Leserbrief

Leserbrief „Meine Meinung“ – „Bedeutung dieses Schildes vielen (Radfahrern) nicht bekannt, vermutlich auch den Herren Schmoll und Pilarski nicht?“

Baden-Baden, 03.05.2021, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Oliver Haungs Stellung zu dem goodnews4-Bericht Konflikte rund ums Festspielhaus − «Fahrradfahrer versuchen Fußgänger zur Seite zu drängen» − Stadträte Schmoll SPD und Pilarski FDP fordern Schild «Vorrang Fußgänger».

Beim Miteinander von Fußgänger und Radfahrern in Baden-Baden steht es nicht zum Besten. Gegenseitige Rücksichtnahme, das sieht man jeden Tag, ist ein Fremdwort. Dabei schiebt die eine Gruppe Verkehrsteilnehmer der anderen die Schuld in die Schuhe für die schlechte Koexistenz. Mit ihrem Vorschlag ein zusätzliches Schild im Schilderwald aufzustellen, schießen die beiden Stadträte allerdings weit über das Ziel hinaus! Denn es hängt bereits vor Ort. Es ist das kleine weiße Verkehrsschild mit der Nr. 1022-10, auf dem ein schwarzes Fahrrad und darunter «FREI» steht.

Die Bedeutung dieses kleinen Schildes dürfte vielen (Radfahrern) nicht bekannt sein, vermutlich auch den Herren Schmoll und Pilarski nicht? Es regelt nämlich klipp und klar das respektvolle Miteinander auf den betreffenden Wegen u. a. rund ums Festspielhaus bis zum Verfassungsplatz. Grundsätzlich ist es wichtig zu wissen, dass auf Wegen mit diesem kleinen Zusatzschild 1022-10 Radfahrer nur «zu Gast» sind. Radfahrer müssen hier auf Fußgänger Rücksicht nehmen (Anlage 2 Abschnitt 5 Sonderwege laufende Nummer 18 StVO). Des weiteren dürfen Fußgänger durch Radfahrer weder gefährdet, noch behindert werden (Anlage 2 Abschnitt 5 Sonderwege laufende Nummer 18 StVO). Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, da Radfahrende durch Autofahrer, die den Mindestabstand von 1,5 m bzw. 2 m nicht einhalten, tagtäglich am eigenen Leib erfahren, wie unangenehm und gefährlich es ist, wenn Autos an einem vorbeirasen. Noch schlimmer geht es Fußgängern, denn die herannahenden Räder kann man kaum hören im Gegensatz zu Autos. Das bedeutet für überraschte Fußgänger oft ein Erschrecken. Bereits diese Fakten alleine zeigen wie überflüssig ein zusätzliches Hinweisschild «Vorrang Fußgänger» ist!

In Kombination mit dem Fußwegschild Nr. 239 (in weiß stilisierte Frau mit Kind an der Hand auf blauem Untergrund) gibt das «Radfahrer FREI» Schild Nr. 1022-10 außerdem die zu fahrende Geschwindigkeit vor: Es darf nur in Schrittgeschwindigkeit gefahren werden, was um den Wert von 7 km/h mäandern dürfte. Bei den vielfältigen unvorhersehbaren Implikationen beim Passieren von Fußgängern, empfiehlt es sich außerdem aus respektvoller Entfernung ein kurzes Klingelzeichen abzusetzen, um Fußgänger nicht zu erschrecken. Die Fußgänger selbst sollten das nicht als ein feindseliges Wegklingeln falsch interpretieren, sondern vielmehr als freundliche Geste der Ankündigung der Vorbeifahrt würdigen.

 

Radfahrer sind Verkehrsteilnehmer, von denen man erwarten darf, dass sie sich mit den Verkehrsregeln und der Bedeutung von Beschilderungen auskennen. Bei Unwissenheit ist im Internet heute alles leicht recherchierbar. Zu dem Vorschlag Zusatzschilder aufzuhängen, muss ich sagen, er kommt einen Monat zu spät, er hätte gut als 1.April-Scherz getaugt. Wenn das Schule machte, müsste man an jedes Verkehrsschild künftig eine zusätzliche (hand)schrifltiche bedeutungserklärende Ergänzung anbringen, das ist ja lächerlich.

Es wäre schon hilfreich, wenn Radfahrer und Fußgänger getrennt ihre eigenen Wege hätten, auf denen sie sich nicht ins Gehege kommen. Denn es konterkariert den Sinn des Radfahrens, wenn man auf nennenswerten Strecken nur im Schneckentempo schleichen kann. Immerhin steht das Rad im Wettbewerb um mehr Umweltfreundlichkeit, Lebensqualität und Nachhaltigkeit, aber auch um innerstädtisch zügiges Vorankommen, mit dem Verkehrsmittel Auto.

Oliver Haungs
Muggensturm


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