungnahme hatte sich Rami Suliman Vorsitzende des Karlsruher Oberrats bereits kritisch mit der Absetzung des erst vor Kurzem gewählten Baden-Badener Gemeinde-Vorsitzenden Efim Vaismann geäußert. goodnews4.de berichtete.

Zu den kritischen Stimmen gehört auch die Kinderärztin Helena Reich, Mitglied der Israelitischen Kultusgemeinde Baden-Baden, IKG, wie die jüdische Gemeinde in Baden-Baden offiziell heißt. Helena Reich äußert sich auch kritisch über den Karlsruher Oberrat. Zu den 76 Unterzeichnern des Schreibens an den Oberrat gehört auch Efim Vaismann. Laut Satzung der IKG Baden-Baden können zwei Fünftel der stimmberechtigten Mitglieder die Einberufung einer außerordentlichen Gemeindeversammlung beantragen. Nach Angaben des Zentralrats der Juden in Deutschland hat die IKG Baden-Baden 596 Mitglieder, Stand 2018.

Das Schreiben an den Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden, Karlsruhe, im Wortlaut:

Sehr geehrte Damen und Herren des Oberrats Baden,

wir, die unterzeichnenden Mitglieder der jüdischen Gemeinde Baden-Baden, sind empört über die rechtswidrigen Handlungen des Vorstandsmitgliedes und des Beirats unserer Gemeinde. Am 9. März dieses Jahres wählten fünf gewählte Mitglieder der Gemeinde Efim Vaismann zum 1. Vorsitzenden der Gemeinde. Am 28. April dieses Jahres wählte der erweiterte Vorstand der Gemeinde unter Verstoß gegen die Satzung und die Wahlverordnung des ersten Vorsitzenden Efim Vaismann ab. Vladimir Bashmet wurde daraufhin zum neuen 1. Vorstandsvorsitzenden gewählt. Wir drücken kein Vertrauen in die Mitglieder des Vorstandes und des Rates unserer Gemeinschaft aus und fordern die außerordentliche Einberufung einer Hauptversammlung der Mitglieder der Gemeinde gemäß §6 der Satzung, um Neuwahlen für den Vorstand und den Beirat der Gemeinde zu fordern.

Die Liste der 76 Mitglieder der IKG liegt der goodnews4-Redaktion vor.

Erst am 8. März hatte die jüdische Gemeinde ihren neuen Vorstand gewählt − goodnews4.de berichtete − und Ende April wurde der 1. Vorsitzende Efim Vaismann vom eigenen Vorstand schon wieder abgesetzt. Die Entscheidung wurde mit verschiedenen Vorwürfen begründet, unter anderem soll er einen Dienstwagen auch für private Zwecke benutzt haben. goodnews4-Interview mit Efim Vaismann. Das Vorgehen des Vorstandes sei zwar rechtlich zulässig, erklärte Rami Suliman in seiner Stellungnahme gegenüber goodnews4.de, stößt bei ihm aber auf Kritik: «Die Abwahlentscheidung war nicht in unserem Sinne. Das vom Vorstand gezeigte Verhalten findet nicht unsere Unterstützung.»


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