Leserbrief

Leserbrief „Meine Meinung“ – Vergangenheitsbewältigung in Baden-Baden „angenehm und schmerzlos“ – „Sinnvoller, wenn sich Schüler und Lehrer mit den Jahren 1933 bis 1945 in Baden-Baden auseinandergesetzt hätten“

Baden-Baden, 05.05.2026, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Boris Fernbacher Stellung zu dem goodnews4-Bericht Gedenkveranstaltung zur Bücherverbrennung in Baden-Baden – Vertragswidriger Umgang mit Synagogen-Grundstück weiterhin ein Tabu.

goodnews4 kritisiert anlässlich der in Baden-Baden stattfindenden Gedenkveranstaltung zur Bücherverbrennung von 1933 und der Beschäftigung Baden-Badener Schüler mit der NS-Zeit, dass «die aktuellen Themen zum Vertragsbruch der Eigentümer des Grundstücks der alten Synagoge in Baden-Baden aber weiterhin ein Tabu bleiben». So war das bei der Erinnerung und Aufarbeitung der NS-Geschichte aber immer schon: Man befasst sich gerne und auch intensiv mit ihr, solange sie ohne Bezug zur Gegenwart bleibt, und auch räumlich weit entfernt von der eigenen Region stattgefunden hat. Solange diese Distanz gewahrt bleibt, ist die Vergangenheitsbewältigung ja auch relativ angenehm und schmerzlos. Da tritt man keinem vors Schienbein. Besser nicht in der eigenen Scheiße rühren! Unangenehmer wäre es, sich damit zu befassen, dass z.B. die Nachfahren eines reichen Unternehmers oder Kaufhausbesitzers vor Ort heute noch immer von dem Geld und Besitz profitieren, dass die Großeltern einst über die Enteignung jüdischen Besitzes zu Spottpreisen erworben haben. Wie umgehen mit ehemaligen Lokalgrößen, die einst eng in das verbrecherische NS-Regime eingebunden waren, wenn Stadt und Lokalpolitiker diese Person auch nach 1945 noch über viele Jahrzehnte öffentlich geehrt haben? Sollten Kommune und Bürger dies aufarbeiten und offen kommunizieren und seinen Namen tragende Straßen oder Vereinshallen (Dr.-Ertl-Tennishalle in Baden-Baden) umbenennen? Das könnte doch für viele noch lebende Lokalpolitiker und Nachfahren der Täter recht peinlich werden.

 

Schüler der Realschule Baden-Baden setzten sich im Vorfeld der Gedenkveranstaltung mit Leben und Werk während der NS-Zeit verfolgter Schriftsteller wie Jakob Wassermann, Anna Seghers und Alfred Döblin auseinander, da diese auch «einen besonderen Bezug zur Region haben». Welchen Bezug der in Österreich geborene Jakob Wassermann zur badischen Region haben soll, ist mir ein Rätsel. Er hat nie hier gelebt und auch keine Romane geschrieben, die in unserer Region spielen. Auch bei der in Mainz geborenen und später in Ostberlin lebenden Anna Seghers kann ich keine besondere Verbindung zu Baden-Baden erkennen. Wenigstens der in Stettin geborene Alfred Döblin wohnte ab 1945 die letzten zwölf Jahre seines Lebens im Badischen. Es ist immer besser, zuerst vor der eigenen Haustür zu kehren: Meiner Meinung nach wäre es deshalb sinnvoller gewesen, wenn sich die Schüler und deren Lehrer mal ganz konkret mit den Jahren 1933 bis 1945 in Baden-Baden, Rastatt und anderen Orten der Region sowie deren Aufarbeitung nach Kriegsende auseinandergesetzt hätten.

Boris Fernbacher
Baden-Baden


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