Leserbrief
Leserbrief „Meine Meinung“ – „Wer hat das Recht, dies zu zerstören?“ – Zum goodnews4-Bericht „Baden-Badener Michael Wemhöner protestiert gegen ‚Barbarei‘ in Stuttgart“
Baden-Baden, 25.04.2026, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Boris Fernbacher Stellung zu dem goodnews4-Bericht Baden-Badener Michael Wemhöner protestiert gegen «Barbarei» in Stuttgart – Büchervernichtung der Württembergischen Landesbibliothek.
Michael Wemhöner protestiert in seinem Leserbrief gegen die Entsorgung und Vernichtung von über hunderttausend Büchern in der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart. Ob dies nun aus Kostengründen, Platzmangel oder warum auch immer nötig sein soll – ich bin entsetzt über diese Vernichtung von Kulturgütern. Wissen wir heute lebenden denn, welche Gedanken und Themen unsere Enkel und Urenkel einst interessieren werden? Was uns heute als unwichtig erscheint, könnte für zukünftige Generationen bedeutsam und hilfreich sein. Wie können wir uns dann anmaßen zu entscheiden, was an Büchern, Ideen und Gedanken zu erhalten oder entsorgen ist? Ein gutes Buch kann ein ganzes Leben, eine Epoche oder auch Welt beinhalten. Wer hat das Recht, dies zu zerstören? Die Büchervernichtung in Stuttgart hat mich nachdenklich gemacht und zu folgendem eigenen Gedicht über die Macht der Worte inspiriert.
MACHT DER WORTE
Worte / alleinstehend / aneinander ge-ket-tet zu Zeilen, Sätzen, Seiten, Büchern, Bibliotheken. In Tontafeln geritzt, von Mönchen auf Pergament gezeichnet, durch Druckerpressen rotiert, auf Werbetafeln prangend, digitalisiert, als Müll im Internet entsorgt. Geklagt in einsamer Gefängniszelle, geschrien in Versammlungen, geflüstert ins Ohr der Geliebten, gelesen in Kanzleien, Kirchen und Kontoren, Orwell 1984, verbrannt in Alexandria ... gehört und vergessen.
Ein Wort - «Freiheit» - stürzt Monarchen und Diktatoren. Zwei Worte eines Papstes - «deus vult» - und tausende von Rittern ziehen los, um Jerusalem zu befreien und zu brandschatzen. Drei Worte - «Arbeit macht frei» - am Tor zur Hölle. Doch vier Worte - «I have a dream» - befreien aus Sklaverei und Unterdrückung. Fünf Worte - «Wollt ihr den totalen Krieg» - locken Millionen in den Untergang. Sechs Worte - «Freude, schöner Götterfunken, Tochter aus Elisium» - für unser gemeinsames Europa. Sieben letzte Worte - «Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun». Tausende Worte vegetieren in Archiven vor sich hin ... und bewirken … nichts.
Worte: Werkzeuge tiefsinniger Analysen und Philosophien. Verkündet am See Genezareth und Berg Sinai, dem Bodhi-Baum am Ganges. Niedergeschrieben in enger Studierstube in Königsberg, im einsamen Turm zu Tübingen oder in Sils Maria. Zu Weltsystemen aufgetürmt von großen Denkern - und von anderen wieder zertrümmert. Worte ... lobend, verführend, beschreibend, täuschend, befruchtend, nichtssagend, schmeichelnd, verzaubernd, demagogisch, fragend, prophetisch, anklagend, zustimmend, gehört und ungehört, langweilend, toxisch, enthüllend wie verbergend, kränkend, träumend, erforschend, aufbauend und vernichtend.
Gesungen von Diven in der Scala, sich durch Radioröhren und Kabel schlängelnde Wesen, von Karawanen und Schiffen um die Welt getragen, gemurmelt von wachen und schlafenden Träumern, in Bitten zu hören an Kaaba und Klagemauer, verstümmelt auf Social Media, übersetzt in hundert Zungen, die Stille brechend, Wirklichkeit und Wahn bebildernde Laute. Worte, Worte, Worte ...was wären wir ohne sie? Nur Affen auf den Bäumen, oder schweigende, weise und glückliche Einsiedler in der Hütte am Fuße des Baumes?
Boris Fernbacher
Baden-Baden
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