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Tony Marshall zum Ehrenbürger von Baden-Baden ernannt

Baden-Badener Ehrenbürger Tony Marshall in einem Atemzug mit Konrad Adenauer - Im goodnews4-VIDEO-Interview: "Einen 18-jährigen Abiturienten frage ich: Wer war Enrico Caruso?"

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goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit Tony Marshall

Baden-Baden, 12.05.2018, 00:00 Uhr, Bericht: Christian Frietsch «Wir hörten die schönen Stimmen von Richard Tauber, Rudolf Schock, Enrico Caruso, Benjamin Gigle und habe ich gesagt: Oh, so möchtest du auch mal singen», sprach Tony Marshall im goodnews4-VIDEO-Interview von einer Zeit in seinen frühen Jugendjahren, als noch nicht einmal der Rock 'n' Roll geboren war. Inspiriert von den großen Opernstars fand Tony Marshall seinen Weg als einer der bekanntesten deutschen Entertainer in der Sparte der populären Stimmungsmusik.

Mit seinem Titel «Schöne Maid» wurde er schlagartig in ganz Deutschland zu einem Superstar der siebziger Jahre. Doch der Gassenhauer sollte keine Eintagsfliege bleiben. Mit «Bora-Bora» oder «Heute hau’n wir auf die Pauke» etablierte sich der 1938 in Baden-Baden geborene Herbert Anton Hilger alias Tony Marshall als die Stimmungskanone in der deutschen Unterhaltungsbranche.

Nach der Überreichung der Ehrenbürgerwürde gestern durch die Baden-Badener Oberbürgermeisterin Margret Mergen, werden die Geschichtsschreiber den Baden-Badener in einem Atemzug nennen mit Konrad Adenauer, Ferdinand Graf von Zeppelin und Otto von Bismarck. Einiger Widerstand hatte sich in Teilen der Baden-Badener Bürgerschaft wegen des Gefälles in der Legende der Ehrenbürgerliste geregt, auch nicht alle Gemeinderäte waren einverstanden mit der Entscheidung, die dann aber mehrheitlich im Baden-Badener Gemeinderat getroffen worden war. Auch die Häufung von Ehrenbürgerwürden in den letzten beiden Jahrzehnten seit 2006 mit Frieder Burda, Pierre Boulez und nun Tony Marshall stieß auf einige Kritik. Seit der peinlich frühen Ernennung von Adolf Hitler zum Baden-Badener Ehrenbürger im Jahr 1933, gab es zwischen dem Jahr der Machtergreifung der Nazis und 2006 nur vier Ernennungen: Konrad Adenauer, 1952; Ernst Schlapper, ehemaliger Oberbürgermeister, 1969; Walter Carlein, ehemaliger Oberbürgermeister, 1990 und Meinrad Lauinger, ehemaliger Stadtrat, 1993.

Im goodnews4-VIDEO-Interview zeigte sich Tony Marshall nicht als weltfremder Musiker oder als folgsamer, braver Bürger. Die Kommunalpolitiker und die Stadtverwaltung erinnerte er trotz der Feierlaune gestern an Missstände in Baden-Baden: «Da sind so ein paar Schandflecken bei uns in Baden-Baden, da muss man dran arbeiten und auch einfach mal mit Auflagen kommen.» Und zum weiteren Verfahren für das Neue Schloss und die derzeitige Eigentümerin hat der Baden-Badener Ehrenbürger eine kompromisslose Empfehlung.

Im Baden-Badener Rathaus zeigte Tony Marshall natürlich auch wie gut er sein Metier versteht. Gemeinsam mit seinen Kindern − seine singenden Söhne Marc und Pascal Marshall und seine Tochter Stella − zeigte Tony Marshall gestern, dass es auf dem Klavier der Stimmungen viele Nuancen gibt. Mit der deutschen Version von Frank Sinatras «My Way» hauten die Marshalls nicht auf die Pauke. Im Baden-Badener Ratssaal wurde es sentimental und manche Augen wurden auch feucht.

Text der Ehrenbürgerurkunde:
Ehrenbürgerbrief der Gemeinderat der Stadt Baden-Baden verleiht Herrn Tony Marshall in Würdigung seiner vielfältigen Verdienste als musikalischer Brückenbauer das Ehrenbürgerrecht.
Baden-Baden, im Mai 2018.
Die Oberbürgermeisterin Margret Mergen


Abschrift des goodnews4-VIDEO-Interviews mit Tony Marshall:

goodnews4: Tony Marshall, zunächst herzlichen Glückwunsch zur Ehrenbürgerwürde der Stadt Baden-Baden. Fällt Ihnen denn, wenn Sie über Ihr Leben und Ihre Karriere nachdenken, ganz spontan der Höhepunkt und vielleicht auch der traurigste Tag Ihres Lebens ein?

Tony Marshall: Zunächst einmal vielen Dank, dass meine Umwelt so intensiv teilnimmt an diesem heutigen Nachmittag. Ich kann noch nicht zum Ausdruck bringen, was ich empfinde, was ich fühle. Aber so ein Ruhepol war immer Baden-Baden. Es hat sich ja vorhin auch aus den Ausführungen ergeben meiner Söhne, wenn ich im Ausland war, hat es mich immer wieder nach Baden-Baden zurückgedrängt. Wenn man in so einer Stadt geboren ist und nur Gutes erfährt weltweit, dann hat man keinen Fehler gemacht, zumindest meine Eltern nicht, denn mein Vater hat mich ja gezeugt, meine Mama geboren und großgezogen und letztendlich das aus mir gemacht, was ich bin, und dafür werde ich ewig dankbar sein.

goodnews4: Fällt Ihnen denn, wenn Sie zurückblicken, ein Höhepunkt ein in Ihrem Leben, an den Sie sich ganz besonders gerne erinnern?

Tony Marshall: Ja, ich habe in Baden-Baden die Jugendstreiche gespielt. Das ist ja heute unmöglich. Heute kommen gleich Anwalt und Richter und so. Wir haben Dinge gemacht, das kann man sich heute gar nicht vorstellen. Aber das war eben in den Nachkriegswirren, da war alles erlaubt. Meine Jugendjahre waren mit meinem Beruf die Höhepunkte meines Lebens. Abenteuer, respektlos − und es hat wunderbar funktioniert.

goodnews4: Sie gelten als die «Gute Laune-Garantie», Toni Marshall. Manchmal ist die Lage gut und die Stimmung schlecht und manchmal ist die Stimmung gut, aber die Lage schlecht. Was ist das Wichtigere?

Tony Marshall: Das vergleiche ich mit dem Weinbau: Die Lage gut, die Stimmung gut. Die Lage schlecht, die Stimmung schlecht. Ich will das gar nicht vergleichen und in die Waagschale werfen. In meinen Leben sind Dinge einfach auf mich zugekommen und ich habe versucht, sie zu verarbeiten und das ist mir eigentlich immer gelungen. Ich hatte nie Schwierigkeiten mit den Menschen in Europa nach dem furchtbaren Krieg, ich habe mich dann auch immer wieder angepasst, habe die Sprachen gelernt und habe immer schon, auch als junger Mensch, von einem vereinten Europa geträumt − also noch lange bevor der Altkanzler Helmut Kohl das Wort Europa in den Mund genommen hat, habe ich schon gesagt, um Kriege zu verhindern, muss man eine Gemeinschaft bilden. Und das hat man Gott sei Dank jetzt auch erkannt und wir sind 70 Jahre ohne Krieg. Das hat es bei uns in Deutschland noch nie gegeben. Und das sind Dinge, die machen mich glücklich, nicht nur allein für mich − ich habe noch ein paar Jahre − aber für meine Kinder, für meine Enkelkinder und für meinen Urenkel.

goodnews4: Apropos Kinder, Enkel und Urenkel: Gibt es denn eine Erkenntnis aus Ihrem reichen Leben, die Sie jungen Menschen für den Beruf und das sonstige Leben ans Herz legen wollen?

Tony Marshall: Ja sicher gerne und auch das hat sich geändert. Das fing an in den 60er Jahren, das war das «Null-Bock-Jahrzehnt» und so kann man natürlich keinen Beruf erlernen, ich muss ja wissen, was ich machen will. Für mich war immer klar: Ich wollte Sänger werden. Für mich war immer klar: Ich werde Sänger. Schon als Sieben-, Acht-Jähriger, denn wir hatten ganz andere Idole als die Jugend heute. Bei uns gab es noch keine Handys, etwas, das ablenkt. Wir hörten im Radio die schönen Stimmen von Richard Tauber, Rudolf Schock, Enrico Caruso, Benjamin Gigle und habe ich gesagt: Oh, so möchtest du auch mal singen. Die Musik, da lacht sich heute die Jugend kaputt. Wenn ich einen Jugendlichen, einen 18-jährigen Abiturienten frage, wer war Enrico Caruso?, kann er mir keine Antwort geben. Das finde ich schade. Wir dürfen diese Kultur nicht vernachlässigen und schon gar nicht vergessen. Und das ist mein Appell an die Jugend. Zu all dem anderen, wo sie glauben, sich berufen zu fühlen, muss man diese Werte einfach mittragen und weitergeben. Das ist für mich sehr wichtig.

goodnews4: Sie sind Baden-Badener, jetzt auch Ehrenbürger, von den hier geborenen Baden-Badenern gibt es immer weniger. Aber was zeichnet denn einen echten Baden-Badener aus?

Tony Marshall: Das ist eigentlich ein uriger Typ. Baden-Baden ist nicht so groß, wir haben eine tolle Vergangenheit, die Römer waren hier, haben uns allerdings nur Ruinen hinterlassen. Aber ich kenne die Geschichte Baden-Badens, die Herren von Hohenbaden, dann das Neue Schloss, das leider jetzt jahrelang brach steht, kein Mensch weiß, was daraus wird. Das ist eigentlich schade. Da sind so ein paar Schandflecken bei uns in Baden-Baden, aber da muss man dran arbeiten und auch einfach mal mit Auflagen kommen: Jetzt bauen oder bleiben lassen! Dann kommt das Objekt wieder auf den Markt, dann kann das ein anderer machen.

goodnews4: Und die letzte Frage: Auf was freuen Sie sich mit dem Blick Auf die Zukunft am meisten?

Tony Marshall: Ich freue mich auf meine Gesundheit, ich habe ja ein bisschen Malheur mit den Beinen, aber sonst, mit 80 Jahren… Ich hätte nie geglaubt, dass ich da noch so fit bin und vor allem das Singen, der Beruf macht noch sehr viel Freude.

goodnews4: Vielen Dank für das Interview.

Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de.

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goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit Tony Marshall


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