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HEUTE GENAU VOR EINEM JAHR: Ärzte und Pflegepersonal weiter unzureichend geschützt – Rastatter Landratsamtssprecherin Merklinger: "Teillieferungen Tropfen auf den heißen Stein"

HEUTE GENAU VOR EINEM JAHR: Ärzte und Pflegepersonal weiter unzureichend geschützt – Rastatter Landratsamtssprecherin Merklinger: "Teillieferungen Tropfen auf den heißen Stein"
Die Sorgen bei Ärzten und Mitarbeitern in Praxen, Kliniken und Pflegeeinrichtungen wegen des Mangels an Schutzausrüstung waren groß. Foto: Archiv

Baden-Baden, 07.04.2021, Bericht: Redaktion Was war heute vor einem Jahr? Die Schnelligkeit mit der das Leben vergeht ist eine Erfahrung, die man gleich nach den Kindertagen macht. «Ach ja, das ist schon wieder ein ganzes Jahr her», werden Sie vielleicht sagen, wenn Sie diesen Bericht lesen, den wir vor genau einem Jahr als Aufmacher veröffentlicht haben. Viel Spaß bei dieser ganz kleinen Zeitreise.



Ärzte und Pflegepersonal weiter unzureichend geschützt − Rastatter Landratsamtssprecherin Merklinger: "Teillieferungen Tropfen auf den heißen Stein"

Baden-Baden, 07.04.2020, 01:00 Uhr, Bericht: Christian Frietsch Die Sorgen bei Ärzten und Mitarbeitern in Praxen, Kliniken und Pflegeeinrichtungen sind groß. Nach dem Tod eines Baden-Badener Arztes rückt der Mangel an Schutzausrüstung noch mehr ins Blickfeld. Allein in stationären und ambulanten Pflegediensten sind etwa 2.500 Menschen im Landkreis Rastatt beschäftigt.

Der ausreichende Schutz vor Infektionen mit dem Coronavirus scheitert derzeit weiterhin an den Lieferschwierigkeiten von OP-Masken, Schutzkitteln, Atemschutzmasken, sogenannten Filtering Face Pieces im Falle von ausgeprägter Exposition wie Bronchoskopie, und auch Schutzbrillen fehlen. Ein Kampf um die schützenden Utensilien auf dem Weltmarkt ist entbrannt. goodnews4.de berichtete. Hoffnung auf eine schnelle Wende im Versorgungsdesaster gibt es nicht.

Gestern teilte Gisela Merklinger, Sprecherin des Landratsamtes Rastatt, auf Anfrage von goodnews4.de mit, dass heute die dritte Lieferung des Sozialministeriums verteilt werde. «Diese Teillieferungen sind leider nur ein Tropfen auf den heißen Stein», macht die Sprecherin des Landratsamtes keinen Hehl aus der Lage. Keine spürbare Verbesserung brachte die Durchführungsverordnung (EU) 2020/402 der EU-Kommission vom 14. März 2020 über die Einführung der Verpflichtung zur Vorlage einer Ausfuhrgenehmigung bei der Ausfuhr bestimmter Produkte. Vermutlich wäre die Lage noch angespannter als ohnehin ohne diese Verordnung.

Die Sorgen des medizinischen Personals teilt Gisela Merklinger: «Auch wir machen uns Sorgen um die Kliniken und Pflegeeinrichtungen und um das dort engagierte Personal. Wir können nur hoffen, dass das zuständige Sozialministerium schnelle Wege findet, den Mangel zu beseitigen. Und wir unternehmen alle Anstrengungen, um mit eigenen Einkäufen die Not zu lindern.»

Auch Roland Seiter, Sprecher des Baden-Badener Rathauses, schildert auf Anfrage von goodnews4.de die Maßnahmen des Baden-Badener Rathauses, das Sozialministerium bei seinem Mühen um Schutzeinrichtungen zu unterstützen.

Hygieneempfehlungen des Robert-Koch-Instituts: RKI: COVID-19 (Coronavirus SARS-CoV-2) Hygiene bei Behandlung von Patienten und RKI: COVID-19 (Coronavirus SARS-CoV-2) Hinweise zum Einsatz von Masken.


Das schriftliche goodnews4-Interview mit Gisela Merklinger Pressesprecherin und persönliche Referentin des Landrats des Landkreises Rastatt:

goodnews4: Wie viele Menschen sind im Landkreis Rastatt im Gesundheitswesen beschäftigt?

Gisela Merklinger: Ich gehe davon aus, dass Sie das Gesundheitsamt im Landratsamt meinen. Normalerweise 34, in der aktuellen Situation haben wir dort das Personal verdoppelt. Die zusätzlichen Mitarbeiter sind in der Kontaktermittlung und in der Kontaktpflege zu Menschen in häuslicher Quarantäne beschäftigt und erledigen auch Verwaltungsaufgaben. Es sind Mitarbeiter aus anderen Verwaltungsbereichen. Wie viele Menschen im gesamten Gesundheitswesen arbeiten, kann ich Ihnen nicht sagen. In den stationären und ambulanten Pflegediensten sind es ca. 2.500.

goodnews4: Welche Schutzausrüstungen benötigt man im Augenblick? Masken, Handschuhe, Schutzanzüge? Was ist dringend nötig?

Gisela Merklinger: Masken, Handschuhe, Schutzanzüge, alles wird dringend benötigt.

goodnews4: Welchen Anteil des Bedarfs kann man momentan decken? 30 Prozent? 50 Prozent? Mehr?

Gisela Merklinger: Wir verteilen morgen die dritte Lieferung des Sozialministeriums. Diese Teillieferungen sind leider nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

goodnews4: Was unternimmt das Landratsamt konkret, um die schwierige Lage zu entspannen?

Gisela Merklinger: Wir haben die Wirtschaftsregion Mittelbaden und auch die TechnologieRegion Karlsruhe um Unterstützung gebeten (siehe Pressemitteilung) und von dort die Bereitschaft erfahren. Entsprechende Initiativen müssen noch koordiniert werden. Außerdem versuchen wir über vielerlei Quellen das begehrte Schutzmaterial selber zu beziehen und dann weiterzugeben. Entsprechende Angebote werden gerade geprüft.

goodnews4: Bei dem medizinischen Personal und Pflegekräften ist die Sorge sehr groß, die Wortwahl «Kanonenfutter» geistert umher. Wer gibt denn Ratschläge, an wen können sich Kliniken und Pflegeeinrichtungen sich wenden? Wie kann man die Situation überbücken, solange kein Schutzmaterial zur Verfügung steht?

Gisela Merklinger: Auch wir machen uns Sorgen um die Kliniken und Pflegeeinrichtungen und um das dort engagierte Personal. Wir können nur hoffen, dass das zuständige Sozialministerium schnelle Wege findet, den Mangel zu beseitigen. Und wir unternehmen alle Anstrengungen, um mit eigenen Einkäufen die Not zu lindern.


Das schriftliche goodnews4-Interview mit Roland Seiter, Pressesprecher der Stadt Baden-Baden:

goodnews4: Wie viele Menschen sind in Baden-Baden im Gesundheitswesen beschäftigt?

Roland Seiter: Diese Frage können wir nicht beantworten, wo fängt «das Gesundheitssystem» an und wer gehört dazu? Eine genaue Zahl ist uns nicht bekannt. Bitte um Verständnis, wenn uns dazu derzeit einfach die Zeit fehlt.

goodnews4: Welche Schutzausrüstungen benötigt man im Augenblick? Masken, Handschuhe, Schutzanzüge? Was ist dringend nötig?

Roland Seiter: Alles wird nach wie vor dringend benötigt – außer Desinfektionsmittel, von dem der Handel inzwischen wieder ausreichend anbietet.

goodnews4: Welchen Anteil des Bedarfs kann man momentan decken? 30 Prozent? 50 Prozent? Mehr?

Roland Seiter: Das ist unterschiedlich bei Masken, Kleidung Handschuhen und ändert sich von Tag zu Tag. Hängt auch von den Einrichtungen ab. Zudem siehe Punkt 4.

goodnews4: Was unternimmt die Stadt konkret, um die schwierige Lage zu entspannen?

Roland Seiter: 1. Wir stehen im Schulterschluss mit dem Land, Landkreis und Gesundheitsamt hinsichtlich gemeinsamer Beschaffungen
2. Wir nutzen jeden Hinweis auf mögliche Lieferanten, die uns genannt werden
3. Wir suchen gemeinsam mit der Technologie Region Karlsruhe Firmen in unserer Region, die Schutzmaterial etc. produzieren können wie z.B. Firma Dach im LK RA zum Thema Schutzmasken oder Fa. Mussler (B-B) zum Thema Desinfektionsmittel
4. Wir bekommen über private Spender Hinweise auf selbstgenähte Schutzmasken, die z.B. über Service Clubs finanziert werden
5. Wir bekommen Angebote zum Nähen von Schutzmasken von hiesigen Schneidereien, auch Kolleginnen haben Schutzmasken an den Wochenenden genäht
6. Wir bekommen Hinweise von international vernetzten Firmen und Institutionen wie z.B. dem KIT in Karlsruhe zu möglichen chinesischen Lieferanten von Schutzausrüstung – dort allerdings immer Vorkasse und nicht ganz klare Lieferwege bzw. Lieferzuverlässigkeit, teilweise verbunden mit extrem hohen Preisen.
7. Erhalten auch Angebote für Gesichtsschutzmasken im Rahmen von Spenden.
8. Inzwischen arbeitet auch der Verwaltungsstab des Katastrophenschutzstab – als Stab für besondere Anlässe. Bestimmte Abläufe, wie Beschaffungen etc. lassen sich so noch besser koordinieren.

goodnews4: Bei dem medizinischen Personal und Pflegekräften ist die Sorge sehr groß, die Wortwahl „Kanonenfutter“ geistert umher. Wer gibt denn Ratschläge, an wen können sich Kliniken und Pflegeeinrichtungen sich wenden? Wie kann man die Situation überbücken, solange kein Schutzmaterial zur Verfügung steht?

Roland Seiter: Bei dieser Frage bitten wir direkt im Klinikum und bei den Pflegeeinrichtungen nachzufragen.


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