Leserbrief

Leserbrief „Meine Meinung“ – Zum Gastkommentar von Franz Alt vom 10. Juni 2024 – „Bereits Bill Clinton, Annalena Baerbock, Barack Obama, Karl-Theodor zu Guttenberg“

Baden-Baden, 12.06.2024, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Boris Fernbacher Stellung zu dem goodnews4-Bericht Guterres warnt vor «Klimahölle» – Kommentar von Franz Alt.

Sehr geehrter Herr Alt, ich will hier gar nicht näher auf die Ansichten von Ihnen und UNO-Generalsekretär Antonio Guterres zum Klimawandel eingehen. Den Ihren Kommentar abschließenden Appell von Herrn Guterres an junge Menschen will ich aber nicht unkommentiert lassen. Guterres meinte:

«Ihr steht auf der richtigen Seite der Geschichte. Macht weiter.»

Dieser bereits von Bill Clinton, dem amerikanischen Senator John McCain, Annalena Baerbock, Barack Obama, Karl-Theodor zu Guttenberg und vielen anderen inflationär verwendeten hohlen Phrase liegt die irrige Annahme zugrunde, dass die Geschichte so etwas wie ein vordefiniertes Ziel habe. Diese idealistische Vorstellung erinnert in gewisser Weise an das mittelalterliche Geschichtsmodell einer zwangsläufigen Zielgerichtetheit der historischen Entwicklung von der Kreuzigung Jesu zu seiner fest erwarteten Wiederkehr des Messias am Ende der Zeiten. In der Neuzeit wurden diese Vorstellungen eines vordefinierten Ziels der Geschichte dann von Hegel und dem Marxismus aufgegriffen.

 

Die Geschichte ist aber kein finaler sondern ein ergebnisoffener Prozess, d.h. sie folgt keinem Ziel, sondern wird von abstrakten wirtschaftlichen, technischen und sozio-kulturellen Faktoren sowie auch den Entscheidungen einzelner mächtiger Akteure angetrieben. Die in der Verantwortung stehenden zeitgenössischen Entscheidungsträger an den «Weggabelungen der Geschichte» können sich nie sicher sein, ob der von ihnen eingeschlagene Weg von nachfolgenden Generationen dann der «richtigen» oder «falschen Seite der Geschichte» zugeschlagen wird. Was wir als «richtige» oder «falsche Seite der Geschichte» bezeichnen, ist nur der subjektive und aus westlicher Perspektive bewertende Blick auf 50, 100 oder 200 Jahre zurückliegende Ereignisse. Hitlers «tausendjähriges Reich» oder Stalins «Paradies des Sozialismus» wähnten sich 1933 mit ihren verbrecherischen Ideologien einer rassereinen oder klassenlosen Gesellschaft sicher auch auf der «richtigen Seite der Geschichte». Das sehen wir heute aber Gott sei Dank ganz anders.

Deshalb würde uns Heutigen etwas mehr Bescheidenheit gut anstehen: Wir wissen nicht, ob unsere westlichen Vorstellungen von Demokratie, Menschenrechten, Umbau der Energiewirtschaft zwecks Klimarettung, LGBTQ und viele andere Projekte sich auf Dauer weltweit durchsetzen werden. Auch wird es sich erst in einigen Jahrzehnten zeigen, ob die militärische Unterstützung der Ukraine oder die Tolerierung der Masseneinwanderung sich als heil- oder eher unheilbringend erweist. Fazit: Es steht «in den Sternen», ob unsere momentanen Ziele, Bemühungen und Entscheidungen in 100 Jahren rückblickend der «richtigen» oder «falschen Seite der Geschichte» zugeordnet werden. Deshalb sollten Herr Guterres und viele andere «Weltverbesserer&lraquo; zurückhaltender sein mit einer vorschnellen moralischen Bewertung von historischen Ereignissen und Entscheidungen.

Boris Fernbacher
Baden-Baden


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