Leserbrief
Leserbrief „Meine Meinung“ – „Die aus Litauen stammende Sängerin Asmik Grigorian im Baden-Badener Festspielhaus“ – „Was würde wohl die AfD Sachsen-Anhalt zu diesem Konzert meinen?“
Baden-Baden, 16.05.2026, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Boris Fernbacher Stellung zu dem goodnews4-Bericht Osterfestspiele Baden-Baden – Ein großer Abend für die große Sängerin Asmik Grigorian – Gastkommentar von Inga Dönges.
Im Baden-Badener Festspielhaus präsentierte die aus Litauen stammende Sängerin Asmik Grigorian Lieder der russischen Komponisten Peter Tschaikowsky und Sergej Rachmaninow. Was würde wohl die AfD Sachsen-Anhalt zu diesem Konzert ohne jeglichen Bezug zu deutscher Kultur meinen? In ihrem neuen Programm für den Fall einer Regierungsübernahme kündigt sie eine «neue patriotische Kulturpolitik» an. Diese soll «den Deutschen ihr Selbstbewusstsein zurückgeben». In Zukunft will die AfD «vorwiegend solche Kunst fördern, die einen Beitrag zur deutschen Identitätsfindung leistet». Dies hat mich angeregt, in drei ausgewählten Bereichen der Kunst mal nach dem spezifisch deutschen und der deutschen Identität zu suchen:
ARCHITEKTUR: Als besonders deutsch gelten vielen Menschen die imposanten mittelalterlichen Kirchenbauten in Köln, Freiburg oder Ulm. Der Bau gotischer Kathedralen begann aber nicht auf deutschem Boden, sondern in der um Paris gelegenen Region Île-de-France. Von dort aus breitete sich der neue Baustil in fast ganz Europa aus. Unser von Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden errichtetes Schloss in Rastatt greift nicht auf deutsche Bautraditionen, sondern auf die des französischen Schloss Versailles zurück. Das für die Avantgarde der Klassischen Moderne stehende Bauhaus in Dessau war mit Lehrern wie dem Russen Wassily Kandinsky, dem Amerikaner Lyonel Feininger oder dem Niederländer Theo van Doesburg mehr kosmopolitisch als deutsch ausgerichtet.
MUSIK: Johann Sebastian Bachs Musik gilt vielen Menschen als besonders deutsch. Dabei synthetisierte der Thomaskantor die kontrapunktische Strenge norddeutscher Meister mit der melodischen Eleganz italienischer Komponisten, wie Vivaldi, und der rhythmischen Eleganz der französischen Schule. Bach sah seine Musik als einen Dienst an Gott. Seine Werke signierte er mit «Soli Deo Gloria» («Allein zur Ehre Gottes»), und nicht mit «Pro Gloria et Patria» («Für Ruhm und Vaterland»). Von Halle an der Saale nach London zog es Georg Friedrich Händel, der dort unzählige Opern im italienischen Stil sowie das Oratorium Messiah mit englischem Text komponierte. In den rund 80 Liedern von Beethoven geht es um die ferne Geliebte (op. 89), in Italien blühende Zitronen (Mignon) oder den Monat Mai (op. 52,4), aber nie um das deutsche Vaterland.
LITERATUR: Themen aus anderen Ländern waren schon immer ein fester Bestandteil der deutschen Literatur. Wie können Schillers im französischen Mittelalter spielende Drama Die Jungfrau von Orleans oder die vielen Figuren aus der antiken Mythologie in Goethes Werken «einen Beitrag zur deutschen Identitätsfindung» leisten? Wie soll Hermann Hesses in Indien spielender Roman Siddhartha «den Deutschen ihr Selbstbewusstsein zurückgeben»?
Viele Politiker und Anhänger der AfD scheinen in ihrem auf Deutschland fixierten Weltbild nicht zu begreifen, dass die auf deutschen Boden entstandene Kultur in der Volkskunst eher regional (bayrisch, pfälzisch, norddeutsch, alemannisch, usw.) und im Bereich der Hochkultur eher international geprägt, als einfach nur Deutsch ist. Eine Kulturpolitik im Sinne der AfD wäre deshalb eher eine Verarmung und Verengung als eine Bereicherung unseres kulturellen Lebens.
Boris Fernbacher
Baden-Baden
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