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HEUTE GENAU VOR EINEM JAHR: "Sie wissen ja, dass auch ich eine Woche in Quarantäne war" – goodnews4-Skype-Interview mit Stadtrat Martin Ernst – 8.000 Baden-Badener ohne Internetzugang

Baden-Baden, 08.04.2021, Bericht: Redaktion Was war heute vor einem Jahr? Die Schnelligkeit mit der das Leben vergeht ist eine Erfahrung, die man gleich nach den Kindertagen macht. «Ach ja, das ist schon wieder ein ganzes Jahr her», werden Sie vielleicht sagen, wenn Sie diesen Bericht lesen, den wir vor genau einem Jahr als Aufmacher veröffentlicht haben. Viel Spaß bei dieser ganz kleinen Zeitreise.



"Sie wissen ja, dass auch ich eine Woche in Quarantäne war" − goodnews4-Skype-Interview mit Stadtrat Martin Ernst − 8.000 Baden-Badener ohne Internetzugang

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goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit Martin Ernst

Baden-Baden, 08.04.2020, 00:00 Uhr, Bericht: Christian Frietsch Schätzungsweise 8.000 Baden-Badener haben keinen oder nur indirekten Zugang zum Internet. In Zeiten der Corona-Krise und der Kontaktsperren insbesondere für ältere Menschen eine große Beeinträchtigung. So ist eine Initiative von Stadtrat Werner Schmoll, SPD, mehr als notwendig. goodnews4.de berichtete. Auch die Baden-Badener Kommunalpolitik wird durch die Corona-Krise näher an moderne Kommunikationsformen herangeführt.

Im neu eingerichteten goodnews4-Skype-Studio war der nun auf die neue Kommunikationsform bekehrte FBB-Stadtrat Martin Ernst erster virtueller Gast. Geantwortet auf die goodnews4-Interview-Anfrage hatten nach Martin Ernst in dieser Reihenfolge auch geantwortet*: Joachim Kuhs, AfD, Kurt Hermann, AfD, Rolf Pilarski, FDP, Kurt Hochstuhl, SPD. Im ersten goodnews4-Skype-Interview schildert Martin Ernst seinen Alltag in Zeiten der Corona-Beschränkungen.

«Sie wissen ja – oder wissen es nicht – dass ich eine Woche auch in Quarantäne war und da bleibt einem gar nichts anderes übrig, als dass man neue Medien ausprobiert. Und genau das mache ich jetzt auch und freue mich, dass ich mit Ihnen erstmalig skypen darf.»

Und dann nutzte Martin Ernst als erster Baden-Badener Stadtrat den goodnews4-Skype-Medien-Mitteilungsservice und sprach sein Statement in die Kamera seines Computers in seinem Büro. Eine goodnews4-Serie mit anderen Kommunalpolitikern folgt. Nach Auskunft von Rathaus-Sprecher Roland Seiter sollen Skype-Interviews mit Oberbürgermeisterin Margret Mergen, Erster Bürgermeister Alexander Uhlig und Bürgermeister Roland Kaiser auch zeitnah möglich sein.

*Keine Reaktion gab es bisher auf die goodnews4-Skype-Anfrage von der Baden-Badener CDU-Fraktion. Die Fraktion der Grünen im Baden-Badener Gemeinderat hatte grundsätzlich mitgeteilt, Interviewanfragen «können Sie sich sparen». goodnews4.de berichtete. Die Freien Wähler halten ihren Interview-Boykott seit der Leo-Affäre ebenfalls aufrecht.


Abschrift des goodnews4-VIDEO-Interviews mit Martin Ernst, FBB-Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat Baden-Baden:

goodnews4: goodnews4Baden-Baden, mein Name ist Nadja Milke und nicht per Telefon, sondern über Skype verbunden bin ich jetzt mit Martin Ernst, Fraktionschef der Freien Bürger für Baden-Baden im Baden-Badener Gemeinderat. Hallo, Herr Ernst.

Martin Ernst: Grüß Gott, Frau Milke.

goodnews4: Herr Ernst, ist denn die Corona-Krise bei Ihnen schon zum Alltag geworden? Darf ich fragen, ob sich denn Ihr Tagesablauf geändert hat?

Martin Ernst: Frau Milke, selbstverständlich ja, aber nicht freiwillig, sondern gezwungenermaßen. Sie wissen ja – oder wissen es nicht – dass ich eine Woche auch in Quarantäne war und da bleibt einem gar nichts anderes übrig, als dass man neue Medien ausprobiert. Und genau das mache ich jetzt auch und freue mich, dass ich mit Ihnen erstmalig skypen darf.

goodnews4: Warum waren Sie denn in Quarantäne? Waren Sie mit jemandem zusammen, der mit Corona infiziert war oder haben Sie selbst das Virus erwischt?

Martin Ernst: Nein, ich war mit jemand unterwegs und der meldete sich etwa zehn Tage später, dass er positiv ist und dann ist es automatisch, dass sie einen Anruf erhalten vom Gesundheitsamt, dass sie 14 Tage seit sie mit dieser Person unterwegs waren in Quarantäne sein müssen. Ich war dann eine Woche in Quarantäne, wurde zweimal getestet und zweimal negativ. So kann ich heute wieder mit Ihnen skypen.

goodnews4: Das Internet muss manchmal für alles Übel in der Welt herhalten, in der physisch kontaktlosen Corona-Zeit ist es aber eigentlich die Rettung des sozialen und geschäftlichen Dilemmas und Daseins. Wie kommunizieren Sie mit Freunden und Geschäftspartnern? Ist Skype für Sie ein alltägliches Mittel oder FaceTime, es gibt ja auch noch viele andere Möglichkeiten?

Martin Ernst: Frau Milke, Skype habe ich jetzt eingerichtet erstmalig und ich sehe, dass es ein Medium ist, mit dem ich mich anfreunden kann. Aber grundsätzlich, Frau Milke, ist es ja so: Jeder Mensch hat ja seine Vorlieben – der eine simst gerne, der andere mailt gerne. Ich bin ein Telefonierer. Ich telefoniere gerne. Wenn ich eine Botschaft habe, rufe ich durch, weil wenn man eine Stimme hört, ist das noch einmal etwas anderes, als wenn man simst. Skype ist doch etwas unpersönlicher als wenn ich direkt telefonieren kann.

goodnews4: Auch die Politiker stellen sich um auf Video-Konferenzen, Livestreams, Skype-Gespräche und Podcasts. Gibt es den zwischen Rathaus und Stadträten einen Workflow für eine Online-Kommunikation?

Martin Ernst: Der Workflow vom Rathaus zu uns Stadträten läuft eigentlich über Mail. Neuerdings ist es so, dass es auch Umlaufbeschlüsse gibt. Aber ansonsten kenne ich den direkten Kontakt eigentlich per Mail. Ganz, ganz, ganz selten, alle zwei Monate, erhalten sie einen Anruf aus dem Rathaus. Aber eigentlich war das schon immer so, dass, wenn man Mitteilungen hat, das über den Mailverkehr geht.

goodnews4: Was bedeutet denn Umlaufbeschlüsse? Sind das Entscheidungen, die normalerweise im Gemeinderat getroffen werden?

Martin Ernst: Korrekt, der Umlaufbeschluss ist ja ein weiteres Medium, wenn Sie es so wollen, wie das Rathaus sich von den Stadträten eine Zustimmung oder Ablehnung einholen kann. Um nicht ständig in dieser coronaschwangeren Zeit den Gemeinderat einberufen zu müssen ist es so, dass man auch Umlaufbeschlüsse macht, zum Beispiel bei Besetzungen von Positionen, dass man die ganzen Unterlagen mit den Tagesordnungspunkten per Mail erhält und dann sagt: «Ok, ich stimme zu.» Oder: «Ich stimme nicht zu.»

goodnews4: Aber müsste das denn nicht öffentlich gemacht werden?

Martin Ernst: Es gibt Personalbesetzungen, die im nichtöffentlich Teil sind, und insofern kann man einen solchen Umlaufbeschluss natürlich auch auf diese Art und Weise einholen.

goodnews4: Ab sofort führt goodnews4.de einen Skype-Medien-Mitteilungsservice ein. Auch für alle Fraktionen und Stadträte im Baden-Badener Gemeinderat. Was bisher auf Papier oder in einer Datei stand, ist jetzt als Medien-Statement möglich. Ihnen bleibt es vorbehalten, Herr Ernst, der Erste zu sein in der Baden-Badener Kommunalpolitik das zu nutzen. Haben Sie denn etwas auf dem Herzen? Starten Sie doch am besten mit «Mein Namen ist Martin Ernst, FBB-Fraktionsvorsitzender, und mein Medien-Statement auf goodnews4.de zum Thema xy ist…»

Martin Ernst: Mein Name ist Martin Ernst, ich bin Fraktionschef der Freien Bürger für Baden-Baden. Mein Fraktionskollege Markus Fricke hat in der letzten Gemeinderatssitzung, die ja die erste Gemeinderatssitzung war, die im Kongresshaus stattfand, einen Blick geworfen auf die Zeit nach der Krise. Und ich habe selbst gestern festgestellt, dass der Bund und das Land mit ihren Förderprogrammen und Hilfen extrem gut funktionieren. Ich habe drei Firmen erlebt, die vor drei Tagen einen Antrag stellten, also vor drei Werktagen, und das Geld gestern auf ihrem Konto hatten. Also schneller kann man wirklich nicht reagieren. Aber auch unsere Oberbürgermeisterin hat in dieser Gemeinderatssitzung gesagt, wir müssen uns auf Zeiten einstellen und der gesamte Haushalt ist Makulatur. Wir haben zwar als Gemeinderäte einen Nachtragshaushalt mit zehn Millionen Euro genehmigt, aber letztendlich sind wir uns alle klar, das Geld muss aufgebracht werden durch die Bürger Baden-Badens. Und wir sollten uns fraktionsübergreifend ohne Parteigeplänkel überlegen, wie wir den Haushalt und die ganzen Möglichkeiten so konstruieren, dass wir keine Gebühren hochziehen müssen, dass wir keine Steuern erhöhen müssen, sondern wir müssen gemeinsam agieren, jeder mit seinem Wissen, wie können wir den Stadtsäckel so entlasten, dass diese drastischen Einbußen nicht letztendlich im Portemonnaie unserer Bürger hängenbleibt.

goodnews4: Aber das würde doch nur über drastische Einsparungen möglich sein, oder?

Martin Ernst: Oder durch Kreativität. Kreativität, Frau Milke, kostet nichts, man muss sich nur überlegen, wie man diese Themen handlen kann. Und das muss jeder Firmenchef machen, dass er sich überlegt, wie er, ohne mit der Gießkanne sein Geld aus dem Fenster zu gießen, zusätzliche Einnahmen generiert. Und das sollte man in einer Task Force parteiübergreifend machen, denn dieses Thema eignet sich nicht dafür, dass man Parteigeplänkel macht, sondern wir müssen uns konstruktiv alle Parteien und Fraktionen an einen Tisch setzen und sagen: «Wie können wir der Stadtverwaltung helfen, dass man diese finanziell schwierigen Zeiten möglichst gemeinsam meistert?»

goodnews4: Wann sollte man da loslegen mit dieser Task Force?

Martin Ernst: Hoffentlich in 14 Tagen, wenn die Lockerungen kommen, dass man wieder anstatt sozialer Distanz soziale Nähe aufbauen kann und sobald es möglich ist, sollten wir damit starten.

goodnews4: Ich bedanke mich für dieses Interview, heute zum ersten Mal per Skype, Martin Ernst.

Martin Ernst: Vielen Dank, Frau Milke, auch mir hat es Spaß gemacht. Danke schön.

Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de.

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