Gedenken an den 10. November 1938

goodnews4-Interview mit Brett Levi – New Yorker erzählt Baden-Badener Familiengeschichte – 10. November 1938: "Die jüdischen Männer wurden in das Central-Hotel gebracht, das meiner Familie gehörte"

goodnews4-Interview mit Brett Levi – New Yorker erzählt Baden-Badener Familiengeschichte – 10. November 1938: "Die jüdischen Männer wurden in das Central-Hotel gebracht, das meiner Familie gehörte"
Brett Levi ist Nachfahre der Inhaber des ehemaligen jüdischen Hotels Central in der Stephanienstraße. Fotos: goodnews4/Brett Levi

Baden-Baden, 09.11.2019, 00:00 Uhr, Bericht: Christian Frietsch Auf Einladung der Stadt Baden-Baden kommt Brett Levi morgen Abend ins Rathaus nach Baden-Baden. Der Nachfahre der Inhaber des ehemaligen Baden-Badener Hotel Central lebt in New Vork City und erzählte schon vor einiger Zeit im goodnews4-Interview mit Christian Frietsch in englischer Sprache die Geschichte seiner Familie. Dazu gehört auch die besondere Beziehung, die das koschere Hotel seiner Urgroßeltern und Großeltern zu der am 10. November 1938 zerstörten Synagoge.

81 Jahre nach dem Verbrechen vom 10. November 1938 liegt ein Schatten über dem Gelände der ehemaligen Synagoge. Entgegen den vertraglichen Vereinbarungen lässt die Eigentümerfamilie den Platz für profane Zwecke benutzen.* Welche Rolle das Grundstück der alten Synagoge für die vertriebenen Baden-Badener Juden und deren Nachfahre spielt, macht ein Hinweis von Brett Levi deutlich: «Wir besuchen immer das Grundstück der Synagoge.» Und er schildert in dem Interview ergreifend, wie tief der Schmerz über Tod und Vertreibung in seiner Familie gegenwärtig ist. Die Juden, auch Rami Suliman, Vorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden, forden die «Wiederherstellung der Würde des Ortes», wo die Synagoge stand. goodnews4.de berichtete.

Wie eng die Geschichte des Hotels seiner Vorfahren mit dem Schicksal der Juden und der Synagoge in der Stephanienstraße verknüpft ist, machen die Schilderungen von Brett Levi deutlich: «Die ganze Geschichte der Kristallnacht, in der die Juden durch die Stadt getrieben und dann in die Synagoge geführt wurden, wo sie den NS-Reden zuhören mussten. Danach wurden die jüdischen Männer in das Central-Hotel gebracht. Das Hotel, das meiner Familie gehörte. Sie mussten für 80 oder 100 Personen Speisen zubereiten und es gab keine Vorbereitung und keine Mitarbeiter. Dann wurden die meisten Männer nach Dachau gebracht.»

In einer zentralen Passage des Interviews erzählt Brett Levi auch nach welchen Grundätzen sein Großvater handelte, um Leben und Zukunft seiner Familie zu sichern: «Mein Großvater, der in Rastatt geboren wurde, seine Mutter wurde in Baden-Baden geboren, die ganze Familie konnte in die Schweiz fliehen. Nach dem Krieg kehrte die Familie nach Straßburg zurück. Sie waren von 1942 bis 1945 in Flüchtlingslagern in der Schweiz. Und mein Urgroßvater sagte nach dem Krieg: ‘Ich habe drei Söhne und einer von ihnen sollte nach Amerika gehen.’ Denn wenn es einen weiteren Krieg geben sollte, wenn es für Juden in Europa mehr Probleme geben sollte, dann sollte jemand da sein, der den Rest der Familie retten kann. Also entschied mein Großvater, dass er nach Amerika kommen würde. Ich glaube, er ist 1947 ausgewandert und hat meine Großmutter in Amerika getroffen und all seine Nachkommen, wir leben alle in Amerika. Mein Großvater lebt noch, er ist 95 Jahre alt.»

*In der gedruckten Sonderausgabe goodnews4Extra sind auf 144 Seiten Originalverträge, und viele andere Dokumente zum Fall der alten Baden-Badener Synagoge veröffentlicht. Noch einige Exemplare sind bei goodnews4.de kostenlos erhältlich. Bestellung per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Abschrift und Übersetzung des goodnews4-Interviews mit Brett Levi vom 06. November 2018:

goodnews4: Brett Levi, Sie wohnen in New York, Ihre Urgroßeltern und Großeltern haben in Baden-Baden gelebt. Was wissen Sie über Ihre Familiengeschichte?

Brett Levi: Es ist eine lange Geschichte in Baden-Baden, die mehr als hundert Jahre zurückreicht. Es gab zwei Seiten der Familie. Auf der einen Seite stammte die Familie aus der Region Karlsruhe und auf der anderen Seite aus Muggensturm sowie aus Malsch und Rastatt. Ende des 19. Jahrhunderts hatte mein Urgroßvater Ferdinand Odenheimer ein koscheres Hotel, ein jüdisches Hotel in Karlsruhe, «Nassauer Hof» genannt. Das Gebäude ist immer noch in Karlsruhe, aber das Hotel existiert natürlich nicht mehr. Ende des 19. Jahrhunderts eröffnete er ein kleines koscheres Hotel in Baden-Baden. Soweit ich weiß, war es auf der anderen Straßenseite des «Three Kings Hotels». Die jüdischen Gäste wohnten meistens im «Drei-Könige-Hotel» und aßen ihre koschere Mahlzeit über die Straße im «Odenheimer Hotel» in der Lange Straße in Baden-Baden. Nach einigen Jahren schloss er das Hotel, weil die neue Synagoge gebaut wurde und er ein größeres Grand Hotel in der Nähe der Synagoge eröffnen wollte. Also baute er ein Gebäude in der Stephanienstraße Nr. 2 und dies war das «Central-Hotel».

goodnews4: Wissen Sie, in welchem Jahr das «Central-Hotel» gebaut wurde?

Brett Levi: Ich muss das genaue Datum überprüfen, aber ich glaube, es war 1897 oder 1896. Als mein Urururgroßvater die Konstruktion des Gebäudes untersuchte, fiel er vom Dach und zwei Tage später starb er. Aber seine Frau, seine Witwe, führte das Hotel weiter und danach übernahm meine Ururgroßmutter Mathilde Odenheimer mit ihrem Ehemann Philipp Lieblich. Meine Ururgroßmutter starb 1936, dann führte mein Ururgroßvater Philipp Lieblich das Hotel bis 1940 fort. Das Hotel ist mit der Geschichte der Kristallnacht verbunden, weil es gegenüber der Synagoge auf der anderen Straßenseite stand – die ganze Geschichte der Kristallnacht, in der die Juden durch die Stadt getrieben und dann in die Synagoge geführt worden, wo sie den NS-Reden zuhören mussten. Danach wurden die jüdischen Männer in das «Central-Hotel» gebracht. Das Hotel, das meiner Familie gehörte. Sie mussten für 80 oder 100 Personen Speisen zubereiten und es gab keine Vorbereitung und keine Mitarbeiter. Dann wurden die meisten Männer nach Dachau gebracht. Das Hotel meiner Familie war also ein Teil dieser Geschichte. Das Hotel wurde zwangsweise geschlossen, wie alle jüdischen Geschäfte nach dem 10. November. Mein Urgroßvater hat jedoch beantragt, dass das Hotel wiedereröffnet werden sollte. Es gibt eine umfangreiche Dokumentation im Stadtarchiv Baden-Baden, ich war dort im Mai, es gibt hunderte Seiten, die gesamte Dokumentation. Er hatte viele Briefe geschrieben, um das Hotel wiedereröffnen zu lassen, und schließlich wurde ihm im dritten Brief die Erlaubnis erteilt, wieder zu öffnen. Dies war 1938 oder vielleicht Anfang 1939, als er die Antwort erhielt. Dann konnte er das Hotel wieder anderthalb Jahre geöffnet halten, bis er im Oktober 1940 zusammen mit allen anderen Baden-Badener Juden nach Gurs deportiert wurde. Zu diesem Zeitpunkt war er schon älter, aber er bemühte sich, das Hotel offen zu halten. Es war natürlich ursprünglich ein Hotel für Gäste, die genauso wie die nichtjüdischen Gäste nach Baden-Baden gekommen sind, um eine Kur zu machen. Zu diesem Zeitpunkt waren die Hotelgäste in den Jahren 1938 und 1939 Menschen, die versuchten, Deutschland zu verlassen, Juden, die auf ihre Visa für andere Länder warteten. Sie hatten ihre Wohnungen in ihrer Stadt verkauft und blieben in Baden-Baden bis sie das Land verlassen konnten. Es waren also keine Leute, die Urlaub machten. Das ist diese Geschichte.
Meine Urgroßmutter Emmy Lieblich, gebürtig Lieblich, verheiratet Dreyfus, wurde mit ihren beiden Schwestern in Baden-Baden geboren. Nachdem sie geheiratet hatte, lebte sie in Rastatt und mein Großvater war in Rastatt geboren, aber mein Großvater und seine beiden Brüder kamen jeden Sommer, jeden Urlaub zu ihren Großeltern nach Baden-Baden. Meine Urgroßeltern lebten in Rastatt, sie verließen Deutschland 1933/1934 und zogen nach Straßburg. Der Rest der Familie blieb in Deutschland, aber meine Urgroßeltern und ihre drei Kinder, mein Großvater unter ihnen, zogen nach Straßburg.

goodnews4: Was war der Grund, nach Straßburg zu ziehen?

Brett Levi: Der Grund war ein sehr starker Antisemitismus in Rastatt. Rastatt, viel mehr als Baden-Baden, viel mehr als andere Orte, war sehr früh ein sehr starkes Zentrum der Nazis, so dass es mehrere Vorfälle gab. Die Synagoge wurde entweiht und verwüstet, mein Großvater wurde von anderen Schulkindern misshandelt und sogar Lehrer beschimpften ihn abfällig. Mein Urgroßvater ging zur Schule, um sich über den Antisemitismus zu beschweren, aber der Schulleiter sagte, er könne nichts tun. In Rastatt gab es eine Zeitung, die sehr persönliche Artikel über örtliche Juden druckte und meine Familie wurde in einigen Artikeln erwähnt. Die Atmosphäre in Rastatt war sehr schlecht, in Deutschland kein Einzelfall, aber schon 1933 war es wirklich schlimm. Meine Urgroßeltern und ihre Familie zogen über die Grenze nach Frankreich. Sie waren während des Krieges in Frankreich, es ist eine lange Geschichte, aber letztendlich versteckten sie sich in Südfrankreich und dann erhielten sie die Warnung, da war es bereits August 1942, und sie wurden vor der Deportation in Südfrankreich gewarnt und konnten über Lyon in die Schweiz fliehen.

goodnews4: Und was ist in dieser Zeit mit dem Hotel passiert?

Brett Levi: Das Hotel wurde von meinem Ururgroßvater Philipp Lieblich geführt. Er hatte drei Töchter, eine Tochter war meine Urgroßmutter, sie war schon in Frankreich gewesen und schließlich mit ihrer Familie in die Schweiz geflüchtet. Seine andere Tochter, die mit meinem Ururgroßvater in Baden-Baden geblieben war, war mit ihrem Mann zusammen und wurde im Oktober 1940 mit allen anderen örtlichen Juden nach Gurs deportiert. Sie waren zusammen in einem Lager in Frankreich. Die dritte Tochter lebte nach ihrer Heirat in Frankfurt. Sie wurde 1942 deportiert und sie und ihr Mann wurden in den Lagern ermordet. Die Schwester, die deportiert wurde, überlebte und sie und ihre Familie zogen nach Australien. Meine Urgroßmutter hat mit ihrer Familie überlebt und jetzt leben wir zwischen den Vereinigten Staaten und Frankreich – die Hälfte der Familie ist in Frankreich, die Hälfte in Amerika. Und die dritte Schwester wurde ermordet, ihr Ehemann wurde ermordet, ihre beiden Söhne konnten über Portugal fliehen und schafften es in die Vereinigten Staaten. Das ist also das Schicksal der Familie. Mein Großvater, der in Rastatt geboren wurde, seine Mutter wurde in Baden-Baden geboren, die ganze Familie konnte in die Schweiz fliehen. Nach dem Krieg kehrte die Familie nach Straßburg zurück. Sie waren von 1942 bis 1945 in Flüchtlingslagern in der Schweiz. Und mein Urgroßvater sagte nach dem Krieg: «Ich habe drei Söhne und einer von ihnen sollte nach Amerika gehen.» Denn wenn es einen weiteren Krieg geben sollte, wenn es für Juden in Europa mehr Probleme geben sollte, dann sollte jemand da sein, der den Rest der Familie retten kann. Also entschied mein Großvater, dass er nach Amerika kommen würde. Ich glaube, er ist 1947 ausgewandert und hat meine Großmutter in Amerika getroffen und all seine Nachkommen, wir leben alle in Amerika. Mein Großvater lebt noch, er ist fast 95 Jahre alt.

goodnews4: Woher kommt Ihr Name Levi?

Brett Levi: Mein Vater heißt Levi, mein Großvater heißt Dreyfus, meine Mutter heißt Dreyfus, weil meine in Baden-Baden geborene Ur-Großmutter, ihr Name war Lieblich, Manfred Dreyfus aus Muggensturm heiratete.

goodnews4: Fühlen Sie sich jeden Tag traurig über das, was Ihrer Familie angetan wurde?

Brett Levi: Ich persönlich habe sehr gespaltene Gefühle. Einerseits wurden die schönsten Erinnerungen aus Baden-Baden an mich weitergegeben. Ich habe vor einigen Monaten mit meinem Großvater über Baden-Baden gesprochen. Er ist jetzt 95 und sein Gedächtnis ist nicht so gut und wir haben darüber gesprochen und ich habe ihm gesagt, dass ich gerade Baden-Baden besucht habe und er hat sich zu mir umgedreht und gesagt: «Baden-Baden ist die schönste Stadt der Welt.&rauqo; Das sagt er über seine Kindheit bei seinen Großeltern, er hat die schönsten Erinnerungen an Baden-Baden. Und ich sehe, dass meine Familie über die Generationen hinweg, die sie dort waren, sich sehr zu Hause fühlten, sie waren ein Teil der Gemeinschaft – der jüdischen Gemeinschaft, der allgemeinen Gemeinschaft – weil es ein Paradies war. Und deshalb ist es sehr schmerzhaft, darüber nachzudenken.

goodnews4: Eine Rückkehr nach Baden-Baden kam nie in Frage?

Brett Levi: Ich glaube nicht, dass es jemals eine Option war. Meine Urgroßeltern hatten sich bereits wieder in Straßburg niedergelassen, nachdem sie Deutschland verlassen hatten, hatten sie ein Geschäft in Frankreich eröffnet. Eine Schwester überlebte nicht und die andere Schwester ging nach Australien.

goodnews4: Gab es für die Familie keine Chance, das Hotel zurückzubekommen?

Brett Levi: Sie haben Rückerstattungsansprüche eingereicht. Ich habe Hunderte von Seiten gefunden, die ich nicht vollständig übersetzen konnte, aber ich denke, dass sie am Ende eine bestimmte Zahlung erhalten haben. Ich weiß nicht, ob das eine faire Zahlung war, aber sie haben eine Entschädigung für das Hotel erhalten. Wenn ich in der Archivakte lese, ist es sehr traurig, denn es gibt zum Beispiel mehrere Seiten mit einer vollständigen Inventur von allem, was im Hotel war, und sie listen jedes einzelne Gemälde, jeden einzelnen Gegenstand des Restaurants, die Kaffeelöffel und Fischmesser mit der Nummer jedes Artikels auf, die verschiedenen Perserteppiche. Es war ein sehr elegantes Hotel, ich denke, es war das gehobenste der jüdischen Hotels in Baden-Baden. Es war ein sehr schöner Ort. Es ist in der Vergangenheit, es gibt keine Möglichkeit, es nach dem Krieg wiederherzustellen. Aber wir haben die Erinnerungen.

goodnews4: Gibt es Fakten oder Ereignisse, über die Sie mehr erfahren möchten?

Brett Levi: Ja, ich bin sehr neugierig, was wirklich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mit dem Grundstück passiert ist. Ich weiß nicht genau, wer das Hotel erhalten hat und was dann mit dem gesamten Inhalt passiert ist. Wurden alle Inhalte versteigert und wer hat alles? Wer hat die Gemälde? Ich verlange keine Rückerstattung, ich bin neugierig, ich möchte wissen, wohin die ganzen Sachen gingen. Und ich bin sehr neugierig, was die Reaktion der Bevölkerung in Baden-Baden nach 1940 war und nach 1945. Wie war die Diskussion darüber, was passiert war? Gab es eine Diskussion? Ich gehe davon aus, dass es vielleicht keine öffentliche Diskussion gab, aber gab es eine Seelenforschung über das, was passiert ist? Wir sehen es heute natürlich. Heute, 80 Jahre später, wird darüber gesprochen, aber ich bin neugierig, ob in der Zeitung oder in der Öffentlichkeit diskutiert wurde: Was ist mit unseren Nachbarn passiert? Was haben wir getan? Was haben wir geschehen lassen?

goodnews4: Spricht Ihre Familie darüber, was in der Kristallnacht passiert ist? Die Synagoge befand sich neben dem Hotel Central.

Brett Levi: Natürlich gab es einen Grund, warum das Hotel neben der Synagoge gebaut wurde. Es gab immer eine Verbindung zwischen dem Hotel und der Synagoge. Weil mein Ur-Ur-Großvater wollte, dass die Gäste in seinem Hotel übernachten und dann einfach die Straße überqueren, um zur Synagoge zu gehen. Sie waren traditionelle Juden, orthodoxe Juden, ihre Gäste waren Leute, die koscher essen wollten, also mussten sie in einem Hotel übernachten, das nahe bei einer Synagoge war. Das Schicksal des Hotels und das Schicksal der Synagoge waren also wirklich miteinander verbunden. Den einzigen Zeugenbericht, den ich von meiner Familie über die Kristallnacht hörte, war von der Schwester meiner Urgroßmutter, die überlebte und nach Australien auswanderte. Ich habe sie vor 15 oder vielleicht sogar 20 Jahren getroffen, bevor sie starb. Sie war die einzige Person in der Familie, die überlebt hat und die Augenzeuge der Ereignisse in Baden-Baden war. Mein Ur-Ur-Großvater starb 1945 in Frankreich in einem Krankenhaus in einem Lager. So erzählte die Tante meines Großvaters in Australien, wie schockiert sie war, all die nichtjüdischen Nachbarn zu sehen, die plötzlich von solchem Hass erfüllt waren, und sie erinnerte sich, wie sie schrien: «Jude verrecke!» Und sie erinnerte sich an Schilder an den Gebäuden in Baden-Baden und am Ortseingang von Baden-Baden: «Keine Juden erlaubt» und «Keine Juden und Hunde erlaubt» und solche Sachen. Aber gerade von diesem Tag erinnert sie sich wirklich an den Schock, den Verrat, Nachbarn zu sehen, Menschen, die sie aus der Nachbarschaft kannte und die schreckliche Dinge über Juden schrien. Ihr Mann war einer der Menschen, die an diesem Tag nach Dachau deportiert wurden. Mein Ur-Ur-Großvater wurde nicht deportiert, er war zu alt, sie nahmen ihn nicht mit, aber die jüngeren jüdischen Männer wurden nach Dachau deportiert, und ich glaube, die meisten kamen nach ein paar Monaten zurück, bevor sie 1940 nach Gurs deportiert wurden. Für sie war es also ein sehr furchterregender Tag, aber nicht einmal so furchterregend wegen körperlicher Gewalt, sondern weil sie sah, wie ihre Welt zusammenbrach und die Menschen in ihrer Nachbarschaft, die sie vielleicht für Freunde gehalten hatte, plötzlich so voller Hass wurden.

goodnews4: Wissen Sie, ob Mitglieder Ihrer Familie Kontakt zu ihren ehemaligen Nachbarn hatten?

Brett Levi: Ich weiß nicht, ich denke nicht. Meine Familie, meine Urgroßeltern lebten in Straßburg, also waren sie ganz in der Nähe von Baden-Baden und ich weiß, dass sie ziemlich oft zu Besuchen zurückkehrten. Ich weiß nicht, ob sie Freunde besuchten, aber sie liebten Baden-Baden, sie liebten den Schwarzwald, sie gingen alle paar Wochen im Schwarzwald wandern und setzten sich in ein Café in Baden-Baden. Es war ein Teil ihres Lebens, mit dem sie aufgewachsen waren und das sie wieder leben wollten. Es gibt eine Geschichte über meine Urgroßmutter. Sie kehrte oft nach Baden-Baden zurück und blieb für eine Woche in einem Hotel zur Kur und man wurde damals in bestimmten Hotels beim Einchecken gefragt, in welcher Stadt man geboren wurde. Und wenn sie gefragt wurde, in welcher Stadt sie geboren wurde und sie «Baden-Baden» sagte, brach sie in Tränen aus. Es war so schmerzhaft. Es war sehr schmerzhaft für sie, dort zu sein und zu wissen, dass sie dort geboren wurde und doch wurde ihr alles genommen. Sie ging zurück, aber sie ging immer als Besucherin zurück. Sie kehrte immer als Fremde zurück, nicht als Bürgerin. Das war sehr schmerzhaft für sie. Ich habe viele Familienfotos aus der Zeit nach dem Krieg von Wanderungen im Schwarzwald und in Baden-Baden. Und bis heute, meine Familie, fahren wir jedes Jahr wieder nach Baden-Baden, weil wir uns dort sehr wohl fühlen. Es ist Teil dessen, wer wir sind. Wir sind alle mit den Geschichten aufgewachsen, wir haben unser ganzes Leben lang Baden-Baden besucht. Wir besuchen immer das Hotelgebäude, wir besuchen immer das Grundstück der Synagoge und es ist sehr wichtig für uns, verbunden zu sein. Natürlich tut es nicht weh, dass Baden-Baden ein so schöner Ort ist, wenn wir von einem weniger schönen Ort kommen würden, würden wir diesen vielleicht nicht so oft besuchen. Natürlich haben wir eine schöne Zeit bei unseren Besuchen, aber ich denke, für mich persönlich ist es wichtig, mit der Gemeinschaft in Verbindung zu bleiben. In den letzten Jahren habe ich den Rabbiner in Baden-Baden getroffen und bin sehr gespannt auf die Erneuerung der jüdischen Gemeinde. Aber im Allgemeinen fühlen wir uns sehr verbunden mit Baden-Baden, mit den Juden, mit den Nicht-Juden, nur mit diesem Ort und der Idee einer schönen Stadt, die wahrgenommen wird für Kultur und Natur. So sollte es sein, so hätte es sein sollen und die Tatsache, dass meine Familie nicht mehr dort lebt, ist sehr tragisch, aber wir versuchen, die Verbindung zu erneuern.

goodnews4: Haben Sie jemals von Menschen gehört, die Ihrer Familie geholfen haben oder war alles nur schlecht?

Brett Levi: Weil meine Familie ein koscheres Hotel hatte, waren alle Gäste Juden. Und sie waren auf der anderen Straßenseite gegenüber der Synagoge und lebten sehr in der jüdischen Gemeinde. Ich denke, viele Juden in Baden-Baden waren assimilierter, sie waren nicht sehr religiös und sie hatten mehr nichtjüdische Freunde und so weiter. Aber meine Familie, ich denke, wegen ihres Hotels, wegen ihrer Lage, waren sie wirklich sehr im Kern, im Herzen, der jüdischen Gemeinde. Ich weiß also nicht, wie viele Freunde sie hatten, die nicht jüdisch waren, vielleicht hatten sie welche, vielleicht hatten sie keine, ich weiß es nicht. Aber ich denke, besonders schon Mitte der 1930er Jahre war das soziale Leben zwischen Juden und Nichtjuden angespannt. Vielleicht haben sie zehn Jahre davor nichtjüdische Freunde gehabt. Aber schon zu dieser Zeit verstanden alle, dass Juden und Nichtjuden keine sozialen Kontakte pflegen. Das ist mit den Rassengesetzen in Deutschland passiert. Ich habe noch nie Geschichten darüber gehört.

goodnews4: Hat sie jemals Namen von Nazis in Baden-Baden erwähnt?

Brett Levi: Nein, davon habe ich noch nie gehört. Die Wahrheit ist, bin ich mir sicher, dass die Schwester meiner Urgroßmutter, die noch in Baden-Baden in der Kristallnacht war, wusste, wer die örtlichen Nazis waren, aber als sie mit der Familie sprach, als sie ihre Erinnerungen niederschrieb, hat sie darüber nicht geschrieben. Sie war keine verbitterte Person, es war keine Wut, sie suchte keine Rache. Es wurde nicht veröffentlicht, sie schrieb nur für die Familie ihre Erinnerungen von diesem Tag auf. Aber ich denke, dass sie niemals wütend oder bitter war, sie hatte nicht die Absicht, Nazis zu denunzieren. Für sie und die Familie war es nur Traurigkeit. Es war nur eine Tragödie. Weil sie ein so schönes Leben und eine so schöne Gemeinschaft hatten, fühlten sie sich wie ein Teil dieses Ortes, der mit der gesamten Region, den Bergen und dem Wald verbunden war. Meine Familie war weniger als 100 Jahre in Baden-Baden, aber sie stammten aus der Region, sie waren seit 1000 Jahren in Südwestdeutschland. Sie kannten nichts anderes. Ich denke, es war schmerzhaft genug, dass Menschen, die irgendwo in Deutschland, irgendwo in Europa lebten, vertrieben oder verhaftet oder deportiert wurden, aber die Wahrheit ist, in Baden-Baden, was wirklich ein so schöner Ort ist, ein so perfekter Ort, ist es noch schmerzhafter, weil es so ein Paradies war und das machte es noch schmerzhafter. Nicht nur, weil ihr Leben so wunderbar war, sondern auch, weil man von kultivierten Menschen mehr erwartet. Sie erwarten, dass Menschen, die dem Orchester zuhören, die klassische Musik hören, die Gedichte lesen an einem so schönen Ort wie Baden-Baden, dass sie nicht zu Mördern werden. Sie erwarten, dass sie ihre Nachbarn nicht vertreiben. Sie erwarten mehr. Das sind gebildete Menschen, das ist ein Teil der Schönheit von Baden-Baden bis heute. Und Sie haben höhere Erwartungen von solchen Menschen. Und das ist wirklich der Verrat. Es war nicht so, dass dies ungebildete Leute waren, die es taten, sie waren die am meisten kultivierten Menschen.

goodnews4: In Baden-Baden wird derzeit über das Grundstück der alten Synagoge diskutiert. Die Eigentümerin einer Zeitung besitzt das Grundstück, sie ist 90 Jahre alt und vielleicht geistig in der alten Zeit und sie ist nicht bereit, dem Ort eine neue Chance zu geben. Haben Sie darüber gelesen?

Brett Levi: Ja, ich habe darüber gelesen.

goodnews4: Was denken Sie darüber?

Brett Levi: Zunächst einmal ist es selbstverständlich, dass die Entscheidung, wo die Synagoge gebaut werden soll, die Entscheidung der örtlichen jüdischen Gemeinde ist. Selbstverständlich. Es ist ihre Entscheidung, es ist nicht meine Entscheidung. Die Menschen, die heute dort leben, es ist ihre Entscheidung. Und ich denke, sie haben sich für einen Ort entschieden, der nicht im Zentrum liegt, aber ich denke, er wird ein guter Ort für eine große neue Synagoge für die Gemeinde sein und ich denke, das ist wunderbar. Im Idealfall hätten sie die Erlaubnis gehabt, sie an der alten Stelle zu errichten. Für mich wäre das sehr symbolisch und wichtig gewesen, aber es ist nicht möglich. Das Wichtigste ist also, dass sie eine Synagoge an einem anderen Ort errichten, an einem Ort, der gut für die Gemeinde ist, und ich denke, das ist, was passiert. Aber ich halte es für sehr wichtig, dass Baden-Baden als Gemeinde entscheidet, welche Botschaft sie an die lokale jüdische Gemeinde, an die globale jüdische Gemeinde, an die Welt, an Deutschland, an die Geschichte senden möchte. Das Gelände einer ehemaligen Synagoge als Parkplatz zu nutzen, ist einfach beschämend. Jedes Mal, wenn wir die Synagoge besuchen, ist es nur schockierend für uns, dass dies das ist, was auf dem Gelände der Synagoge ist. Ich hoffe wirklich, dass die Synagoge eines Tages, vielleicht nicht wieder aufgebaut wird, aber ich denke, dass das Grundstück für etwas Sinnvolles genutzt werden sollte. Wenn nicht eine Synagoge, dann ein Museum für die Geschichte der Juden in der Region oder ein anderes Gebäude, das einen nobleren Zweck hat. Es wird nicht morgen passieren, denn es klingt so, als würde die Zeitung nicht verkaufen wollen. Das ist in Ordnung, denn es ist ihr Eigentum, aber ich denke, dass eine Gemeinschaft handeln muss, dass jemand die Führung übernimmt und wirklich eine Lösung findet, weil es nicht angemessen ist. Aber ich denke, wenn sie das Grundstück für einen respektablen Zweck nutzen könnten, würde Baden-Baden davon profitieren, ich denke, dass mehr Menschen die Stadt besuchen würden. Ich denke, es wäre eine sehr gute Öffentlichkeitsarbeit für Baden-Baden, es wäre ein sehr schönes Zeichen. Angesichts der Ereignisse auf der Welt, wir erleben heute ein Wiederaufleben des Antisemitismus gegen viele Gruppen, Rassismus und Diskriminierung, und ich weiß, dass als Land, als Gesellschaft Deutschland in den letzten Jahrzehnten so viel getan hat, um die Ereignisse im Krieg auszugleichen und ich weiß, dass meine Familie als ehemalige deutsche Juden sehr dankbar war, aber ich denke, die Baden-Badener Gemeinde sollte dies fortsetzen und dieses Grundstück für etwas respektableres nutzen.

goodnews4: An den Tagen, an denen wir uns an den Holocaust erinnern, kommen die Menschen zusammen und sind traurig. Aber darüber hinaus hat niemand den Mut, sich zu äußern.

Brett Levi: Ja, es ist bedauerlich, es ist sehr traurig und ich hoffe, dass sich etwas ändert. Ich hoffe, dass, wenn Sie weiterhin darüber schreiben und das Bewusstsein schärfen, mehr Menschen zuhören.

goodnews4: Und die letzte Frage: Was machen Sie in New York City?

Brett Levi: Ich bin Doktorand, arbeite an einer Promotion, studiere jüdische Geschichte und schreibe eine Dissertation über die Geschichte des Territoriums und der Geographie in den Gedanken, in der Philosophie der orthodoxen Juden nach dem Zweiten Weltkrieg. Ich sehe mir also die Ideologien und Strategien an, die den Wiederaufbau dieser Gemeinschaften nach dem Zweiten Weltkrieg in den Vereinigten Staaten und in Israel ausgelöst haben.

goodnews4: Danke, Brett.

Das Interview führte Christian Frietsch für goodnews4.de


Abschrift des goodnews4-Interviews mit Brett Levi:

goodnews4: Mr. Levi, you live in New York, your great-grandparents and grandparents lived in Baden-Baden. What do you know about your family‘s history?

Brett Levi: It is a long history in Baden-Baden, it goes back more than a hundred years. There were two sides of the family. On one side the family was from the region of Karlsruhe and on the other side they were from Muggensturm and Malsch and Rastatt. At the end of the 19th century my great-great-great-grandfather Ferdinand Odenheimer, who had a kosher hotel, a jewish hotel in Karlsruhe, it was called «Nassauer Hof». The building is still there in Karlsruhe, but the hotel doesn’t exist anymore of course. At the end of the 19th century he opened up a small kosher hotel in Baden-Baden. As I understand, it was accross the street from the «Three kings Hotel». The jewish guests would mostly stay in the «Three kings Hotel» and eat their kosher meal accross the street in the «Odenheimer Hotel» on the Lange Straße in Baden-Baden. After a few years he closed that hotel because the new synagogue was being built and he wanted to open a bigger Grand Hotel in the neighbourhood of the synagogue. So he built a building on the Stephanienstraße number 2 and this was then the «Central-Hotel».

goodnews4: Do you know the year the «Central-Hotel» was built?

Brett Levi: It was in 1899. Then my great-great-great-grandfather was inspecting the construction of the building and he fell off the roof and two days later he died. But his wife, his widdow, continued the hotel and after that his doughter, my great-great-grandmother Mathilde Odenheimer continued with her husband Philipp Lieblich. My great-great-grandmother died in 1936 but then my great-great-grandfather Philipp Lieblich continued the hotel untill 1940. The hotel is connected with the history of the Kristallnacht because it was accross the street from the synagogue. The whole incident on Kristallnacht with the parade of the jews around town and then they were lead into the synagogue and then made listen to Nazi speaches and so on and so forth. And after that the jewish men were brought into the «Central-Hotel», my family’s hotel, and they were made to prepare meals for whatever it was, 80 people, 100 people. There was no preparation, no staff. And then from there most of the men were taken to Dachau. So my family’s hotel was part of that story. The hotel was forcably closed I suppose as other jewish businesses after November 10th. However my gret-great-grandfather petitioned that the hotel should be reopenend. There is a extensive documentation in the Stadtarchiv Baden-Baden, I was there, it is hundreds of pages, the whole documentation. He was writing many letters to have the hotel reopened and finally in the third letter he was given permission to reopen. This was 1938 or maybe in the beginning of 1939 by the time he received the response. So then he was able to stay open again for another year and a half untill he was deported with all the other Jews of Baden-Baden in October 1940 to Gurs. He was an elderly person at this point but he used every effort to keep the hotel open. It was a hotel of course for guests who came to Baden-Baden just like the non-jewish guests, people who came to take the «Kur». But at this point the hotel guests in 1938 and 1939 were poeple who were trying to leave Germany, Jews who were waiting for their visas for other counties. They would sell their apatments in whatever city and they would come to stay in Baden-Baden untill they could leave the country. So it wasn’t people who were vacationing. That’s that history.
My great-grandmother Emmy Lieblich was born Lieblich, her married name was Dreyfus, she was born in Baden-Baden with her two sisters and after she got married, she lived in Rastatt. My grandfather was born in Rastatt, but my grandfather and his two brothers would come for every summer, every holiday to their grandparents in Baden-Baden. My great-grandparents were living in Rastatt, they left Germany in 1933 or 1934 and moved to Strasbourg. The rest of the family stayed in Germany but my great-grandparents and their three children, my grandfather amoung them, moved to Strasbourg.

goodnews4: What was the reason to move to Strasbourg?

Brett Levi: The reason was a very strong antisemitism in Rastatt. Rastatt much more then Baden-Baden, much more than other places was a very strong center of Nazis very early so there were several incidents, the synagogue was defaithed and vandalized, my frandfather was abused by other children in the school and even teachers called him derogating names. My great-grandfather went to the school to complain about the antisemitic abuse but the principal said he couldn’t do anything. There was a newspaper in Rastatt, which printed very personall articles about local Jews and my family were mentioned in some articels. The atmosphere in Rastatt was very bad, it wasn’t unique in Germany but it was really bad already in 1933. My great-grandparents and their family moved accross the border to France. They were in France during the war, it is a long story but ultimately they were in hiding in the south of France and then they received the warning that – it was already August of 1942 – they were warned about the deportation in the south of France so they were able to escape via Lyon to Switzerland.

goodnews4: And what was happening to the hotel during that time?

Brett Levi: The hotel was run by my great-great-grandfather Philipp Lieblich. He had three doughters, one doughter was my great-grandmother, she had already been in France and she ultimately escaped with her family to Switzerland. His other doughter, who stayed in Baden-Baden with my great-great-grandfather, she was with her husband and they were deported in October 1940 to Gurs with all the other local Jews. They were together in a camp in France. The third doughter was living in Frankfurt after she got married. She was deported in 1942 and she and her husband were murdered in the camps. The sister, who was deported, survived and she and her family moved to Australia. My great-grandmother survived with her family and now we are living between the United States and France – half the family is in France, half in America. And the third sister, who didn’t survive, she was murdered, her husband was murdered, her doughter was murdered, her two sons were able to escape via Portugal and they made it to the United States also. So that’s the fate of the family.
My grandfather, who was born in Rastatt, his mother was born in Baden-Baden, the whole family was able to escape to Switzerland. So after the war the family returned to Strasbourg. They had been in refugee camps in Switzerland from 1942 to 1945. And after the war my great-grandfather said: «I have three sons and one of them should go to America.» Because if there should be another war, if there should be more trouble for jews in Europe, someone should be there, who can rescue the rest of the family. So my grandfather decided he would come to America. So he did. I think it was 1947 he emigrated and met my grandmother in America and all of his decendents we are all living in America. My grandfather is still alive, he is almost 95 years old.

goodnews4: What ist he origin of you name Levi?

Brett Levi: My father is Levi, my grandfather is Dreyfus, my mother is Dreyfus, because my great-grandmother, who was born in Baden-Baden, her name was Lieblich, married Manfred Dreyfus from Muggensturm.

goodnews4: Do you feel sad every day for what has been done to your family?

Brett Levi: Personally I have very splitt emotions. On the one hand I have the most beautiful memories from Baden-Baden transmitted to me. I spoke everal months ago to my grandfather about Baden-Baden. He is now 95 and his memory is not so good and we were speaking about it and I was telling him that I just visited Baden-Baden and he turned to me and said: «Baden-Baden is the most beautiful city in the world.» That’s what he says about his childhood with his grandparents, he has the most sweet memories of Baden-Baden. And I see it, my family for the generations that they were there they felt very much at home, they were very much part of the community – the jewish community, the general community – because it was paradise. And so as a result, yes, it is very painfull to think about it.

goodnews4: Coming back to Baden-Baden was never an option?

Brett Levi: I don’t think it was ever an option. My great-grandparents hat already settled back in Strasbourg, they had opened a business in France after they left Germany. One sister didn’t survive and the other sister went to Australia.

goodnews4: And was there no chance for the family to get back the hotel?

Brett Levi: They did submit claims for restitution. I have found hundreds and hundreds of pages, which I have not been able to translate fully, but I think in the end they got a certain payment. I don’t know, if that was a fair payment but they received compensation for the hotel. When I read thru the archival file, it is very sad to read because for example there are several pages with a full inventory of everything that was in the hotel and they listed every single painting, every single item of the restaurant, the coffee spoons and fish knifes with the number of every item, the different persian rugs. It was a very elegant hotel, I think it was the most upscale of the jewish hotels in Baden-Baden. It was a very beautiful place. It is in the past, there is no way to re-establish it after the war. But we have the memories.

goodnews4: Are there any facts or events, about which you want to find out more?

Brett Levi: Yes, I am very curious about really what happened after the end of Worl War II with the property. I don’t really know much about who obtained the hotel and then what happened to all the content. Were all the content sold at auction and who has everything? Who has the paintings? I am not asking for a restitution I am curious I want to know where all the things went to. And I am very curious about the responce clearly after 1940 but then after 1945 of the general population in Baden-Baden. What was the discussion about what had happened? Was there a discussion? I expect maybe there wasn’t a public discussion, but was there any soulsearching with what has happened? We see it today of course. Today, 80 years later, people talk about it, but I am curious, if there was anything in the newspaper in the public record about discussions: What had happened to our neighbours? What have we done? What have we allowed to happen?

goodnews4: Does your family speak about what happened in the Kristallnacht? The synagogue was next to the Hotel Central.

Brett Levi: Of course, there was a reason the hotel was built next to the synagogue. There was always a connection between the hotel and the synagogue. Because my great-great-grandfather wanted that the guests should be able to stay in his hotel and then just cross the street to go to the synagogue. They were traditional jews, orthodox jews, their guests, people who stayed at the hotel were people who wanted to eat kosher food so they had to be in a hotel, that was close to a synagogue also. So the fate of the hotel and the fate of the synagogue were really connected. The only testemony I heard from my family about Kristallnacht was from my great-grandmother‘s sister, who survived and emigrated to Australia. I met her 15 or maybe even 20 years ago before she died. She was the only person in the family who survived and who was an eyewhitness to what happened in Baden-Baden. My great-great-grandfather died in 1945 in France in a hospital in a camp. So my grandfather’s aunt in Australia talked about how shocked she was to see all of the non-jewish neighbours who suddenly were filled with such hatred and she remembers them screaming: «Jude verrecke!» And she remembered signs on the buildings in Baden-Baden and at the entrance to Baden-Baden saying: «No jews allowed» and «No jews and dogs allowed». And things like that. But specifically on the day she remembers really the shock, the betrayal of seeing neighbours, people who she recognized from the neighbourhood, who were screaming terrible things about jews. Her husband was one of the people deported to Dachau on that day. My great-great-grandfather was not deported he was too old they did’t take him, but the younger jewish men were deported to Dachau and then I think most oft hem returned after a few months before they were deported to Gurs in 1940. So for her it was a very terrifying day, but terrifying not even so much about physical violence but seeing her world collapse, seeing the people of her neighbourhood who she might have considered being friends becoming suddenly so full of hatered.

goodnews4: Do you know, if members of your family had any contact with their former neighbours?

Brett Levi: I don’t know, I don’t think so. My family, my great-grandparents were living in Strasbourg so they were quite close to Baden-Baden and I know that they would return quite often to visit. I don’t know, if they were visiting friends, but they loved Baden-Baden, they loved the Schwarzwald, they were going every few weeks for a hike in the Schwarzwald and to sit in a Cafe in Baden-Baden. It was part of their life they had grown up with and they wanted to re-live it. There is a story about my great-grandmother. She would often go back to Baden-Baden and stay in a hotel for a week for the «Kur» and at that time in certain hotels they would ask when you checked in to the hotel what city you were born in. And when they asked her in what city she was born and she would say «Baden-Baden», she would burst out crying. It was so painful. It was very painful for her to be back there and to know that she was born there and yet it was all taken away from her. She went back, but she always went back as a visitor. She was always going back as a stranger not as a citizen. That was very painful to her. I have a lot of the family’s photographs from after the war from hikes in the Schwarzwald and in Baden-Baden. And untill today my family we are going back, every year we go back to Baden-Baden very regularly because we feel very much at home there. It is part of who we are. All of us grew up with the stories, all of us have been visiting our whole lives. We always visit the hotel building, we always visit the site of the synagogue and it is very important for us to be connected. Of course it doesn’t hurt that Baden-Baden is such a beautiful place. If we were from somewhere else less beauiful, maybe we wouldn’t visit so much. Of course we have a beautiful time visiting, but I think it is important for me personally to stay connected to the community. In recent years I have met the rabbi in Baden-Baden and I am very excited to watch the renewal of the jewish community, but in general we feel very connected to Baden-Baden, to the jews, to the non-jews, just to this place and the idea of a beautiful town that’s sensate around culture and sensate around nature. This is what it should be, what it should have been and the fact that my family didn’t continue to live there is very tragic, but we are trying to renew the connection.

goodnews4: Did you ever hear about people who helped your family or was it all bad?

Brett Levi: Because my family had a kosher hotel, all of their guest were jewish. And they were across the synagogue so they were living very much in a jewish community. I think many jews in Baden-Baden were more assimilated, they were not very religious and they had more non-jewish friends and so on. But my family, I think because of the business, because of their location, they were really very much in the core, in the heart of the jewish community. So I don’t know how many friends they had, who were not jewish, maybe they did, maybe they did’t, I don‘t know. But I think especially already in the mid 1930ies the social lives between jews and non-jews were strained. Maybe ten years before they had had non-jewish friends. But already at that time everybody understood, jews and non-jews didn’t socialize. That’s what happened with the racial laws in Germany. I never heard stories about that.

goodnews4: Did she ever mentioned names of Nazis in Baden-Baden?

Brett Levi: No, I never heard about that. Because the truth is I am sure that my great-grandmother’s sister, who was still in Baden-Baden on Kristallnacht, I assume that she knew who were the local Nazis, but when she talked to the family, when she wrote down her memoires, she did’t write about that. She wasn’t a bitter person, it wasn‘t anger, she wasn‘t looking for revenge. It was not published, she just wrote for the family her memories about that day. But I think that she was never angry or bitter, she wasn’t looking for denouncing Nazis. For her and the family it was just sadness. It was just a tragedy. Because they had such a beautiful life and such a beautiful community, they felt like a part of this place, it was so connected to the whole region, to the mountains, to the forrest. My family was only in Baden-Baden for less than 100 years but they were from the region, they were in southwestern Germany for 1.000 years. They didn’t know anywhere else. I think it was painful enough people who lived anywhere in Germany, anywhere in Europe, were expelled or arrested or deported, but the truth is Baden-Baden, which really is such a beautiful place, such a perfect place it is even more painful, because it was such a paradise and that made it even more painful. Not only because their life was so wonderful, but also because you expect from cultured people more. You expect, that people, who listen to the orchestra, who listen to classical music, who read poetry in such a beautiful place like Baden-Baden that they will not become killers. You expect they will not expel their neighbours, you expect more, these are educated people, cultured people, that’s the beauty, that’s part of the beauty of Baden-Baden untill today and you hold such people to a higher standard. And that’s really I think the betrial. It wasn’t that these were uneducated people who did it, they were the highest people, the most cultured.

goodnews4: In Baden-Baden is currently a discussion about the property of the old synagogue. The owner of a newspaper owns the property, she is 90 years old and maybe spiritually in the old time and she is not ready to give the place a new chance. Did you read about it?

Brett Levi: Yes, I read about it.

goodnews4: What do you think?

Brett Levi: First of all it goes without saying that the desiccion over where to build the synagogue is the desiccion of the local jewish community. Of course. It is their desiccion, it is not my desiccion. The people who live there today that’s their desiccion. And I think they decided on a location that’s not in the center but I think it will be a good place for a large new synagogue for the community and I think that’s wonderful. Ideally they would have had permission to built it in the old site. For me that would have been very symbolic and important, but it’s not possible. So the most important thing is they should build a synagogue in another place, in a place that is good for the community and I think that’s what’s happening. But seperately I do think it is very important for Baden-Baden as a community to decide what message they want to send to the local jewish community, to the global jewish community, to the world, to Germany, to history. To use the site of a former synagogue as a parking lot is just shameful. Everytime we visit it is just shocking to us that this is what’s on the site of the synagogue. So I really hope that one day, perhaps now it won’t be the synagogue as rebuilt but I think that site should be used for something meaningful. If not a synagogue, than a museum for the history of jews in the region or some other building that has a more nobel purpose. It is not going to happen tomorrow, it sounds like the newspaper doesn’t want to sell, so ok it is their property, but I think that as a community it has to be action, someone has to take leadership and really find a solution because it is not appropriate. But I think that if they can use the site for respectable purpose, I think that Baden-Baden would benefit, I think that more people would visit. I think it would be very good public relation for Baden-Baden, it would be a very nice sign. Given what’s happening in the world, we see today resurgence of anti semitism against many groups, racism and discrimination and I know that as a country as society Germany has done so much over the last decades to repare, to make up for what happened in the war and I know that my family as former german jews were very greatful. But I think locally Baden-Baden, the community, should contunue this and should use this site for something more respectable.

goodnews4: On the days we remember the Holocaust people come together and are sad. But beyond this nobody has the courage to speak up.

Brett Levi: Yes, it is regrettable, it is very sad and I hope that there will be a change. I hope that if you continue to write about it and to raise awareness I hope that more people listen.

goodnews4: And the last question: What do you do in New York City?

Brett Levi: I am a doctoral student, I am working on a PHD, I study jewish history and I am writing a dissertation on the history of territory and geographie in the thoughts, in the philosophy of orthodox jews after World War II. So I look at the ideologies and the strategies that animated the reconstruction of these communities after World War II in the United States and in Israel.

goodnews4: Thank you, Brett.


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