Leserbrief

Leserbrief „Meine Meinung“ – „Fassungslosigkeit über die deutsche Arbeitsmoral bedient Vorurteile“ – „Komplexität statt Polemik“ – Zum Leserbrief Martin Müller-Petersen

Baden-Baden, 30.01.2026, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Karl-Georg Degenhardt Stellung zu dem Leserbrief von goodnews4-Leser Martin Müller-Petersen .

Herr Müller-Petersen erläutert uns nun schon geraume Zeit seine Sicht der Dinge – nach dem Modell «Wie erklärt sich klein Fritzchen die Welt». Ich schlage vor, ihm den Ehrentitel «Wiki-Müller-Peterson» zu verleihen; seine Fassungslosigkeit über die deutsche Arbeitsmoral bedient zwar Vorurteile, hält aber einer sachlichen Prüfung der Daten für 2026 nicht stand.

Der Vorwurf, in Deutschland werde «weltweit am wenigsten gearbeitet», ist statistische Effekthascherei. Die oft zitierten 1.340 bis 1.386 Jahresstunden resultieren aus einer Rekord-Erwerbsbeteiligung von Frauen (74 Prozent) und Älteren. Da viele in Teilzeit arbeiten (49 Prozent der Frauen), sinkt rechnerisch der Durchschnitt pro Kopf, während das gesamte Arbeitsvolumen seit 2005 tatsächlich auf über 61 Milliarden Stunden angestiegen ist. Deutschland kombiniert eine hohe Stundenproduktivität mit einer Rekord-Erwerbstätigenquote von 77 Prozent.

 

Auch die Behauptung, 5.000 Euro brutto entsprächen dem Bürgergeld, ist falsch. Im Jahr 2026 verfügt selbst ein alleinstehender Vollzeitbeschäftigter zum Mindestlohn über rund 647 Euro mehr im Monat als ein Bürgergeld-Empfänger. Bei Familien mit zwei Kindern liegt dieser Lohnabstand bei über 800 Euro. Die «Nullrunde» beim Bürgergeld 2026 zeigt zudem, dass das System auf die sinkende Inflation reagiert und Arbeitsanreize bewahrt. Diesen Abstand allein durch höhere Mindestlöhne zu erzwingen, kann jedoch die Produktivität senken und den Arbeitsmarkt belasten. Sinnvoller wäre eine Entlastung der Unternehmen für positive Anreize – ein Punkt, den Müller-Petersen übergeht.

Die Verknüpfung von Staatsfinanzen und Goldpreis ist ebenso irreführend. Bundesanleihen als «wertlos» zu bezeichnen, ignoriert Marktdaten: Die 10-jährige Rendite liegt im Januar 2026 bei soliden 2,85 Prozent. Die «Bid-to-Cover»-Quote von 1,7 belegt, dass die Nachfrage das Angebot deutlich übersteigt. Der Goldpreis über 5.000 USD ist primär eine Reaktion auf geopolitische Spannungen und die US-Zollpolitik, nicht etwa ein Misstrauensvotum gegen Berlin.

Anstatt «Wahnsinn» zu rufen, sollten wir die hohe Erwerbsbeteiligung durch bessere Kitas und Infrastruktur – wie durch das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen geplant – in nachhaltiges Wachstum ummünzen . Auch die Entkopplung der Basis-Ausbildung an den Schulen vom Leistungsprinzip, wie wir sie in Baden-Württemberg verzeichnen, ist eine Fehlentwicklung, die wir korrigieren müssen.

Seien Sie skeptisch, wenn komplexe Krisen auf simple Faulheit reduziert werden. Vereinfachung birgt die Gefahr der Ignoranz. Auch bei «Wiki-Müller-Peterson».

Karl-Georg Degenhardt
Baden-Baden


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