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Baden-Baden Risikogebiet

Baden-Badener OB Margret Mergen wird vorsichtiger – Zum Christkindelsmarkt: "Wir fahren auf Sicht" – Appell an die Baden-Badener Bevölkerung im goodnews4-VIDEO-Interview

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goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit Margret Mergen

Bild Christian Frietsch Bericht von Christian Frietsch
16.10.2020, 00:00 Uhr



Baden-Baden Nach dem starken Anstieg von Corona-Infektionen in Baden-Baden auf einen 7-Tage-Inzidenz-Wert von 62 ist mit verschärften Corona-Maßnahmen in Baden-Baden zu rechnen. goodnews4.de berichtete.

Am Rande einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz im Rathaus Baden-Baden, nahm Oberbürgermeisterin Margret Mergen gestern zur aktuellen Lage im goodnews4-VIDEO-Interview Stellung und gab auch eine Antwort auf die Frage, ob die Stadtverwaltung Baden-Baden denn gut vorbereitet sei auf diese Maßnahmen.

«Ich denke schon, wir haben ja in den vergangenen sechs Monaten schon viel Erfahrungen sammeln können mit dem Umgang mit Corona. Und betrachten wir den Stadtkreis und den Landkreis zusammen, liegen wir auch noch unterhalb dieses kritischen Wertes.» Unklar war zum Zeitpunkt des Interviews gestern, ob es in Baden-Baden dennoch zu Maßnahmen kommen wird.

Die Sorge, dass Festspielhaus und Theater gefährdet sind mit ihren derzeitigen Planungen, teilt OB Mergen nicht: «Sehe ich nicht so, denn diese Häuser, und ich selber hatte schon diese Häuser besucht, einfach auch aus Interesse, auch als Kulturinteressierte und ich muss sagen, die machen das sehr vorbildlich.»

OB Mergen geht auch auf die bevorstehenden Einschränkungen im öffentlichen und privaten Raum ein, auf die Lage der Hotellerie, Gastronomie und des Tourismus insgesamt. Bei Thema Christkindelsmarkt äußerte sie sich inzwischen etwas vorsichtiger als noch vor einigen Tagen. goodnews4.de berichtete. «Wir fahren auf Sicht», heißt nun ihre Devise. Und zum Schluss des Interviews richtet sie einen Appell an die Bevölkerung in Baden-Baden.


Abschrift des goodnews4-VIDEO-Interviews mit Margret Mergen, Oberbürgermeisterin von Baden-Baden:

goodnews4: Frau Oberbürgermeisterin, gestern haben die Bundeskanzlerin und die Regierungschefs der Länder zwei Grenzen neu definiert. Die Kanzlerin sprach von einer «Jahrhundert-Herausforderung». Es sollen nun nach stundenlangem Ringen in Berlin die Grenze 50 beziehungsweise 35 bei der 7-Tage Inzidenz in den Vordergrund rücken. Schon bei 35 sollen verschärfte Maßnahmen nötig werden. Verstärkte Maskenpflicht, Einschränkungen von Versammlungen im privaten und öffentlichen Raum. Ist die Stadtverwaltung Baden-Baden denn gut vorbereitet auf diese Maßnahmen?

Margret Mergen: Ich denke schon. Wir haben ja in den vergangenen sechs Monaten schon viele Erfahrungen sammeln können mit dem Umgang mit Corona. Und betrachten wir den Stadtkreis und den Landkreis zusammen, liegen wir auch noch unterhalb dieses kritischen Wertes. Aber wir haben schon Fürsorge für den Menschen in unserer Stadt und bezogen auf Baden-Baden betrachtet, liegen wir jetzt seit heute über dieser Marke von 50 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner. Wir überlegen gemeinsam mit dem Gesundheitsamt – guter Rat ist teuer: Was können wir tun, um auch in dieser kalten Jahreszeit, wo man sich ohnehin eher erkältet als im Sommer, was können wir tun, damit die Menschen sich eben schützen können und die Ansteckungsgefahr möglichst reduziert ist? Dazu gehört zum Beispiel eine Maskenpflicht auf Märkten. So wie man das aus dem Einzelhandel, aus den Geschäften kennt. Ich denke, das ist zumutbar und das wäre eine Möglichkeit. Es gibt auch die Überlegung, dass man die Zahl der Personen bei privaten Feiern reduziert. Dass man beispielsweise sagt, wir reduzieren von 50 Teilnehmer auf 25 Teilnehmer bei einer privaten Feier, einfach um Vorsorge zu treiben. Ob das dann genau an der Stelle hilft, weiß keiner von uns. Und wir haben auch nicht einen Hotspot in der Stadt. Es verteilt sich flächig auf allen Lebensbereichen.

goodnews4: Wäre auch sowas wie eine Maskenpflicht auf dem Augustaplatz oder auf dem Leopoldsplatz denkbar?

Margret Mergen: Ja, die Frage ist nur: Ist das jetzt ausgerechnet der Ort, wo man sich infiziert? Ehrlich gesagt, ich glaube es nicht, weil man hat dort Platz, die Menschen verteilen sich, man ist unter freiem Himmel. Manche Städte tun das, aber ich habe so ein bisschen Fragezeichen, ob das jetzt nun wirklich gerade hilft.

goodnews4: Es scheinen ja vor allem die privaten Feiern zu sein, die für erhöhte Ansteckungen sorgen. Jetzt hat das Festspielhaus gerade neues Programm aufgenommen, das Theater ist tapfer am Spielen. Sind diese Einrichtungen denn auch gefährdet von neuen Maßnahmen oder Einschränkungen?

Margret Mergen: Sehe ich nicht so, denn diese Häuser, und ich selber hatte auch schon diese Häuser besucht, einfach auch aus Interesse, auch als Kulturinteressierte und ich muss sagen, die machen das sehr vorbildlich, auch Veranstaltungen mit Hygieneregeln, mit einer Reduzierung der Teilnehmerzahl. Und wenn Sie das auch sehen im Theater, da bleibt jede zweite Reihe frei. Es sind so Stoffhussen über den Sitzen, die man nicht besetzen darf und Sie haben wirklich viel, viel Abstand. Es werden auch oft Stücke gewählt ohne Pause, um zu vermeiden, was man ja so kennt: In der Pause laufen alle gleichzeitig raus, wollen etwas zu trinken holen. Das sind immer so kritische Momente. Und das machen die Kultureinrichtungen wirklich sehr, sehr gut, auch die Kinos, sodass ich sage: Man kann sich ruhig auch Vergnügung erlauben, sollte allerdings dann wirklich die Maske auch immer ganz konsequent tragen, sich die Hände waschen, sich nicht um den Arm fallen oder um den Hals fallen. Also, wenn wir das beachten, glaube ich schon, kommen wir auch ganz gut in den Winter.

goodnews4: Die Tendenz der Entwicklung der Zahlen ist klar, schon seit Tagen. Dennoch gibt es ja diese Grenzen, die eben in den Verordnungen festgelegt sind, 35 beziehungsweise 50. Da sorgte in den letzten Tagen für etwas Verwirrung, dass es vom Landratsamt Rastatt andere Zahlen gab als vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg. Außerdem das Beherbergungsverbot, das jetzt gerade aktuell vom Verwaltungsgerichtshof gekippt wurde. Wie sehen Sie denn im Moment die Stimmung in Baden-Baden, auch in der Hotellerie? Und rechnen Sie damit, dass das Beherbergungsverbot wieder in anderer Form zurückkommt?

Margret Mergen: Die Ministerpräsidenten haben ja gestern lange gerungen und es gibt einige, die sagen: «Ja, das Beherbergungsverbot hilft.» Und zwar gerade in den Gebieten, wo kein Risikogebiet ist, und dass da die Hotellerie auch weiter funktioniert. Ich denke schon, es ist für den Tourismus eine Hürde, auch für das Geschäftsleben. Ich weiß von einem Unternehmer, der sagt, mit dem Beherbergungsverbot hatte er schlicht das Problem, seine dienstlichen Termine in anderen Städten wahrzunehmen, weil er dort keine Übernachtungsmöglichkeit bekam. Und ich glaube schon, das ist ein sehr hartes Mittel. Wie sich das weiterentwickelt, kann ich nicht sagen. In Baden-Baden, glaube ich, wäre es wünschenswert, dass wir die Normalität, die wir im Sommer auch ein Stück weit erreicht haben, auch weiterführen können, auch jetzt in den kommenden Monaten, denn Baden-Baden lebt auch vom Tourismus, Baden-Baden lebt von der Kultur und deswegen ist mein größtes Anliegen, diese Normalität auch zu gewährleisten. Denn so ganz ohne Kultur und Tourismus wäre das für Baden-Baden ein hartes Brot in den nächsten Monaten.

goodnews4: Kommen wir noch zu einer üblichen Frage, die ich regelmäßig Stelle, wenn wir uns hier in diesem Saal treffen. Mehr Maske, weniger feiern, weniger Alkohol – das ist die Botschaft aus Berlin. Jetzt waren eigentlich alle Weichen dafür gestellt, dass der Christkindelsmarkt in Baden-Baden stattfinden könnte. Ist das denn möglich, jetzt, nachdem sich die Lage so verändert hat?

Margret Mergen: Wir arbeiten an den Vorbereitungen für den Christkindelsmarkt und unser Team ist auch sehr bedacht, auf die Einhaltung aller bekannten Möglichkeiten, die Zuschauerzahl oder die Besucherzahl zu reduzieren, die Abstände einzuhalten, das über Online-Tickets im Vorfeld auch abzudecken, damit sich auch an der Kasse keine Schlangen bilden. Da haben wir nun schon viele Erfahrungen auch aus anderen Lebensbereichen. Ja, wir wollen gerne den Weihnachtsmarkt durchführen, aber wir fahren auf Sicht, wie es jetzt seit Monaten in vielen Dingen heißt. Wir beobachten die Lage und sind auch in der Lage, kurzfristig anders zu entscheiden, wenn es denn erforderlich wäre.

goodnews4: Letzte Frage, Frau Oberbürgermeisterin, Sie sind das Organ der Exekutive unserer Stadt. In diesen Zeiten kommt es ja auf Sie an. Glaubt man an die Zahlengrenzen, haben wir ja eben eine kritische Situation, die sich weiter verschärfen wird. Was ist Ihr Appell an die Baden-Badener in dieser Zeit?

Margret Mergen: Viel spazieren gehen an der frischen Luft, gerade jetzt auch im Herbst, das härtet auch ab. Das macht einen auch ein bisschen widerstandsfähiger, warm anziehen – vielleicht wird Stricken wieder modern, ich persönlich habe als Jugendliche gerne Pullover gestrickt und Schals gestrickt – sich warm einpacken, sich schützen, immer heißen Tee trinken und Abstand halten. Ich glaube, wenn wir das so machen und gesund essen, dann schaffen wir auch diese Krise über den Winter.

goodnews4: Vielen Dank, Frau Oberbürgermeisterin.

Margret Mergen: Vielen Dank, Frau Milke.

Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de.

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goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit Margret Mergen


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