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Keine Rattenplage im Stadtkreis

Hungrige Ratten kommen in Wohngebiete – „Hotspots“ in Baden-Baden – Rathaus empfiehlt: „Kadaver mit Handschuhen oder Schippe entsorgen“

Hungrige Ratten kommen in Wohngebiete – „Hotspots“ in Baden-Baden – Rathaus empfiehlt: „Kadaver mit Handschuhen oder Schippe entsorgen“
Ursache für das Rattenaufkommen sind eine falsche Mülltrennung und auch geöffnete Mülltonnen. Foto: Pixabay

Baden-Baden, 27.03.2021, Bericht: Redaktion Angeblich sollen in Baden-Baden mehr Ratten leben als die Stadt Einwohner hat. Nun macht sich ein neues Phänomen breit.

Eine der Auswirkungen der Corona-Pandemie ist auch das Vordringen von Ratten in die Nähe von Wohnbereichen, da die Tiere sich wegen der Schließung von Restaurants und den nicht mehr verfügbaren Abfällen vermehrt Futter in Wohngebieten suchen. Viele Menschen, die nun während der Pandemie vermehrt zu Hause kochen, entsorgen Lebensmittelreste in der Toilette, womit sie die Ratten geradezu einladen, sich neu zu orientieren. Das Rathaus Baden-Baden beantwortet in einer goodnews4-Anfrage Einzelheiten zu Bekämpfung der Rattenpopulation in der Stadt.

«Innerhalb von Baden-Baden gibt es punktuelle Gebiete, in denen ein stärkeres Rattenaufkommen als in den restlichen Gebieten erkennbar ist», erklärt das Baden-Badener Rathaus auf goodnews4-Anfrage. Diese «Hotspots» hätten sich jedoch im Laufe der Pandemie nicht wesentlich verändert und es sei für die Stadtverwaltung auch nicht erkennbar, dass sich die Rattenpopulation durch die Pandemie vermehrt hat. Zum Verbreitungsgebiet der Nager erklärt das Rathaus, dass sie in der Kanalisation, an Gewässern, auf Park- und Grünflächen und auf Privatgrundstücken vorkommen. «Wo es den Menschen gibt, da gibt es Ratten.» Von einer Rattenplage will das Rathaus aber nicht sprechen.

Zuständig für die Bekämpfung von Ratten im Stadtgebiet sind die Fachgebiete Tiefbau und Baubetrieb, Park und Garten, öffentliche Ordnung und die Stadtwerke Baden-Baden. Als öffentlicher Kanalnetzbetreiber sind die Stadtwerke Baden-Baden für die Kanalisation zuständig und auf Privatgrundstücken die jeweiligen Grundstückseigentümer für das Rattenaufkommen verantwortlich.

Ursache für das Rattenaufkommen sind eine falsche Mülltrennung und auch geöffnete Mülltonnen. Aber auch die unsachgemäße Entsorgung von Müll und das Füttern von Wildtieren wie Enten, Tauben spielen nach Angaben des Rathauses eine große Rolle im Hinblick auf die Ausbreitung von Ratten. Eine genaue Zahl über das Rattenaufkommen innerhalb von Baden-Baden kann das Rathaus nicht nennen. Derzeit werde die Rattenbekämpfung als klassisches Monitoring durchgeführt, das heißt, dass die der Stadtverwaltung bekannten Stellen regelmäßig mittels Monitorköder kontrolliert werden. «Gibt es keine Hinweise auf Ratten mehr, werden keine neuen Köder ausgelegt, um somit ein unnötiges Beködern zu vermeiden», heißt es auf goodnews4-Anfrage vom Rathaus. «Es ist vorgesehen, diese Vorgehensweise auszubauen und durch ein digitales Monitoring zu ergänzen. Hierfür sind bereits entsprechende Mittel im kommenden Haushalt vorgesehen. Durch die digitale Erfassung der Ratten können wir zukünftig Rückschlüsse über die Anzahl ziehen.»

Ungefährlich sind die Nager nicht, denn bei der Ratte handelt es sich um ein weltweit verbreitetes Nagetier, das sehr häufig als Vorrats- Material- und Gesundheitsschädling auftritt, erklärt das Rathaus. «Ratten besitzen eine hohe Vermehrungsrate. Sie dienen einerseits als stabiles Erregerreservoir, sind andererseits aber, in Abhängigkeit vom Erreger und dessen geographischer Verbreitung, gleichzeitig Erregerverschlepper oder -überträger.» In der Regel bringen Rattenweibchen bis zu sechsmal im Jahr rund acht Junge zur Welt, die wiederum bereits nach zwei Monaten geschlechtsreif sind und sich selbst fortpflanzen können. Demnach könne sich, so das Baden-Badener Rathaus, auch ein anfangs sehr kleiner Rattenbefall relativ schnell ausweiten. Die Ratten können Krankheiten wie Leptospirose, Salmonellose und Hepatitis E übertragen, aber auch Hantaviren, Toxoplasmen und Erreger der Cholera sowie die Pest. Zudem sind Ratten auch Überträger von Krankheitserregern im Freiland. «Diese Erreger können durch Zecken und Flöhe auf den Menschen und Tiere übertragen werden», heißt es auf goodnews4-Anfrage weiter vom Rathaus. «Auch Tierseuchen wie Maul- und Klauenseuche, Schweinepest und Geflügelpest sind hier hervorzuheben.» Übertragen werden die Krankheiten selbst, je nach Erreger, über Staubpigmente von Kot und Urin oder direkten Kontakt mit Speichel oder Blut der Ratte. «Kadaver von Ratten sollten aus diesem Grund immer mit Handschuhen oder einer Schippe entsorgt werden», lautet die Empfehlung aus dem Rathaus.

Ein schwerwiegendes Hygieneproblem stellt das Vorkommen von Ratten in den Bereichen Einzelhandel und Gastronomie, in denen gewerblich mit Lebensmitteln umgegangen wird, dar. Grundsätzlich sind die Lebensmittelunternehmer nach Angaben des Rathauses verpflichtet, in eigener Verantwortung tätig zu werden. «So müssen sie z.B. das Eindringen von Schadnagern in die Betriebsräume durch bauliche Vorkehrungen verhindern», heißt es in der Mitteilung auf Anfrage von goodnews4. «Äußerst wichtig in diesem Zusammenhang ist auch die ordnungsgemäße Mülllagerung, da Ratten durch frei zugängliche Abfälle angelockt werden.» Zudem müssen sie ein Schädlingsmonitoring System in ihrem Betrieb installieren. «Das heißt, die LM Unternehmer müssen auch präventiv tätig werden». Auch sind schriftliche Nachweise zu führen und ein Befall beispielsweise mit Ratten oder Mäusen zu dokumentieren. Ebenso seien bei Schädlingsbefall entsprechende Maßnahmen zu ergreifen und durchzuführen. Dazu zählt das Rathaus beispielsweise die Beauftragung eines Schädlingsbekämpfungsunternehmens. Die Bekämpfungsmaßnahmen selbst, sowie der Erfolg seien ebenfalls zu dokumentieren. «Die Verpflichtung hierzu ist in diversen EG Verordnungen (hauptsächlich VO (EG) 852 / 2004) und nationalen Gesetzen des Lebensmittelrechts (LFGB) geregelt», erklärt das Rathaus. «Betriebe, die diesen Verordnungen unterliegen werden durch die Lebensmittelüberwachung kontrolliert. Die Lebensmittelüberwachung überprüft bei ihren Regelkontrollen unter anderem, ob ein Schädlingsbefall vorliegt, ob die baulichen Gegebenheiten ein Eindringen von Nagern verhindern, die Mülllagerung den Erfordernissen entspricht und ob ein funktionierendes System zur Überwachung von Schädlingen (Monitoring) im Betrieb eingerichtet ist. Verstöße gegen diese Vorgaben werden entsprechend geahndet.»


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