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Insolvenzverfahren

Marc Schmidt-Thieme sucht Käufer für Baden-Badener Europäischer Hof – "Möglichst schnell jemanden zum Notar bekommen"

Marc Schmidt-Thieme sucht Käufer für Baden-Badener Europäischer Hof – "Möglichst schnell jemanden zum Notar bekommen"
Seit September steht die Baustelle am Europäischen Hof in Baden-Baden still. Ein Käufer ist noch nicht gefunden.

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goodnews4-AUDIO-Interview von Nadja Milke mit Marc Schmidt-Thieme

Bild Christian Frietsch Bericht von Christian Frietsch
29.04.2020, 01:00 Uhr



Baden-Baden «Das hat sich leider wahrscheinlich auch Corona-bedingt etwas verzögert», erklärte Rechtsanwalt Marc Schmidt-Thieme im goodnews4-AUDIO-Interview zur Gläubigerversammlung des Europäischen Hof, die am Freitag nicht ganz planmäßig über die Bühne gegangen war. goodnews4.de berichtete bereits am Montag. «Es gibt mehrere Interessenten nach wie vor. Was leider nicht funktioniert hat ist, dass wir schon einen fertigen Kaufvertrag den Gläubigern zur Genehmigung vorlegen konnten.»

Der Sachwalter im Insolvenzverfahren des Europäischen Hofs in Baden-Baden machte den Baden-Badenern dennoch Hoffnung, «dass wir das schnell unter Dach und Fach bekommen».

Die mitten in Baden-Baden liegende Großbaustelle des traditionsreichen Stammhauses der Steigenberger-Dynastie, nimmt auch der Kaiserallee einiges von ihrem Reiz. «Nein, das sind Verfahrensinterna, das kann ich leider nicht, ebenso die Höhe der angemeldeten Forderungen. Das sind alles Verfahrensinterna, die nicht öffentlich gemacht werden dürfen», konnte Marc Schmidt-Thieme nichts zu spannenden Fragen, wie etwa dem Verkaufspreis sagen. Nach goodnews4-Informationen belaufen sich die Forderungen der Gläubiger auf mehr als 9 Millionen Euro, der Wert der Immobilie soll in einem Gutachten auf 35 Millionen Euro festelegt worden sein. goodnews4.de berichtete bereits am Montag.

Von der ursprünglich von dem ehemaligen Projektverantwortlichen Martin Buchli geplanten Investition von 55 Millionen Euro dürften sich die Realitäten längst entfernt haben. Der Stand der bisherigen Kosten für die Sanierung des Europäischen Hofs sollen annährend im dreistelligen Millionenbereich liegen. «Das Projekt ist ja als Langfrist-Projekt zu sehen», weckt der Sachwalter für eine schnelle Fertigstellung des so hoffnungsvollen Projektes keine Illusionen. Auch was die Kosten anbelangt, wird es einen Investor mit langem Atem benötigen.


Abschrift des goodnews4-AUDIO-Interviews mit Rechtsanwalt Marc Schmidt-Thieme, Sachwalter im Insolvenzverfahren des Europäischen Hofs in Baden-Baden:

goodnews4: Herr Schmidt-Thieme, am Freitag war die erste Gläubigerversammlung im Insolvenzverfahren des Europäischen Hofs in Baden-Baden. Im goodnews4-Interview hatten sie Anfang März gesagt, dass Sie damit rechnen, «zeitnah einen Investor präsentieren» zu können. Wie steht es darum? Gibt es einen oder mehrere Interessenten für den Europäischen Hof, die Sie am Freitag präsentieren konnten?

Marc Schmidt-Thieme: Es gibt mehrere Interessenten nach wie vor. Was leider nicht funktioniert hat ist, dass wir schon einen fertigen Kaufvertrag den Gläubigern zur Genehmigung vorlegen konnten. Das hat sich leider, wahrscheinlich auch Corona-bedingt, etwas verzögert. Wir sind aber nach wie vor guter Hoffnung, dass wir das schnell unter Dach und Fach bekommen.

goodnews4: Hat die Corona-Krise die Aussichten für den Verkauf nachhaltig verändert?

Marc Schmidt-Thieme: Ich hoffe es nicht. Das Projekt ist ja als Langfrist-Projekt zu sehen. Es werden erhebliche Mittel notwendig sein, um es fertigzustellen und es wird auch bestimmt noch Bauzeit in Anspruch nehmen, sodass ich davon ausgehe, dass, wenn das Objekt dann irgendwann mal bezugsfertig ist, Corona hoffentlich insofern Geschichte ist, dass es einen Impfstoff gibt und wir alle dann auch wieder reisen können. Ich denke nicht, dass es nachhaltig sich verändert, nur im Augenblick sind die Investitionsentscheidungen von großen Investoren einfach auch verlangsamt durch Homeoffice-Geschichten et cetera. Daher glaube ich schon, dass wir eine Verzögerung habe, aber ich glaube nicht, dass es nachhaltig geschädigt hat.

goodnews4: Sie gehen auch nicht davon aus, dass es den Verkaufswert, der erzielt werden kann, in irgendeiner Weise beeinflusst?

Marc Schmidt-Thieme: Also ich hoffe nicht. Wir sind nach wie vor guten Mutes und verhandeln mit dem alten Verkaufspreis, den wir ursprünglich ins Auge gefasst hatten, der gewährleistet, dass alle Gläubiger befriedigt werden – das wäre natürlich das Optimal-Ergebnis.

goodnews4: Können Sie uns die Höhe des Verkaufspreises nennen?

Marc Schmidt-Thieme: Nein, das sind Verfahrensinterna, das kann ich leider nicht, ebenso die Höhe der angemeldeten Forderungen. Das sind alles Verfahrensinterna, die nicht öffentlich gemacht werden würfen.

goodnews4: Was kostet denn das Objekt jeden Monat an Betriebskosten und wer bezahlt das?

Marc Schmidt-Thieme: Wir haben eine Insolvenzmasse, zu Beginn des Verfahrens hatten wir ein Kontoguthaben vorgefunden, davon wird jetzt die Immobilien finanziert. Das ist ja nicht viel, wir haben einen Wachdienst installiert und Kameraüberwachung, dass uns kein Vandalismus passiert. Daher gehe ich davon aus, dass das die nächsten Monate auf jeden Fall ausreicht und dann auch der Verkauf natürlich hoffentlich unter Dach und Fach ist, sodass wir dann eben auch diese Kosten nicht mehr haben, sondern der Erwerber die hat.

goodnews4: Bis wann rechnen Sie mit einem Verkauf?

Marc Schmidt-Thieme: Ich wünsche mir, dass das möglichst schnell geht, einen Zeithorizont habe ich nicht, also wir sind in engen Verhandlungen, teilweise gibt es auch Gespräche schon mit Nachunternehmern seitens von Interessenten, sodass ich hoffe, dass wir spätestens im Sommer eine Lösung haben, hoffentlich sogar früher.

goodnews4: Können sich denn noch Kaufinteressenten melden?

Marc Schmidt-Thieme: Ja, jeder Zeit, es gibt ja einen Verkaufsprozess und Ziel der Insolvenzverwaltung ist ja die möglichst hohe Kaufpreiserzielung, aber auch natürlich gepaart mit einer Vision zur Fertigstellung des Objekts, also es wird auf jeden Fall nicht so sein, dass jemand nur den Kaufpreis aufbringen muss, um dann den Zuschlag zu bekommen, sondern wir wollen auch sehen, dass er in der Lage ist, wirtschaftlich, aber eben auch von der Erfahrung her, so ein kompliziertes Projekt gut zu Ende zu bringen, denn das Ziel ist ja, das Verfahren dann zu beenden und den Europäischen Hof in neue, gute Hände zu geben, damit eben auch der Schandfleck – jetzt nenne ich es einfach mal so – endlich beseitigt wird mitten in der Stadt. Aber da ist jeder gerne aufgerufen, jederzeit zu kommen, wir haben kein Bieterende oder so, wir nehmen jeden gerne auf in den Prozess.

goodnews4: Wie war denn die Stimmung am Freitag auf der Gläubigerversammlung?

Marc Schmidt-Thieme: Die meisten Gläubiger waren sehr zufrieden und froh, es hat sich ein bisschen verzögert wegen Abstimmungsmodalitäten und Stimmrechtsfeststellungen und so weiter, aber insgesamt haben wir die Beschlüsse so wie wir sie wollten, wie wir es vorgehabt haben und den Gläubigern vorgeschlagen haben, auch bekommen.

goodnews4: Was sind jetzt die nächsten Schritte und der ungefähre Zeitplan?

Marc Schmidt-Thieme: Die nächsten Schritte sind, hart an den Interessenten bleiben und versuchen, möglichst schnell jemanden zum Notar zu bekommen. Das ist also das Ziel. Ansonsten die Immobilie weiter zu sichern, dass dort nichts passiert, aber das ist abgedichtet alles, daher wird da nichts passieren. Also wie gesagt, Prio 1 auf den Verkauf jetzt.

goodnews4: Dann bedanke ich mich für das Interview, Marc Schmidt-Thieme.

Marc Schmidt-Thieme: Sehr gerne, Wiederhören.

Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de

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goodnews4-AUDIO-Interview von Nadja Milke mit Marc Schmidt-Thieme


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