Leserbrief
Leserbrief „Meine Meinung“ – „Entsetzen und Fremdscham“ –„Maßlos enttäuscht von Ex-OB Gerstner“
Baden-Baden, 21.03.2026, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Maurice Berghofer Stellung zu dem goodnews4-Bericht OB-Stichwahl in Baden-Baden – goodnews4-Wahlempfehlung: Thomas Jung – Begründung und Kommentar von Christian Frietsch.
Mit einer Mischung aus Entsetzen und erheblicher Fremdscham habe ich heute einen Beitrag unseres ehemaligen Oberbürgermeisters Gerstner in den sozialen Medien zur Kenntnis genommen.
Bislang hatte ich ein respektables Bild von ihm. Umso befremdlicher ist es, nun erleben zu müssen, wie er sich in diesen Wahlkampf einbringt – und zwar auf eine Weise, die weniger von Sachlichkeit als von gezielter Stimmungsmache geprägt ist. In seinem Beitrag wird der Eindruck konstruiert, als hätten sich Thomas Jung oder dessen Unterstützer nicht an Regeln gehalten. Ein schwerwiegender Vorwurf – nur leider ohne erkennbares Fundament.
Ich habe den Wahlkampf aufmerksam verfolgt, zahlreiche Veranstaltungen besucht – unter anderem im Rathaus und im Benazetsaal – und kann diese Darstellung in keiner Weise bestätigen. Im Gegenteil: Wer die vergangenen Wochen ernsthaft beobachtet hat, konnte vielmehr den Eindruck gewinnen, dass das Niveau der Auseinandersetzung insbesondere aus dem Umfeld von Frau Wischhusen und Teilen der CDU systematisch abgesenkt wurde. Dort wird mit Unterstellungen gearbeitet, dort wird reflexhaft die «AfD-Keule» geschwungen, dort wird versucht, politische Gegner moralisch zu diskreditieren, anstatt sich mit Inhalten auseinanderzusetzen. Öffentlichkeitswirksam vielleicht – aber inhaltlich unerquicklich und eines kommunalen Wahlkampfes schlicht unwürdig. Einzelne Auftritte aus diesem Umfeld waren dabei nicht nur peinlich, sondern geradezu beschämend. Allen voran die Anzeige von Stadtrat Bloedt-Werner.
Was an den erhobenen Vorwürfen tatsächlich dran ist, wurde von verschiedenen Seiten – unter anderem von Herrn Klocke und Herrn Herrmann – bereits deutlich gemacht: NICHTS! Belastbares.
Und ausgerechnet Herr Gerstner greift nun genau dieses Niveau auf. Ein ehemaliger Oberbürgermeister, der gut beraten gewesen wäre, bei der Linie zu bleiben, die ihm lange Respekt eingebracht hat: Zurückhaltung und Überparteilichkeit. Beides scheint inzwischen über Bord geworfen.
Das Verhalten der CDU fügt sich nahtlos in dieses Bild ein. Abgewählte, weil unbeliebte Ex-OBs versuchen für die CDU-Kandidatin, die eigentlich ja gar keine sein möchte, Stimmung zu machen und die Landtagsabgeordnete von Loga, hat ihre Liebe zu Frau Wischhuse ganz plötzlich entdeckt, just als die Wählerinnen und Wähler ihr bereits die Stimme bei der Landtagswahl gegeben hatten.
Statt für Aufklärung zu sorgen, wird bei der CDU geschwiegen. Statt Fragen zu beantworten, werden Interviews verweigert. Statt Vertrauen zu schaffen, wird der Eindruck erweckt, man habe selbst erkannt, wie unerquicklich die Antworten ausfallen könnten. In der Bürgerschaft wächst daher zunehmend der Eindruck, dass entweder die eigene Kandidatin im Vorfeld nicht ausreichend geprüft wurde – oder dass man bewusst darauf gesetzt hat, dass kritische Punkte schon nicht ans Tageslicht kommen oder zumindest nicht allzu sehr ins Gewicht fallen würden. Beides wäre gleichermaßen unerquicklich und politisch verantwortungslos.
Sollte sich diese Kandidatur als das erweisen, was sie inzwischen für viele bereits ist – ein politisches Fiasko –, dann wird sich die CDU nicht nur inhaltlich, sondern auch personell neu aufstellen müssen. Die Frage nach Verantwortung wird sich unweigerlich stellen. Ob der Kreisvorsitzende in einer solchen Situation die nötige Konsequenz zeigt, darf bezweifelt werden. Ebenso, ob die Partei die innere Stärke besitzt, sich von offenkundigen Fehlentwicklungen zu trennen.
Eines jedoch steht schon jetzt fest: Dieser Wahlkampf hat Spuren hinterlassen – und zwar keine guten. Das Vertrauen in die politische Kultur dieser Stadt ist durch die größte Fraktion in Baden-Baden nachhaltig beschädigt.
Maurice Berghofer
Baden-Baden
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