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OB Mergen zur Corona-Lage in Baden-Baden – "Ja, die erste Welle haben wir überstanden" – "Formate bis zu 100 Besucher" für Festspielhaus, Theater, Philharamonie – Neue Agenda für UNESCO-Welterbe

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goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit OB Margret Mergen

Bild Christian Frietsch Bericht von Christian Frietsch
22.05.2020, 00:00 Uhr



Baden-Baden Für das Baden-Badener Rathaus wird sich die Lage für den Fall einer zweiten Corona-Welle entspannen. Aus der Regierung in Stuttgart heißt es, dass die Zuständigkeitsbereiche der Gesundheitsämter Grundlage für die Grenzwerte sei sollen und nicht wie ursprünglich bekanntgegeben die Stadt- und Landkreise. Dies hätte bedeutet, dass die Stadt bei 27 Neuinfizierten wieder Lockdown-Maßnahmen hätte einleiten müssen.

Im goodnews4-VIDEO-Interview nimmt OB Mergen Stellung zu einer Reihe von Auswirkungen der Corona-Krise, die Baden-Baden betreffen. Dazu gehört auch eine Verzögerung des Prozesses hin zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Eine modifizierte Agenda ist am Ende dieses Berichtes als PDF veröffentlicht. Ausgerechnet in China sollte der entscheidende Termin stattfinden. «China möchte ganz gerne dieses Weltkomitee als Gastgeberland beherbergen, konnte aber noch keinen neuen Termin nennen», erklärte Margret Mergen dazu.

Ausführlich kommentierte sie ihre Wahrnehmung zu den Auswirkungen des Lockdowns in Baden-Baden: «Das ist wirklich sehr schmerzhaft die Einbußen, die wir jetzt haben im Kulturbtrieb, gerade in einer Kulturstadt wie Baden-Baden. Das tut richtig weh.» Zum kleinen Hoffnungsschimmer aus Stuttgart für Festspielhaus, Philharmonie und andere Kulturanbieter gibt es noch keine Neuigkeiten: «Ja, es gab ein Signal vom Wissenschaftsministerium, also vom Kulturministerium von der Staatssekretärin Olschowski vor circa zehn Tagen, sie könne sich vorstellen, dass wieder kleinere Formate mit bis zu 100 Besuchern möglich wären.»


Mehr zum Thema, Quelle Stadt Baden-Baden:
PDF Aktuelle Corona-Lagedarstellung
PDF Resümee des KatS-Vw-Stabes
PDF Stand Welterbeantrag der Great Spas of Europe


Abschrift des goodnews4-VIDEO-Interviews mit Margret Mergen, Oberbürgermeisterin von Baden-Baden:

goodnews4: Frau Oberbürgermeisterin, Margret Mergen, ist denn bei der Corona-Krise das Schlimmste überstanden, trauen Sie sich diese Prognose?

Margret Mergen: Also für die erste Welle, habe ich schon den Eindruck, haben wir jetzt unsere Infektionszahlen so weit beobachten können, dass sie runtergehen, dass ich sage: «Ja, die erste Welle haben wir überstanden.» Aber, wie das so ist, auf eine erste Welle kann eine zweite Welle folgen. Was wir aber sicherlich gezeigt haben, dass wir hier in Baden-Baden, aber auch gemeinsam mit dem Landkreis, mit dem dortigen Gesundheitsamt, aber auch in Baden-Württemberg, sehr – ich sage mal – verantwortungsbewusst mit dieser Infektion umgegangen sind. Wir hatten Pandemie-Pläne schon vorher erarbeitet, schon vor Jaren, weil man ja wusste, es kann eine Pandemie kommen, und die haben wir jetzt nochmal aktualisiert und haben gemerkt, wir sind gut aufgestelllt. Wir haben eine gute Informationsstruktur, eine hohe Handlungsfähigkeit, eine große Verbindlichkeit und auch in der Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern haben wir, glaube ich, gute Aufklärungsarbeit leisten können, sodas alle eigentlich immer Bescheid wussten, wie steht es denn jetzt aktuell um Baden-Baden. Von daher bin ich eigentlich sehr zufrieden mit der geleisteten Arbeit, bin aber auch vor allem sehr zufrieden mit der Disziplin der Bevölkerung und den Menschen in der Stadt, die sich an die Hygieneregeln halten, an die Abstandsregeln, Mundschutzmasken da, wo es nötig ist, und auch das Versammlungsverbot wirklich sehr beeindruckend eingehalten haben.

goodnews4: Rechnen Sie denn tatsächlich noch mit einer zweiten Welle, also dass Stadtkreis Baden-Baden und der Landkreis Rastatt die Grenzwerte der Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen übersteigen könnten?

Margret Mergen: So etwas kann man nie ausschließen. Und wenn es jetzt auch vielleicht nicht im Sommer ist, spätestens wenn wieder eine kalte Jahreszeit kommt und ohnehin auch Erkältungskrankheiten wieder zunehmen, kann man nie ausschließen, dass eine zweite Welle kommt.

goodnews4: Es gab verschiedene Lockerungen in den letzten Tagen, ganz aktell dürfen auch wieder die Restauurants geöffnet haben, es steht die Wiederöffnung der Hotels bevor. Der eine oder andere bleibt noch auf der Strecke. Die Profifußballer dürfen wieder kicken, die Hobbykicker dürfen nicht, in den Schwimmbädern sieht es ähnlich aus. Verstehen Sie bei manchen den Unmut?

Margret Mergen: Ja, weil manches einfach nicht logisch ist. Das war auch bei den Sportarten. Wenn man sagt, Bewegung an der frischen Luft ist eigentlich gut und tut dem Körper auch gut, dann habe ich großes Verständnis, dass manche Leute gesagt haben: «Ja, warum darf man dann nicht draußen Golf spielen, Tennis spielen, Gleitschirm fliegen und ähnliches. Inzwischen darf man es, aber es gibt manche Ungereimtheiten in diesen Regelungen und das zeigt, dass wir alle lernen mit speziell dieser Art der Ansteckungskrankheit umzugehen. Es ist auch schwer vorstellbar, dass wir auf Dauer Veranstaltungen haben, wo man unglaublich viel Abstandsflächen halten muss. Wie soll denn je wieder eine Tanzveranstaltung stattfinden, die wir doch wirklich so vorbildlich und toll im Benazetsaal hatten? Und die Menschen haben mit Leidenschaft getanzt, aber einen Tango auf 1,50 Meter Abstand kann ich mir persönlich nicht vorstellen.

goodnews4: Haben Sie denn schon Rückmeldungen, Zeichen, Perspektiven, was den Kulturbetrieb in Baden-Baden angeht? Theater, Festspielhaus hat gerade die Pfingstfestspiele absagen müssen.

Margret Mergen: Das ist wirklich sehr schmerzhaft die Einbußen, die wir jetzt haben im Kulturbetrieb, gerade in einer Kulturstadt wie Baden-Baden. Das tut richtig weh. Nicht nur, weil wir auf die Kultur verzichten müssen, sondern weil die Institutionen auch erhebliche Einbußen haben im Bereich der Abonnenten, der Eintrittsgelder und natürlich auch die Künstler, die sich schon darauf freuten, die schon geprobt haben, es war alles vorbereitet, auch für die Osterfestspiele, die Pfingstfestspiele, im Theater, Philharmonie. Das tut richtig weh. Ja, es gab ein Signal vom Wissenschaftsministerium, also vom Kulturministerium von der Staatssekretärin Olschowski vor circa zehn Tagen, dass sie ankündigte sie könne sich vorstellen, dass wieder kleinere Formate mit bis zu 100 Besuchern möglich wären. Da wären wir schon ganz glücklich, weil dann könnten wir tatsächlich beginnen, mit dem Theater oder auch mit der Philharmonie schon in kleinerem Rahmen wieder Aufführungen und Konzerte zu machen. Wir planen das auch schon, um dann, wenn das möglich wird, recht schnell den Betrieb wieder starten zu können. Und dann würde ich mich natürlich riesig freuen, wenn die treuen Abonnenten und die ganzen begeisterten Kulturliebhaber auch ganz kurzfristig entschlossen sagen: «Mensch, wenn wieder etwas geht, dann kommen wir, auch wenn wir das eigentlich nicht geplant hatten.»

goodnews4: Haben Sie denn schon Rückmeldungen aus der Gastronomie wie das Geschäft angelaufen ist?

Margret Mergen: Ich glaube alle tun sich noch ein bisschen schwer mit den Hygieneregeln, den Abstandsregeln, wenn man das auch sieht, beim Bewirten, beim Kellnern, es ist noch alles ein bisschen ungelenk, aber ich glaube mit ein bisschen Wohlwollen und mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht, wenn die Kunden, die Gäste das akzeptieren, auch dass sie Namen und Adressen hinterlegen müssen, ich glaube, dann kriegen wir auch da eine doch sehr kundenorientierte gastfreundliche Gastronomie hier in unserer Dienstleistungs- und Gästestadt Baden-Baden hin.

goodnews4: Corona macht vor wirklich gar nichts halt. Sämtliche Bereiche sind davon betroffen und das gilt auch für die Weltkulturerbe-Bewerbung Baden-Badens. Welchen Einfluss hat Corona denn da genommen?

Margret Mergen: Ja, man hätte gedacht, UNESCO-Welterbe, das hat mit Corona gar nichts zu tun. Aber doch, das Komitee, was einmal im Jahr entscheidet über die vorliegenden Bewerbungen, hätte tagen sollen Ende Juni, Anfang Juli in China. Das geht immer so reihum und die großen Staaten dürfen dann Gastgeber sein für diese Konferenz. Die Konferenz ist definitiv abgesagt. China möchte aber ganz gerne dieses Weltkomitee als Gastgeberland beherbergen, konnte aber noch keinen neuen Termin nennen. Auch das zu verschieben, beispielsweise nach Paris, wo die Experten sitzen von ICOMOS, fand wohl auch noch keine finale Klärung. Das heißt, wenn es blöd läuft, dann schiebt sich das Ganze bis ins nächste Jahr. Dann hat dieses Komitee die doppelte Bewerberlage, nämlich die von diesem Jahr und die vom nächsten Jahr. Ich hoffe nicht, dass es so lange dauert, sber es könnte passieren.

goodnews4: Welche Chancen rechnen Sie sich aus für Baden-Baden? Oder glauben Sie, dass es vielleicht auch positive oder negative Effekte haben könnte, diese Verschiebung?

Margret Mergen: Nein, ich glaube nicht. Denn unsere Bewerbung liegt vor. Wir hatten ja auch Experten hier in Baden-Baden im Herbst letzten Jahres. Die haben sich das alles angeschaut. Wir hatten auch eine Art Prüfungssitzung in Paris, ich glaube im November war das, wo wir Rede und Antwort stehen mussten. Wir mussten auch nacharbeiten, wir mussten einige Fragen nochmal aufbereiten. Das liegt alles vor und daran wird jetzt im Moment auch gar nichts mehr geändert. Jetzt kommt es eigentlich nur noch darauf an, dass das Komitee zusammentritt und entscheidet.

goodnews4: Ich bedanke mich für das Interview, Frau Oberbürgermeisterin.

Margret Mergen: Vielen Dank, Frau Milke.

Das Interview führte Nadja Milke für gooodnews4.de

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goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit OB Margret Mergen


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