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Leserbrief

Leserbrief „Meine Meinung" – „Kreuzstraße, wo sich die Spannung zwischen Autofahrer und Fussgänger zur Zerreißprobe hochschaukelt"

Baden-Baden, 10.01.2019, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leserin Monika Spiegel Stellung zu dem goodnews4-Bericht Überlegungen für autofreie Innenstadt Baden-Baden − Von Festspielhaus bis Augustaplatz − Bürgermeister Uhlig schreibt Stadtrat Schmoll − Mögliches Vorbild der Schweizer Wintersportort Zermatt.

So mancher Bürger oder Besucher unserer Stadt, der sich fußläufig auf eine entspannte Bummeltour durch die attraktive Innenstadt aufmacht, wird immer wieder entzaubert, wenn das romantische Gefühl vom unablässigen Getriebe des Autoverkehrs ablenkend und irritierend wirkt.

Zugegeben, nicht jeder mag sich gleichermassen durch diese permanente Unruhe genervt fühlen, am wenigsten die fleißigen Pkw-Nutzer. Die Touristen eher schon und wer weiß, vielleicht auch der eine oder andere aus Zermatt. Nur ein Beispiel von vielen: die Kreuzstraße, wo sich die Spannung zwischen Autofahrer, Motorroller und Fussgänger jeden Moment, fast ohne Pause, bis zur Zerreißprobe hochschaukelt, Lärm und Abgase für Letztere selbstverständlich gratis. Die Geschäfte in dieser reizvollen Lage haben wahrlich einen schweren Stand, bewundernswert ja, zu beneiden keinesfalls.

Natürlich wäre das Konzept einer autofreien Innenstadt eine Herkules-Aufgabe! und sollte gut begründet und durchdacht sein, denn wir wissen alle, dass die Individualinteressen oder schärfer gesagt, der Egozentrismus und nicht zuletzt eine gewisse Sorglosigkeit und Bequemlichkeit dem Gemeinwohl oft entgegenstehen. Was könnte also eine «stressfreie Zone» in der Innenstadt bewirken? Eine höhere Verweildauer beim Einkaufsbummel, im Cafe, Restaurant usw., durch Entschleunigung, Entspannung, Erholung, gute Luftqualität, u.v.m.. Zukunftsorientiert wäre es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe im Bereich der Gesundheitsförderung, auch als Signal an die kommenden Generationen. Das Vergnügen und die Leichtigkeit kämen dabei garantiert nicht zu kurz und machten dem neuen Slogan «the good-good life» alle Ehre.

Natürlich wird jede einschneidende Veränderung auch von einem gewissen Verlustempfinden begleitet und bedarf einer gewissen Eingewöhnungszeit. Wir Menschen müssen ohne die Ablenkung durch den Verkehr zu einem anderen/neuen Miteinander finden. Auch dies wieder eine Herausforderung, aber das Smartphone gibt ja so manchem Halt, wenn er in der Menge unterwegs ist (nicht unbedingt gesundheitsförderlich, aber das ist ein anderes Thema).

Und was ist dann mit den Fahrrädern?

Baden-Baden ist natürlich nicht Zermatt oder Baden bei Zürich und jede Stadt muss ihr eigenes Konzept entwickeln. Unter dem Lösungsdruck einer verkehrsfreien Innenstadt stehen sicher noch andere sensible Städte hierzulande. Spätestens, wenn der Titel «Weltkulturerbe» ins Haus flattern sollte, die Touristenströme eine noch höhere Dynamik entfalten, dürfte die Umsetzung einer solchen Vision unausweichlich sein. Keine leichte Aufgabe, zugegeben, aber eigentlich alternativlos.

Monika Spiegel
Baden-Baden


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