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Kommentar von Christian Frietsch

Die „schwankende Weltkugel“ – Die seltsame Rede des Baden-Badener CDU-Bundestagsabgeordneten Whittaker

Die „schwankende Weltkugel“ – Die seltsame Rede des Baden-Badener CDU-Bundestagsabgeordneten Whittaker
157 von 1.852 wahlberechtigten Mitgliedern der CDU-Kreisverbände Baden-Baden und Rastatt, machten von ihrem Wahlrecht Gebrauch.

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goodnews4-VIDEO Auszug aus der Rede von Kai Whittaker

Bild Christian Frietsch Kommentar von Christian Frietsch
29.06.2020, 00:00 Uhr



Baden-Baden Es war die vorprogrammierte Langeweile am Donnerstag auf der eigentlich für das Entertainment geschaffenen Bühne des Rantastic im Baden-Badener Ortsteil Haueneberstein. Nur ein kleiner Teil der Mitglieder war zu der Nominierungsveranstaltung der CDU-Kreisverbände Baden-Baden und Rastatt gekommen.

Gerade mal 157 Mitglieder, nicht einmal 15 Prozent der 1.852 wahlberechtigten Mitglieder, machten von ihrem Wahlrecht Gebrauch bei der Aufstellung des CDU-Kandidaten für den Wahlkreis Rastatt zur Bundestagswahl 2021. Die Langeweile war schon vorprogrammiert. Nur ein Kandidat stand zur Wahl. goodnews4.de berichtete bereits. So war das Prinzip des demokratischen Wettbewerbs ausgeschaltet und damit auch die für eine Demokratie notwendige Spannung für die Wähler.

Die notwendige Auseinandersetzung mit einer konservativen Politik bleibt so dem Diskurs mit der AfD oder anderen Parteien überlassen. Auf Bundesebene lebte die CDU vor, wie die drei Kandidaten Merz, Spahn und Rütgers die Demokratie beleben können. Provinziell rückständig präsentierte sich die Kreis-CDU. Als wäre die politische Landschaft in Zeiten stehengeblieben, als die Wahl des CDU-Kandidaten nur noch eine Formsache war.

Wie unstrukturiert sich der durch internen Wettbewerb ungeprüfte Kai Whittaker auf der politischen Bühne bewegt, war auch am Donnerstag in seiner Rede zu erkennen. Der Baden-Badener Bundestagsabgeordnete verfranzte sich in bunten Wortbildern, wo er über einen Berliner Buchhandel mit dem Namen «Zur schwankende Weltkugel» berichtete, über Buchtitel wie «Der größte Crash aller Zeiten» und «Weltsystemcrash». Als er da drauf geschaut habe, sei er «erschrocken». Unklar blieb in Haueneberstein, ob Kai Whittaker die Autoren der Bücher, die ihn so «erschreckt» hatten, als Verschwörungstheoretiker kritisiert oder erst im Berliner Buchladen durch diese angeregt zur Erkenntnis kam, dass «wir vor der größten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg» stehen. Im Unklaren ließ Whittaker auch was ihn zu dem Urteil «schrulliger Laden» führte. Vielleicht ein Reflex des badischen Simplicissimus, der sich in der großen Stadt selbst ein bisschen schrullig fühlt. Für das New Yorker Portal Wayfarer Books jedenfalls zählt die «Schwankende Weltkugel» zu «The finest Berlin bookstores» bookswayfarer.com

Schließlich hatte Kai Whittaker noch ein Plagiat parat und teilte seinen «Freundinnen und Freunden» mit, dass man vor «einer Herkulesaufgabe» stehe. Genau die gleichen Worte konnten wir schon einmal hören. Anfang April von Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Einordnung der Corona-Krise.


Auszug aus der Rede von Kai Whittaker bei der Wahlkreismitgliederversammlung zur Aufstellung Bewerbers für den Wahlkreis 273 Rastatt zur Bundestagswahl 2021 am Donnerstag, 25. Juni 2020:
«Wir stehen vor einer Herkulesaufgabe. Neulich war ich in einem Buchladen, ein schrulliger Laden, liebevoll eingerichtet, mit einem klug ausschauenden Ladenbesitzer – wahrscheinlich, weil er auch alle seine Bücher gelesen hat. Und als ich da so durch diesen Laden geschlendert bin, da bin ich vor der Wand mit den Sachbüchern stehengeblieben. Und als ich da draufgeschaut habe, da bin ich erschrocken. Da standen Bücher mit so Titeln wie ‘Seid ihr noch ganz bei Trost?’, ‘Der größte Crash aller Zeiten’, ‘Weltsystemcrash’ und so weiter und so fort. Lauter Weltuntergangstitel. Als ich aus dem Laden wieder raus bin, da habe ich verstanden, warum es da so viele gruselige Bücher zu kaufen gab. Der Laden hieß ‘Zur schwankenden Weltkugel’. Liebe Freundinnen und Freunde, geht es Euch auch manchmal so wie mir? Gibt es nicht immer mehr schlechte Nachrichten? Bekommt Ihr auch Verschwörungsvideos per WhatsApp auf Euer Handy? Nur Krisen? Es scheint so. In den letzten 15 Jahren haben wir vier große Krisen erlebt. Die Wirtschafts- und Finanzkrise, die Eurokrise, die Flüchtlingskrise und jetzt die Corona-Krise. Keine dieser Krisen konnten wir uns wirklich je vorstellen. Wir konnten uns nicht vorstellen, dass große Banken einfach pleitegehen – Lehman Brothers – oder sogar ganze Staaten. Wir konnten uns nicht vorstellen, dass hunderttausende von Menschen sich aus Syrien heraus über dreieinhalbtausend Kilometer zu Fuß nach Europa aufmachen. Und nein, wir konnten uns bis vor kurzem auch nicht vorstellen, dass ein Virus, klitzeklein und hochgefährlich, uns dazu bringt, Fabriken und Läden zu schließen, Kindergärten zuzumachen und die Oma nicht mehr zu besuchen. Wir stehen vor der größten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg.»


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