Leserbrief

Leserbrief „Meine Meinung“ – OB-Stichwahl in Baden-Baden – „So einiges passt hier nicht zusammen – und zwar ganz und gar nicht“

Baden-Baden, 20.03.2026, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Rainer Sauters Stellung zu dem goodnews4-Bericht OB-Stichwahl in Baden-Baden – goodnews4-Wahlempfehlung: Thomas Jung – Begründung und Kommentar von Christian Frietsch.

Seit Monaten erklärt uns Frau Lenke Wischhusen mit bemerkenswerter Inbrunst, wie sehr sie sich in Baden-Baden zu Hause fühlt, wie sehr sie diese Stadt liebt und dass sie «eine von uns» sei. Das klingt zunächst rührend, fast schon heimelig – wäre da nicht die kleine, aber offenbar hartnäckige Realität. Denn nun halte ich bereits zum zweiten Mal einen Wahlschein in der Hand, auf dem als Wohnort von Frau Wischhusen Liliental im hohen Norden angegeben ist. Lilienthal. Nicht Lichtental, nicht Oos, nicht irgendein Stadtteil von Baden-Baden – sondern ganz offensichtlich ein Ort, der mit unserer Stadt etwa so viel zu tun hat wie die Nordsee mit der Oos. Was gilt denn nun? Ist der Wahlschein fehlerhaft? Oder ist die gefühlige Erzählung vom tief verwurzelten Baden-Baden-Bezug eher… flexibel ausgelegt?

 

Man kann über vieles hinwegsehen im Wahlkampf – über wohlklingende Floskeln, über übertriebene Selbstinszenierung, sogar über den einen oder anderen rhetorischen Kunstgriff. Es ist ja nicht so, dass Wählerinnen und Wähler übermäßig anspruchsvoll wären. Aber ein Mindestmaß an Übereinstimmung zwischen öffentlicher Selbstdarstellung und überprüfbaren Fakten wäre schon ganz hilfreich. Insbesondere dann, wenn jemand ein so verantwortungsvolles Amt anstrebt. Und bei der Frage, wo jemand tatsächlich lebt, hört das Verständnis dann doch auf. Das ist keine Nebensächlichkeit, sondern eine ziemlich grundlegende Angabe.

Ich weiß nicht, wie es anderen Wählerinnen und Wählern geht. Ich für meinen Teil habe jedoch wenig Interesse daran, zwischen Wahlversprechen und Wahlunterlagen Detektiv spielen zu müssen. Und noch weniger Interesse daran, mich für naiv verkaufen zu lassen.

Vielleicht wäre es an der Zeit für eine klare, unmissverständliche Erklärung. Ohne Pathos, ohne Heimatkitsch – einfach nur die Wahrheit und das bitte noch vor der Wahl.

Und wenn wir schon bei der Forderung nach Transparenz und Aufklärung sind, stellen sich darüber hinaus weitere Fragen, die zumindest einer Klarstellung bedürfen: Wie verhält es sich mit der Beteiligung an der Beducated GmbH, die im Sex-Business beheimatet ist? Wann genau ist Frau Wischhusen tatsächlich aus der FDP ausgetreten? Wie sind Berichte über angebliche Unstimmigkeiten und Falschaussagen in früheren politischen Funktionen einzuordnen? Und was ist an öffentlich diskutierten Fragen von Transparency in Bezug auf ihren Beratervertrag beim Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) dran?

Es geht dabei nicht um Vorverurteilungen, sondern um etwas sehr Grundsätzliches: Vertrauen. Ein solches entsteht nicht durch wohlklingende Worte, sondern durch nachvollziehbare Antworten. Und wie schon in der Vergangenheit scheint Frau Wischhusen auch dieses Mal einen anderen Weg zu wählen: Sie schweigt beharrlich und vermeidet Interviews, in denen genau diese Fragen gestellt werden könnten.

Ebenso irritierend ist das Verhalten der CDU. Statt für Aufklärung zu sorgen, entsteht der Eindruck demonstrativer Geschlossenheit – ungeachtet der offenen Fragen. Ein Bild, das der Partei kaum guttun dürfte. Dabei stellen sich zwangsläufig weitere Fragen: Hat man die Kandidatin im Vorfeld nicht ausreichend geprüft? Oder war all dies bekannt und man hat darauf gesetzt, dass es im Wahlkampf keine Rolle spielen würde? So oder so: Sowohl die Kandidatin als auch die CDU sind den Bürgerinnen und Bürgern von Baden-Baden Antworten schuldig – und zwar vor der Wahl. Die Wählerinnen und Wähler haben ein Recht auf die Wahrheit, um ihre Entscheidung informiert und mit gutem Gewissen treffen zu können. Alles andere ist geeignet, das Vertrauen nachhaltig zu beschädigen, in die Kandidatin, in die CDU und leider auch in die Politik.

Rainer Sauters
Baden-Baden


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